03. Juli 2020 / 10:06 Uhr

Top-Spiele in 100 Jahren Alfred-Kunze-Sportpark: Die Tura greift nach dem Thron

Top-Spiele in 100 Jahren Alfred-Kunze-Sportpark: Die Tura greift nach dem Thron

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Ortsderbys waren auch vor 80 Jahren schon spannend. 1939 trennten sich Tura und VfB mit 3:3. Zander (Tura) trifft in die obere linke Torecke zum zweiten Tor, Müller (VfB) am Boden ahnt entsetzt die Bescherung.
Ortsderbys waren auch vor 80 Jahren schon spannend. 1939 trennten sich Tura und VfB mit 3:3. Zander (Tura) trifft in die obere linke Torecke zum zweiten Tor, Müller (VfB) am Boden ahnt entsetzt die Bescherung. © Westend-Presseagentur
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In diesem Jahr feiert eine der traditionsreichsten Spielstätten des Leipziger Fußballs ihren 100. Geburtstag – der Alfred-Kunze-Sportpark. Unzählige Spiele fanden seither dort statt und zogen die Massen in ihren Bann – erst die TuRa, dann Chemie, später der FC Sachsen und nun wieder die BSG Chemie. Wir stellen in einer zehnteiligen Reihe die spannendsten und denkwürdigsten Spiele vor.

Leipzig. Fußball hat in Leipzig große und lange Traditionen. 1893 gründete sich mit Lipsia der erste Verein, es folgten 1895 Wacker, 1896 der VfB, 1899 die Spielvereinigung und der Leipziger Sportverein von 1899, und 1900 wurde der Deutsche Fußballbund aus der Taufe gehoben.

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Der VfB beherrschte die Szenerie, wurde im Laufe der Jahre abwechselnd von Wacker, Fortuna oder der Spielvereinigung bedrängt. In den dreißiger Jahren schickte sich eine Neugründung an, den Probstheidaern die Spitzenposition streitig zu machen, als Automatenfabrikant Karl Schwarz 1932 die TuRa gründete.

20.000 Zuschauer beim Ortsderby

Innerhalb von vier Jahren schaffte man den Durchmarsch in die höchste deutsche Spielklasse, die Gauliga. Profitiert hatte der clevere Vereinschef Schwarz von der Zerschlagung des Arbeitersports durch die Nazis und seiner Bereitschaft, Spieler wie die Schmidt-Brüder aus Bielefeld und Croy, die zuvor im Arbeitersport aktiv waren, in seiner Fabrik einzustellen. Tagsüber bauten die Kicker Registrierkassen und Spielautomaten, nachmittags wurde trainiert.

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Im Aufstiegsjahr 1936 setzte man sich gegen den Leipziger Sportverein von 1899 durch, der auf dem „99er“ an der Merseburger Landstraße spielte. In einem spannenden Match siegte Tura am 9. Februar 1936 mit 2:1 vor 20.000 Zuschauern – der absolute Rekord bis dahin! Auf der Gegenseite kickten so bekannte Akteure wie Carolin (Verwandter des Wackerspielers und späteren Nürnbergers Carolin, der Deutscher Meister und Pokalsieger wurde), Pfau und Riedel (später Trainer bei der Tura).

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Kurios: Den Schiedsrichter stellte ausgerechnet der VfB Leipzig. Von Beschwerden dem Schiri gegenüber ist allerdings nichts bekannt… Der Sieg reichte mit einem winzigen Pünktchen Vorsprung zum Aufstieg. 1938 fusionierten die beiden Vereine LSV und Tura zum neuen Großverein Tura 1899.

Am Ende fehlte Tura ein Punkt

Mit dem Aufstieg in die Gauliga Sachsen begann ein beispielloser Angriff auf die sportliche Spitzenposition in Leipzig. Der Neuling hatte nach Schalke 04 die meisten Zuschauer aller deutschen Vereine, die es fast magnetisch nach Leutzsch zog. Wurde das erste Saisonspiel (sofort gegen den VfB Leipzig) noch klar mit 0:4 verloren, so konnte man im Rückspiel vor 21 000 Zuschauern erstmals gegen den erfolgsverwöhnten Krösus gewinnen.

Am 7. März 1937 gelang gegen den frischgebackenen Deutschen Pokalsieger VfB ein 2:1-Sieg. Beide Tore erzielte Herbert Schmidt, das Gegentor fiel in der 88. Minute Pichler.

In der Endtabelle der Saison trennte beide Vereine nur ein einziger Punkt. Den wollte Tura in der darauffolgenden Saison aufholen. Der Angriff auf den VfB scheiterte jedoch, wenn auch nur knapp. Erst in der Kriegsmeisterschaft 1943/44 landete man vor dem VfB, jedoch hatte dies keine Aussagekraft mehr. Die Wachablösung sollte erst nach dem Krieg gelingen.

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