18. November 2021 / 08:00 Uhr

Ein Tor für die Ewigkeit: Als Kaiser im "El Plastico" für RB Leipzigs ersten Bundesliga-Jubel sorgte

Ein Tor für die Ewigkeit: Als Kaiser im "El Plastico" für RB Leipzigs ersten Bundesliga-Jubel sorgte

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
28.08.2016, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, TSG 1899 Hoffenheim - RB Leipzig, emspor, v.l. Timo Werner (RB Leipzig), Dominik Kaiser (RB Leipzig) celebrate the goal, Torjubel zum 1:1 Sinsheim

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Dominik Kaiser erzielte im August 2016 das erste Bundesliga-Tor der noch kurzen RB-Geschichte. © Imago/Jan Huebner
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Am 28. August 2016 erzielte Dominik Kaiser im Gastspiel bei der TSG Hoffenheim RB Leipzigs ersten Bundesliga-Treffer überhaupt. Am Samstag geht es für die Sachsen wieder nach Sinsheim. Die Vorzeichen sind inzwischen andere. Die Gäste haben in dieser Saison auswärts nicht gewonnen, können einen Sieg in der Fremde aus mehreren Gründen gut gebrauchen.

Leipzig. Cottaweg, öffentliches Training bei den Roten Bullen. Das Wetter ist, wie es im November ist, bescheiden. Die Freude der Fans, die am Buß- und Bettag nicht nach Sachsen-Anhalt zum Shoppen gefahren sind, ist wetterunabhängig. 250 applaudieren ihren Herzblättern, reden über malade Waden (Yussuf Poulsen), funktionsfähige Oberschenkel (Willi Orban und Lukas Klostermann) und Muskeln an und für sich. Dominik Szoboszlais hat diesbzüglich überwindbare Probleme.

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Geschichte geschrieben im ersten Spiel

Fan-Thema zwischen Torschuss und mitgebrachter Bemme: Das RB-Spiel in Hoffenheim (Sonnabend, 15.30 Uhr) und jenes in Brügge (Mittwoch, 21 Uhr). Die Zeit vergeht im Fluge, bis die Männer, Frauen, Kinder das bekommen, weswegen sie gekommen sind: Autogramme, Selfies, ein Lächeln. Man kann den RB-Kickern einiges nachsagen. Zu wenig Punkte, zu wenig Matchglück, zu wenig Zuwendung des Kölner Videokellers. Den Kontakt zu den Fans haben sie nicht verloren.

DURCHKLICKEN: Die Bilder vom Training am 17.11.2021

Die Profis von RB Leipzig waren nach der Länderspielpause wieder fleißig und trainierten am Cottaweg. Zur Galerie
Die Profis von RB Leipzig waren nach der Länderspielpause wieder fleißig und trainierten am Cottaweg. ©

Hoffenheim? Da war doch was! Einige Trainingskiebitze sind schon lange von Liebe zu den Rasenballern durchdrungen, waren auch beim ersten Bundesliga-Spiel am 28. August 2016 dabei. In Sinsheim, beim samstäglichen Gastgeber.

Kaiser mit dem ersten Tor

Dieses Duell wird anno 2016 El Plastico genannt. 1000 RB-Fans sind dabei, insgesamt schauen 26. 000 zu. Hoffenheims Boss Dietmar Hopp begrüßt in seiner Loge Franziska van Almsick, Helene Fischer und Florian Silbereisen. An jenem heißen Sonntag macht Peter Gulacsi in den ersten zehn Minuten vier Hochkaräter von Julians Nagelsmännern zunichte. Eingedenk aufgescheuchter Leipziger deutet einiges auf ein Fiasko hin. Die von Ralph Hasenhüttl trainierten Gäste sind überfordert, spielen lange Zeit schwächlich wie eine Woche zuvor beim Pokal-Aus bei Dynamo Kutschke Dresden. Als die TSG 1:0 in Führung geht (55.), ist die Stimmung fast so ausgelassen wie beim Badnerlied vorm Anpfiff.

Dann flankt Diego Demme auf den Ex-Hoffenheimer Dominik Kaiser, Tor, 1:1 (58.). Sportdirektor Ralf Rangnick erlebt den historisch und auch sonst wertvollen ersten Bundesliga-Treffer seiner Schäfchen nicht vor Ort, ist dabei, Oliver Burke aus dem Sherwood Forest zu locken. Und während Rangnick die Burke-Ablöse zu Geschäftsführer Oliver Mintzlaff kabelt (15 Millionen Euro), schießt Mark Uth das Hoffenheimer 2:1 (83.). Wann kommt Naby Keita rein? Gar nicht, der gegen Dresden indisponierte junge Mann sitzt nicht mal auf der Bank. Pokal-Aus und Auftakt-Pleite? Nein, Marcel Sabitzer grätscht kurz vor Ultimo eine Flanke von Benno Schmitz zum 2:2 ins Netz.

Drei Siege in Serie

Das Erfolgserlebnis wird in einem Gewirr aus Leibern gefeiert. 2:2 bei der TSG, 1:0 gegen Dortmund, 4:0 in Hamburg, 1:1 gegen Gladbach, 1:0 in Wolfsburg, 3:2 in Leverkusen und so weiter. Eine märchenhafte erste, mit der Vizemeisterschaft endende Bundesliga-Saison, nimmt ihren Lauf. Die Hasenhüttler kassieren erst am 14. Spieltag ihre erste Niederlage: Da heißt es 0:1 beim Ex-Club des Cheftrainers – in Ingolstadt.


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Was geht für Jesse Marschs Männer in Hoffenheim? In dieser Saison gab es noch keinen Auswärtssieg. Aber die letzten drei Spiele bei der TSG wurden gewonnen, 2:1, 2:0, 1:0. Ein Dreier würde den sanften Weg nach oben ruckartig beschleunigen.

Domme Kaiser? Hat im Sommer 2018 das RB-Trikot ausgezogen. Nach sechs Jahren, 171 Pflichtspielen, 36 Toren, 38 Vorlagen, drei Aufstiegen – und einem sagenumwobenen Abschiedsspiel. Chronist Schäfer hat die Figur eines sibirischen Bibers, darf trotzdem neuneinhalb Minuten mitkicken. Sechs Jahre, in denen Kaiser auch dann gute Noten bekommen hat, wenn er gar nicht gespielt hat, verbinden. Kaiser, 33, der kleine, große und verdiente Mann, spielt mittlerweile bei Hannover 96. Zweite Liga. Abstiegskampf.