22. August 2020 / 10:53 Uhr

Von Toppmöller bis Flick: Diese sechs deutschen Trainer standen schon im Finale der Champions League

Von Toppmöller bis Flick: Diese sechs deutschen Trainer standen schon im Finale der Champions League

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jupp Heynckes, Hansi Flick, Klaus Toppmöller: drei deutsche Trainer im Finale der Champions League.
Jupp Heynckes, Hansi Flick, Klaus Toppmöller: drei deutsche Trainer im Finale der Champions League. © imago images/Montage
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Am Sonntag treffen im Finale der Champions League zwei deutsche Trainer aufeinander: für Bayern-Trainer Hansi Flick und seinen PSG-Kollegen Thomas Tuchel ist es jeweils das erste Endspiel in der Königsklasse. Vor ihnen schafften es nur vier Deutsche in ein CL-Finale. Der SPORTBUZZER zeigt, wie sie sich schlugen. 

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Hansi Flick gegen Thomas Tuchel - das Champions-League-Finale ist auch ein Duell zweier deutscher Trainer. Für die Coaches des FC Bayern München und von Paris Saint-Germain ist das Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften am Sonntag (21 Uhr) in Lissabon das jeweils erste Endspiel in der Königsklasse. Sie sind erst die Trainer fünf und sechs aus Deutschland, die in einem CL-Finale stehen - den Vorgänger-Wettbewerb Europapokal der Landesmeister ausgeklammert. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf die anderen vier - und wie sie sich geschlagen haben.

Jürgen Klopp:

Der bisher letzte deutsche Trainer in einem Endspiel der Champions League war natürlich Jürgen Klopp. Der 53-Jährige erfüllte sich im vergangenen Jahr den lange gehegten Traum vom ersten Titelgewinn in der Königsklasse. Lange hatte der gebürtige Stuttgarter sich erfolglos versucht, verlor zwei Endspiele - 2013 mit Borussia Dortmund in London gegen den FC Bayern und 2018 mit dem FC Liverpool in Kiew gegen Real Madrid.

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Ein Jahr später gelang Klopp dann doch der große Wurf: in Madrid setzten sich die Reds mit 2:0 gegen Tottenham durch. "Es ist etwas Großes, etwas absolut Großes - und ich hoffe, dass wir ähnliche Dinge wieder machen können", sagte er später. In diesem Jahr war für den Weltklubtrainer des Jahres 2019 schon im Achtelfinale Endstation - Liverpool scheiterte nach Verlängerung an Atlético Madrid.

Jupp Heynckes:

Bis zum Triumph von Klopp und Liverpool war Trainer-Ikone Jupp Heynckes der letzte Deutsche, der eine Mannschaft zum Champions-League-Titel führen konnte. Der heute 75-Jährige holte 2013 mit einer inzwischen legendären Bayern-Mannschaft um Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und der Königsklasse. Im Endspiel von Wembley setzte Heynckes sich im Duell der Generationen mit 2:1 gegen seinen Landsmann Klopp und dessen BVB durch. Eine Woche später folgte der Pokalsieg. Die Spieler buchten in Berlin eine Location. Heynckes, der nach dem Spiel seine Karriere (vorerst) beendete, war natürlich mit dabei. "Sie wollten dem Alten, mir, nochmal einen schönen Abschied bereiten", sagte er. "Also bin ich mitgekommen in diese Berliner Diskothek, es war eng, stickig und richtig laut. Und trotzdem war es eine traumhafte Nacht mit meinen Spielern."

Die Party war wohl auch deshalb so rauschend, weil die Enttäuschung der Vorsaison verarbeitet werden musste. 2012 unterlagen die Münchner nämlich mit Heynckes an der Linie nach Verlängerung im legendär gewordenen "Finale dahoam" gegen den FC Chelsea und dessen jungen Interimstrainer Roberto di Matteo. Der Titel des Folgejahres sei direkt auf die Enttäuschung von München zurückzuführen, bekannte Heynckes später. "Die Mannschaft, Staff, Trainerteam und ich haben wegen des verlorenen Champions-League-Finales eine nie da gewesene Motivation verspürt", sagte er und betonte: "Dieses Triple war der Mannschaft geschuldet, den Typen in meiner Mannschaft."

