09. Dezember 2020 / 12:55 Uhr

"Top-Mentalität" eines "gereiften" Teams: RB Leipzigs Coach Nagelsmann schwärmt von seinen Kickern

"Top-Mentalität" eines "gereiften" Teams: RB Leipzigs Coach Nagelsmann schwärmt von seinen Kickern

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
LEIPZIG, GERMANY - DECEMBER 08: Julian Nagelsmann, Head Coach of RB Leipzig talks with the referees following the UEFA Champions League Group H stage match between RB Leipzig and Manchester United at Red Bull Arena on December 08, 2020 in Leipzig, Germany. Sporting stadiums around Germany remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Ausgelassen und gut gelaunt: Nach dem sicheren Einzug ins Champions-League-Achtelfinale hat RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann nur Lob für seine Spieler übrig. © 2020 Getty Images
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Eine deutliche Entwicklung zur Vorsaison, eine überragende Leistung gegen einen Top-Club und der Einzug ins Achtelfinale der Champions League: RB Leipzig machte beim 3:2-Sieg gegen Manchester United ganz Vieles richtig. Das veranlasste Coach Julian Nagelsmann zu regelrechter Schwärmerei.

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Leipzig. „Gratulation an meine Mannschaft zum Weiterkommen. Das ist ein großer Sieg für uns. Nach den Erlebnissen aus dem vergangenen Jahr in der K.o.-Phase haben die Jungs gebrannt“, kommentierte RB Leipzigs Coach Julian Nagelsmann nach dem 3:2-Sieg gegen Manchester United euphorisch. Die Freude sah man ihm deutlich an. Für die Partie und seine Spieler hatte er fast ausschließlich positive Worte: „Das kann man nicht viel besser machen gegen diesen Gegner.“

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Angelinos Hunger nach mehr

Vor allem auf seine Torschützen ließ er Lob regnen. Erster Adressat: natürlich Angelino. Keine drei Minuten waren gespielt, da donnerte der Spanier nach tollen Pass von Marcel Sabitzer einen Schuss an United-Keeper David De Gea vorbei ins Netz. „Er hat bereits sieben Tore erzielt. Das ist für einen offensiven Außenverteidiger ein sehr guter Wert, das muss man ehrlicherweise sagen", so Nagelsmann. Damit nicht genug. Für das 2:0 durch Amadou Haidara leistete Angelino eine mustergültige Vorarbeit, heimste so einen weiteren Scorerpunkt ein. Wettbewerbsübergreifend hat er davon inzwischen 12 auf dem Konto. Der RB-Coach weiß: auf den Hunger des Spaniers ist Verlass. "So kann er weitermachen und das wird er auch. Das ist kein Typ, der total satt wird, oder sagt, dass es nach sieben Toren auch reicht."

DURCHKLICKEN: So kommentierte die Presse das 3:2 gegen United

Daily Express (England): „United zahlte im Sommer 80 Millionen Pfund für Harry Maguire. Aber der englische Nationalspieler war gegen Leipzig schwach, verschuldete das dritte Gegentor. Maguire führte das Team als Kapitän auf’s Feld, konnte seine Mannschaft aber nicht zurück ins Spiel führen und wirkte verwundbar, wenn Leipzig begann loszustürmen.“ Zur Galerie
Daily Express (England): „United zahlte im Sommer 80 Millionen Pfund für Harry Maguire. Aber der englische Nationalspieler war gegen Leipzig schwach, verschuldete das dritte Gegentor. Maguire führte das Team als Kapitän auf’s Feld, konnte seine Mannschaft aber nicht zurück ins Spiel führen und wirkte verwundbar, wenn Leipzig begann loszustürmen.“ ©

Vor der Saison hatte Nagelsmann von seinen Außenverteidigern jeweils sechs Tore gefordert. Angelino hat diese Vorgabe nun bereits vor der Mini-Winterpause erfüllt. „Er hat natürlich auch noch Schritte zu gehen. Aber wir wissen, dass noch mehr Potenzial in ihm steckt. Offensiv ist er schon außergewöhnlich gut“, lobte der Coach seinen Schützling fast schon überschwänglich. Auch Sportdirektor Markus Krösche geriet beinahe ins Schwärmen. "Angelino ist ein unfassbar guter Spieler, der eine extreme Entwicklung in den letzten Wochen vollzogen hat. Er ist extrem wichtig für uns, nicht nur, was die Defensive angeht, sondern er ist auch in der Offensive sehr stark. Er macht die wichtigen Tore und ist sehr wertvoll für uns."

„Sind gegenüber dem letzten Jahr gereift“

Lob gab es natürlich nicht nur für den 23-jährigen Top-Scorer des Teams. Über warme Worte durfte sich auch Justin Kluivert, der zuvor das 3:0 für RB erzielt hatte, freuen. „Sein Tor war sehr schwer zu erzielen, weil David De Gea sehr nah an ihm dran war. Das war technisch sehr stark. Ich finde, auch in den anderen Aktionen war ein sehr großer Unterschied zu den Wochen vor dem Bayern-Spiel deutlich.“ Der Leihspieler von der AS Rom habe gegen United viele Bälle festgemacht, Freistöße gezogen, auch viel mehr gearbeitet, sei ballsicherer gewesen und habe sein Tempo ausgenutzt. „Er hat einen super Schritt in die richtige Richtung gemacht“, freute sich Nagelsmann über den Neuzugang, der es bislang schwer hatte, ins Team zu finden.

Einmal in Lob-Laune zollte der Coach dann auch noch dem Team als Ganzes Respekt. „Ich finde, dass wir gegenüber dem letzten Jahr, gereift sind. Das ist vielleicht sogar der eine Vergleich, den man wirklich ziehen kann. Die Jungs glauben an sich, haben eine Top-Mentalität, marschieren ohne Ende", kommentierte Nagelsmann die Einstellung seiner Elf. Auch gegen Manchester United seien sie marschiert bis zum Schluss. Das ist psychologisch gar nicht so einfach gewesen. Gefühlt den sicheren Sieg in der Tasche haben, und dann wird es nochmal eng. Trotzdem haben sie stabil dagegen gehalten. Das ist ein Reifeprozess und deshalb sind sie verdient zum wiederholten Mal in der K.o.-Phase.“ Als Trainer bleibe ihm nur der Wunsch, dass es in dieser Art und Weise weitergehe.

Nicht ganz ohne Kritik

Ein bisschen Kritik gab es natürlich doch noch, und zwar an Nordi Mukieles Beinahe-Eigentor kurz vor Schluss, das Peter Gulacsi geistesgegenwärtig verhinderte. „Grundsätzlich ist es natürlich richtig, dass man als Verteidiger bei so einem Querball hingeht.“ Gulacsi hatte seinem Vordermann noch zugerufen, nicht auf den Ball zu gehen, der habe es aber trotzdem gemacht. „Er hat auch schon viele Spiele gemacht und in dieser Situation vielleicht ein bisschen die Lauscher zugehabt. Das passiert wenn man viel Laktat hat – dann wird das Gehör schlechter“, scherzte Nagelsmann.

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Die Leistung seines Keepers – nicht nur in dieser Situation – lobte der Trainer. „Auch er hat insgesamt ein sehr gutes Spiel gemacht, ich war sehr zufrieden. Deshalb war es auch gut, dass er den letzten Ball hält. Das hätte noch gepasst, dass wir zu den zwei irregulären Toren auch noch ein Eigentor schießen. Das wäre nicht so glücklich gewesen.“