20. März 2021 / 19:30 Uhr

Rekord, Jubiläum & ein perfektes Tor: Enttäuschend war für Wolfsburgs Weghorst nur ein Anruf

Rekord, Jubiläum & ein perfektes Tor: Enttäuschend war für Wolfsburgs Weghorst nur ein Anruf

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Starke Sache: Wout Weghorst machte gegen Werder sein 17. Saisontor - und seinen 50. Bundesliga-Treffer insgesamt.
Starke Sache: Wout Weghorst machte gegen Werder sein 17. Saisontor - und seinen 50. Bundesliga-Treffer insgesamt. © (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Er machte beim 2:1-Sieg in Bremen das wichtige zweite Tor für den VfL Wolfsburg - und steht nun bei 50 Bundesliga-Treffern. In seiner Nationalmannschaft kommt Wout Weghorst dennoch nicht zum Zug, damit ist er Leidensgenosse von Teamkollege Maximilian Arnold.

Am Ende war es (mal wieder) sein Tor, dass den Unterschied gemacht hatte. Wout Weghorst erzielte den zweiten der beiden Treffer des VfL Wolfsburg beim 2:1-(2:1)-Sieg in Bremen. Und wie in den letzten Wochen fast üblich, war es ein Treffer für Wolfsburger Jubiläen und Bestmarken: Runde 50 Bundesliga-Tore stehen nun auf Weghorsts Wolfsburger Konto, seinen persönlichen Rekord von 17 Treffern aus der vergangenen Spielzeit hat er wieder erreicht. Sieben weitere Tore braucht er noch, um Diego Klimowicz (auf Platz drei der ewigen VfL-Torjägerliste) einzuholen. Und die Wolfsburger haben mit jetzt 51 Zählern die 49 Zähler aus der Vorsaison bereits übertroffen - acht Spieltage vor Schluss!

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Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. ©

14 Treffer hatte sich Weghorst vor der Saison als Ziel gesetzt, dieses Ziel dann auf 20 nach oben korrigiert. "Das hoffe ich zu erreichen", sagte der Niederländer nach dem Abpfiff in Bremen, wo der den VfL aufgrund der ersten 45 Minuten als verdienten Sieger sah. "Die erste Halbzeit war souverän von unserer Seite, wir waren klar überlegen." Der Anschlusstreffer war dann "ein nicht so schöner Moment", die zweite Hälfte "war eher 50/50, da wurde es ein hartes Spiel. wir waren zu passiv, haben es aber defensiv stark gemacht."

VfL auf Champions-League-Kurs, Weghorst weiter treffsicher - da ist es nicht leicht zu verstehen, dass Bondscoach Frank de Boer den Wolfsburger Torjäger weiterhin verschmäht. Für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele der niederländischen Nationalmannschaft (die Gegner sind die Türkei, Lettland und Gibraltar) wurde Weghorst erneut nicht nominiert. Aber immerhin nahm sich de Boer die Zeit, Weghorst am Freitag anzurufen und ihn die Sache persönlich zu erklären. "Es war enttäuschend", schilderte der VfL-Stürmer im Sky-Interview. Und zwar "so enttäuschend, dass ich keinen Bock habe, darüber zu reden."

Trainer Oliver Glasner hätte sowohl Weghorst als auch Arnold eine Nominierung gegönnt. "Ich maße es mir aber nicht an, jedem einzelnen Nationaltrainer Ratschläge zu geben, wen er zu berufen hat", so der VfL-Coach. "Mich freut es, dass Wout bei uns so konstant auf hohem Niveau spielt und er immer wieder trifft." Statt zur Nationalelf zu reisen, kann Weghorst die nächsten Tage zusammen mit seiner Familie verbringen. Glasner: "Er hat aufgrund seiner intensiven Spielweise das eine oder andere Wehwehchen - jetzt kann er sich erholen." Das gelte auch für Arnold, wenngleich auch er eine Nominierung "verdient gehabt hätte. Ich weiß, dass es ihn, genau wie Wout, noch zusätzlich anspornen wird, weiterhin so Gas zu geben wie bisher."

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Sowohl Arnold als auch Weghorst wollten lieber über den Sieg in Bremen und die Aussicht auf die Königsklasse reden. Weil Dortmund nur 2:2 in Köln spielte, beträgt der VfL-Vorsprung auf Rang fünf nun satte acht Punkte. "Aber", so Weghorst, "es sind noch 24 Punkte zu vergeben, das ist noch ein langer Weg." Nach der Länderspiel-Pause kommen die Kölner in die VW-Arena, "darauf liegt unser Fokus, so müssen wir das weiter angehen." Der Trainer des Samstag-Gegners ist da schon einen Schritt weiter. "Wolfsburg ist eine Mannschaft, die ziemlich sicher in die Champions League gehen wird", so Florian Kohfeldt. Und: "Gefühlt haben sie jetzt nur ein Spiel in den letzten 37 Jahren verloren..."

Und Arnold? Auch er hat keinen Länderspiel-Stress, wurde von Bundestrainer Joachim Löw trotz viele Fürsprecher nicht eingeladen. Wie Weghorst gab auch der Mittelfeldmann zu: "Der Bundestrainer hat so entschieden, ich bin schon ein bisschen enttäuscht. Man macht alles, tut alles, steht auf Platz drei – ich denke, ich spiele auch eine ganz gute Partie. Ich denke, bei den drei Spielen hätte ich schon reinrutschen könne, aber es ist wie es ist. Jetzt habe ich ein paar Tage frei, die werde ich mit meiner Familie genießen – dann werde ich das alles schon wieder vergessen.“ Sieht er überhaupt noch eine Chance auf einen DFB-Einsatz? "Wie soll ich das sagen? Wir haben schon ein Land, was sehr groß ist, sehr viele Talente und sehr viele gute Spieler hat – da ist es nicht ganz so einfach. Ich kann mich nur weiter anbieten und weiter Gas geben. Ich denke, die Leistung stimmt, mehr kann ich nicht tun, vielleicht wird es ja irgendwann mal. Wenn nicht, geht die Welt für mich absolut nicht unter.

Wichtiger sind ohnehin erst einmal die Aussichten auf die Champions League, die sich weiter verbessern. „Man weiß, wenn man nach Bremen kommt, wird es schwer und auch eklig", so Arnold. "Wir haben alles in die Waagschale geworfen und haben das Spiel für uns entschieden. Wir waren zweimal hellwach und haben zwei Tore geschossen. Ich glaube, in der zweiten Halbzeit die Konter besser ausspielen können, wenn wir es ruhiger machen. Aber auch so war es ganz ordentlich." Am Ende habe das Team "alles wegverteidigt" und "deshalb verdient gewonnen."

Der VfL Wolfsburg in Bremen - Die Bilder

Die Trainer Florian Kohfeldt und Oliver Glasner vorm Anpfiff Zur Galerie
Die Trainer Florian Kohfeldt und Oliver Glasner vorm Anpfiff ©

Das fand auch der Trainer, dem besonders Tor Nummer 2 gefiel. Da hatten die Wolfsburger durch Xaver Schlager hoch gepresst, der Gegner so unter Druck gesetzt, Zuspiel auf Weghorst, der die Ruhe behielt - und dann war die Kugel auch schon drin. Fußball, wie ihn Glasner gern sieht. War das also ein perfektes Tor? Der Trainer musste nicht lange überlegen, meinte gut gelaunt: "Ja!" Solche Situationen habe man im Abschlusstraining geübt. Glasner: "Die Jungs haben das toll umgesetzt - und das mit höchster Intensität."

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