Das wurde aus den Triple-Siegern des FC Bayern von 2013

Es ist die Messlatte für jede erfolgreiche Bayern-Saison: Das Triple 2012/13. Im Champions-League-Finale gewinnt die Elf von Jupp Heynckes mit 2:1 gegen den BVB, eine Woche später wird der Titel-Dreischlag mit einem 3:2 im DFB-Pokalfinale gegen Stuttgart klar gemacht. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt, was aus den Triple-Helden geworden ist. Zur Galerie
Es ist die Messlatte für jede erfolgreiche Bayern-Saison: Das Triple 2012/13. Im Champions-League-Finale gewinnt die Elf von Jupp Heynckes mit 2:1 gegen den BVB, eine Woche später wird der Titel-Dreischlag mit einem 3:2 im DFB-Pokalfinale gegen Stuttgart klar gemacht. Der SPORTBUZZER zeigt, was aus den Triple-Helden geworden ist. ©

Für den gebürtigen Mönchengladbacher war es nicht der erste Triumph in der Königsklasse. Schon 1998 hatte der Deutsche die Champions League gewonnen, damals mit Real Madrid. In Amsterdam gewannen die Königlichen das Finale mit 1:0 gegen Juventus Turin. Unvergessen bleibt aus diesem Jahr allerdings eher das Halbfinal-Hinspiel gegen Borussia Dortmund, als eines der Tore noch vor dem Spiel in sich zusammenfiel. Der "Torfall von Madrid" erlangte in Deutschland große Berühmtheit. Die Madrilenen setzten sich nach zwei Partien mit 2:0, 0:0 durch.

Ottmar Hitzfeld:

Ebenfalls zwei Final-Siege weist mit Ottmar Hitzfeld eine zweite deutsche Trainer-Legende auf. Der heute 71-jährige frühere Realschullehrer, der die Fächer Mathematik und Sport studiert hatte, stand insgesamt sogar in drei Endspielen; 1997 gewann Hitzfeld mit Borussia Dortmund in München erstmals die Champions League. Unvergessen: Joker Lars Ricken schoss im Olympiastadion nur Sekunden nach seiner Einwechslung mit einer Bogenlampe das entscheidende 3:1 gegen Juventus Turin. Nach dem Spiel verabschiedete sich Hitzfeld vom BVB. "Es war genau die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt. Ich war sechs Jahre Trainer. Das war Knochenarbeit, und ich war ziemlich erschöpft", sagte er später.

Ein Jahr darauf heuerte er beim FC Bayern an - und führte seine neue Mannschaft auf Anhieb ebenfalls ins Endspiel der Champions League. Die Partie gegen Manchester United in Barcelona wurde allerdings eine der bittersten Erfahrungen seiner Trainerlaufbahn, denn die Münchner, die den Sieg nach der frühen Führung durch Mario Basler schon vor Augen hatten, kassierten in der Nachspielzeit zwei Tore durch Teddy Sheringham und Ole Gunnar Solskjaer und unterlagen noch mit 1:2. "Situationen wie diese sind wirklich selten", sagte Hitzfeld später: "Ich habe nie etwas erlebt, das dem auch nur ansatzweise nahekam." Nach dem Spiel entschuldigte sich United-Trainer Sir Alex Ferguson fast beim Deutschen.

FC Bayern: Die Trainer mit dem besten Punkteschnitt

Jupp Heynckes gilt als einer der größten Trainer in der Geschichte des FC Bayern München. Der Punktbeste ist er nicht. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt das Ranking aller FCB-Coaches in allen Wettbewerben. Zur Galerie
Jupp Heynckes gilt als einer der größten Trainer in der Geschichte des FC Bayern München. Der Punktbeste ist er nicht. Der SPORTBUZZER zeigt das Ranking aller FCB-Coaches in allen Wettbewerben. ©

Hitzfeld aber blieb beim FC Bayern nicht unvollendet. Denn zwei Jahre später gewannen die Münchner doch noch die Königsklasse, schlugen Valencia nach einem hart umkämpften Spiel nach Elfmeterschießen. Herausragend dabei: Oliver Kahn, heute Vorstand des FCB. Der 50-Jährige gab erst vor wenigen Tagen zu, dass die bittere Niederlage von Barcelona letztlich ausschlaggebend war für den Titelgewinn zwei Jahre später: "Wir waren damals getrieben von der unangenehmen Niederlage 1999. Das hat uns extrem angetrieben..." Für Hitzfeld war es der letzte internationale Titel.

Klaus Toppmöller:

Er ist sicher der überraschendste Name unter den deutschen Champions-League-Finaltrainern: die Trainerkarriere von Klaus Toppmöller verlief längst nicht so glorreich wie die von Heynckes, Hitzfeld oder Klopp. Doch für den eindrucksvollen Lauf von Bayer Leverkusen in der Saison 2001/02 gebührt dem heute 69-jährigen große Anerkennung - auch wenn das Finale von Glasgow nach einem Geniestreich von Zinedine Zidane mit 1:2 verloren ging.

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Der Werksklub wurde seinen Ruf als "Vizekusen" auch unter Toppmöller nicht los. "Das ist der schlimmste Tag meiner Karriere", grummelte Toppmöller nach der Partie. "Wir haben eine Riesen-Saison gespielt, im Finale Real Madrid alles abverlangt und bis zum Schluss toll gefightet. Aber leider Gottes stehen wir am Ende ohne Titel da."