18. Juli 2020 / 08:29 Uhr

Top-Spiele in 100 Jahren Alfred-Kunze-Sportpark: Allzeitrekord im Meisterjahr 1950/51

Top-Spiele in 100 Jahren Alfred-Kunze-Sportpark: Allzeitrekord im Meisterjahr 1950/51

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Chemie gegen Turbine Erfurt vor brechend vollen Rängen. V.l.: Nitzsche, Scherbaum, Busch, Rose.
Chemie gegen Turbine Erfurt vor brechend vollen Rängen. V.l.: Nitzsche, Scherbaum, Busch, Rose. © Westend-Presseagentur
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In diesem Jahr feiert eine der traditionsreichsten Spielstätten des Leipziger Fußballs ihren 100. Geburtstag – der Alfred-Kunze-Sportpark. Unzählige Spiele fanden seither dort statt und zogen die Massen in ihren Bann – erst die TuRa, dann Chemie, später der FC Sachsen und nun wieder die BSG Chemie. Wir stellen in einer zehnteiligen Reihe die spannendsten und denkwürdigsten Spiele vor.

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Die Nachkriegszeit: Elend, Hunger, Zerstörung. Nach und nach kommt das Alltagsleben wieder in Gang, der Neuaufbau startet – und der Fußball mittendrin. In Leutzsch wurde bereits am 26. August 1945 wieder gegen den Ball getreten, 8000 Zuschauer kamen zum Städtespiel zwischen Leipzig und Dessau (2:4). Der Vereinssport lebte wieder auf, und auch, wenn die bürgerlichen Vereine durch das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 2 aufgelöst wurden und damit die Traditionsnamen verschwanden, pilgerten die Anhänger doch weiterhin an die vertrauten Stätten.

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32.000 Zuschauer im AKS

Als ZSG Industrie spielten die Leutzscher 1949 in der Sachsenmeisterschaft eine hervorragende Rolle. Zu den Spielen gegen Meerane (2:0) kamen 26.000 Zuschauer in den Sportpark Leutzsch, und als Friedrichstadt Dresden (Nachfolger des legendären Dresdner SC) in Leutzsch gegen Meerane spielte, kamen gar 27.000 Fans. Die Begeisterung für Fußball war riesengroß, der Hunger nach Unterhaltung kaum zu stillen.

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So ist zu erklären, was am 22.10.1950 geschah. Der inzwischen in BSG Chemie Leipzig umbenannte Verein war mit einer Mischung aus alten Haudegen wie Walter Rose (Großvater des heutigen Trainers von Borussia Mönchengladbach, Marco Rose), Werner Brembach, Gerhard Polland, Walter Stieglitz und Georg Zenker sowie den jungen spielintelligenten Kickern wie Horst Scherbaum, Rudi Krause, Gerhard Helbig, Heinz Fröhlich, Werner Eilitz, Günter Busch blendend in die Saison gestartet.

Am zehnten Spieltag kam das Spitzenteam von Turbine Erfurt, das als Titelfavorit galt, nach Leutzsch. „Bitte rücken Sie noch etwas enger zusammen, es begehren noch Tausende Einlass!“, mahnt der Stadionsprecher eine Stunde vor Spielbeginn. Am Ende umsäumten 32.000 Menschen den Platz, eine unvorstellbare Zahl und bis heute der Allzeit-Rekord für den Alfred-Kunze-Sportpark. Das Spiel verlor Chemie mit 0:1, doch am Ende stand die erste Fußballmeisterschaft, die man nach Leutzsch holen konnte.


Leipziger Fußball wird umstrukturiert

Das entscheidende Spiel gegen Erfurt auf neutralem Platz in Chemnitz sahen dann schon 60.000 Zuschauer. Es sei bemerkt, dass in diesem Jahr auch der Saison-Allzeitrekord für alle Heimspiele aufgerechnet aufgestellt wurde. 385.000 Fans kamen zu den 17 Heimspielen (drei wurden außerhalb in Borna, Chemnitz und Probstheida ausgetragen). Bei Zuschauerzahlen von bis zu 28.000 (gegen Halle, Oberschöneweide und Altenburg) kein Wunder.

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Damals bestanden die Wälle aus begrünten Hängen, es gab wenige Sitzplätze direkt am Spielfeldrand und auf der Tribüne, was das ungeheure Fassungsvermögen erklären mag. Dieses Phänomen führte ab der darauffolgenden Saison zum Kuriosum, dass man in das Stadion des Lokalrivalen aus Probstheida auswich, wenn man allzu große Massenaufläufe erwartete. Dort kamen dann bis 1954 ebenfalls extreme Mengen an Zuschauern, 50.000 Menschen und mehr waren keine Seltenheit im Stadion. 1954 wurde der Leipziger Fußball umstrukturiert, Chemie verlor seine Oberligazugehörigkeit, fortan spielten der SC Rotation (in Probstheida) und der SC Lokomotive (im Stadion des Friedens) in relativer Bedeutungslosigkeit und unter schwindendem Interesse des Leipziger Fußballpublikums. Das änderte sich erst wieder 1963…