08. Juni 2020 / 11:12 Uhr

Top-Talent und Top-Neuzugang: Darum passt Lena Oberdorf zum VfL

Top-Talent und Top-Neuzugang: Darum passt Lena Oberdorf zum VfL

Andreas Pahlmann und Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ralf Kellermann lotste Lena Oberdorf zum VfL
Ralf Kellermann lotste Lena Oberdorf zum VfL
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Lena Oberdorf von der SGS Essen ist eines der größten deutschen Fußball-Talente und schon mit 18 Jahren eine der besten Abwehrspielerinnen der Liga. Der VfL Wolfsburg zahlt für sie jetzt eine Ablöse - aus gutem Grund.

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Im Februar hatte der SPORTBUZZER erstmals über das Interesse berichtet, am Sonntag sickerte der Transfer durch, am Montag hat ihn der VfL Wolfsburg bestätigt: Lena Oberdorf wechselt von der SGS Essen zum deutschen Frauenfußball-Meister. Dem Deal gingen lange Verhandlungen voraus, und der VfL zahlt für die Abwehrspielerin eine für den Frauenfußball immer noch ungewöhnlich hohe Ablösesumme. Über die genaue Höhe wurde Stillschweigen vereinbart, sie liegt nach SPORTBUZZER-Informationen im hohen fünfstelligen Bereich und kann je nach sportlicher Entwicklung auch noch sechsstellig werden.

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Für den VfL, der kurz vor der nächsten Meisterschaft steht, ist das eine wichtige und richtungsweisende Information. Oberdorf gilt weltweit als das wohl größte Talent im Frauenfußball. Anfang des Jahres wurde sie vom Portal „Goal“ mit dem NxGn-Award 2020 zum besten Talent der neuen Generation gekürt. „Lena zählt zu den größten Talenten im weltweiten Frauenfußball – umso glücklicher sind wir, dass sie sich für eine Zukunft beim VfL entschieden hat“, so Wolfsburgs Sportlicher Leiter Ralf Kellermann. "Sie hat schon als 17-Jährige die WM in Frankreich gespielt und verfügt auch im Liga-Bereich über eine für ihr Alter große Erfahrung. Darüber hinaus ist sie in der Abwehr und im Mittelfeld vielseitig einsetzbar. Über ihre sportlichen Qualitäten hinaus wird sie auch mit ihrer unbekümmerten Art eine Bereicherung für uns darstellen."

2018 war die gebürtige Gevelsbergerin zur SGS Essen gewechselt, absolvierte seitdem wettbewerbsübergreifend 35 Spiele für den Tabellenfünften der Frauen-Bundesliga. Ihr Vertrag dort lief eigentlich bis 2021, dann wäre sie abslösefrei gewesen. Doch so lange wollten weder die Spielerin noch ihr neuer Verein warten. „Ich bin absolut überzeugt davon, dass der VfL Wolfsburg mit seinem Top-Kader und tollen Rahmenbedingungen genau der richtige Verein ist, um mich in den nächsten Jahren persönlich weiterzuentwickeln und natürlich auch Titel zu gewinnen“, so Oberdorf. „Besonders freue ich mich darauf, mit dem VfL international zu spielen und somit auch Erfahrungen in der Champions League zu sammeln!“ Beim VfL bekommt sie die Rückennummer 5.

In Bildern: Die Transfers der Frauen-Bundesliga 2020/2.

Auch in der Corona-Krise treiben die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga ihre Personalplanungen für die neue Saison voran. Der SPORTBUZZER fasst die wichtigsten Transfers zusammen. Zur Galerie
Auch in der Corona-Krise treiben die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga ihre Personalplanungen für die neue Saison voran. Der SPORTBUZZER fasst die wichtigsten Transfers zusammen. ©

Ihr Debüt in der deutschen Nationalmannschaft gab Oberdorf am 6. April 2019 beim 2:1-Sieg im Testspiel gegen Schweden. Mit 17 Jahren und 109 Tagen war sie die achtjüngste Spielerin beim Debüt in der Nationalmannschaft. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg setzt auf die Dienste der Verteidigerin, die aber auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann. 2019 wurde Oberdorf für den Weltmeisterschaftskader berufen. Bei ihrer Einwechslung im ersten Vorrundenspiel gegen China wurde sie mit 17 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen zur jüngsten deutschen WM-Spielerin - ein Rekord, den bis dahin Birgit Prinz innehatte.

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Mit Pauline Bremer hat der VfL bereits eine deutsche Nationalspielerin geholt, sie kommt von Manchester City, Torfrau Katarzyna Kiedrzynek kommt ablösefrei von Paris Saint-Germain. Im Gegenzug verlassen Claudia Neto, Kristine Minde (Rosenborg), Sara Gunnarsdottir (Lyon), Noelle Maritz, Hedvig Lindahl und Jana Burmeister den VfL. Burmeister bleibt in der Region, schließt sich dem Oberligisiten TSV Barmke an. Für die SGS Essen ist Oberdorfs Abgang wirtschaftlich lukrativ, aber sportlich bitter. Denn nach dem Wechsel von Linda Dallmann im vergangenen Sommer zu Bayern München und den Abschieden von Lea Schüller und Marina Hegering zur kommenden Spielzeit (ebenfalls zum FC Bayern) verlieren die Westdeutschen mit Oberdorf binnen kurzer Zeit bereits die vierte DFB-Nationalspielerin.

„Es ist sehr schade, dass uns Obi verlässt," sagt SGS-Chef-Trainer Markus Högner. "Ein bis zwei Jahre in Essen als Führungsspielerin zu bleiben, hätten ihr für ihre weitere Entwicklung sicherlich noch gut getan." Aber auch er weiß, dass es gute Gründe für ihre Entscheidung gibt: "Ich hege in keinster Weise Groll, dass Lena nach Wolfsburg geht. Bei einer Spielerin solchen Kalibers ist es klar, dass sie über kurz oder lang bei einem Weltklasse-Klub wie Wolfsburg landet." Högner muss es wissen - er hat selbst als Co-Trainer für den VfL gearbeitet.

Der FC Bayern, auf nationaler Ebene größter Konkurrent des VfL Wolfsburg, hat zudem bereits die schwedische Nationalspielerin Hanna Glas (von Paris Saint-Germain) und die junge Top-Stürmerin Klara Bühl (SC Freiburg) verpflichtet. In der kommenden Saison ließe sich eine deutsche Nationalmannschaft komplett aus Spielerinnen des VfL und des FCB bilden - mit je fünf Feldspielerinnen beider Klubs.