19. Januar 2017 / 21:22 Uhr

20 Jahre Bundesliga in Wolfsburg: Tore, Dramen und große Momente

20 Jahre Bundesliga in Wolfsburg: Tore, Dramen und große Momente

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
20 Jahre Bundesliga
20 Jahre Bundesliga
Anzeige

Auf Youtube finden sich wahre Perlen aus den letzten zwei Jahrzehnten des VfL Wolfsburg. Wir suchen nach und nach die schönsten für euch heraus und erklären, um was es damals ging. Sieben Videos umfasst die Liste jetzt. Wenn ihr auch ein Youtube-Video zum VfL gefunden habt, zu dem ihr euch eine Erklärung wünscht, schickt uns einfach den Link: wolfsburg@sportbuzzer.de

Anzeige

NEU: Grafites Slalomstangen

April 2009: VfL Wolfsburg - Bayern München 5:1

Am 4. April 2009 sorgte sein Treffer für die wohl größte Demütigung des FC Bayern der letzten Jahren. Wolfsburgs Wunderstürmer Grafite narrte beim denkwürdigen 5:1 mit nur einer Aktion die gleich fünf Akteure des stolzen Rekordmeisters. Was machen Grafites Slalomstangen eigentlich heute?

Anzeige

Christian Lell: Der sportlichen Durchbruch blieb Lell verwehrt. Weder in München, noch bei seinen weiteren Stationen in Berlin und in Spanien bei UD Levante schaffte es der ehemalige Junioren-Nationalspieler zum absoluten Leistungsträger. Nach mehreren Eskapaden (unter anderem wurde er erst im März wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteil) hat Lell seine eigene Firma, die im Bereich Immobilien, Yachten und Sportberatung tätig ist, zum Fixpunkt seines Lebens gemacht. Fußball spielt er nicht mehr.

Michael Rensing: Der einstige Nachfolger von Torwart-Titan Oliver Kahn hat es sportlich nie zu einem Top-Mann geschafft. Nach den Stationen Köln und Leverkusen ist er mittlerweile Keeper des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf

Andreas Ottl: Das hochgehandelte Bayern-Talent schaffte es nie, sich langfristig einen Stammplatz im Star-Ensemble zu erspielen und spielte noch für den FC Nürnberg und den FC Augsburg. 2014 war der FCA schließlich seine letzte Profi-Station. Heute arbeitet der gebürtige Münchener als Spielerberater und beim FC-Bayern-TV als Experte.

Philipp Lahm: Der 33-Jährige zählt zu den besten Fußballern der Welt, holte als Krönung einer unnachahmlichen Karriere 2014 als Kapitän der DFB-Elf den WM-Titel. Nach der laufenden Saison tritt Lahm als Spieler zurück, einen Posten als Sportdirektor beim FCB lehnte er vor kurem ab.

Breno: Der Lebenslauf des Brasilianers gleicht einem Drama: Das Talent konnte seinen Vorschusslorbeeren nie gerecht werden. Er verfiel nach einer schweren Verletzung in Depressionen, kam nach schwerer Brandstiftung für fast vier Jahre ins Gefängnis. Heute kämpft der 27-Jährige beim FC Sao Paulo in seiner brasilianischen Heimat um einen Stammplatz.


Und am Ende gibt es die Schale

Mai 2009: VfL Wolfsburg - Werder Bremen 5:1

Natürlich darf es nicht fehlen, das Meisterschaftsfinale 2009 des VfL gegen Bremen. Zu Beginn dieses Clips steht es bereits 3:1 für Wolfsburg, aber in Sachen Spielausgang war's eh kein Thriller. Dank des 5:0 eine Woche zuvor in Hannover hatte der VfL vor dem letzten Spieltag nicht nur zwei Punkte Vorsprung auf Bayern München (spielte 2:2 in Hoffenheim), sondern auch ein deutlich besseres Torverhältnis. Bei einem Remis der Wolfsburger gegen Werder hätten die Bayern schon 7:0 gegen Stuttgart gewinnen müssen, um doch noch Meister zu werden. Aber Wolfsburgs Tormaschine dachte gar nicht an ein Unentschieden, Zvjezdan Misimovic traf schon in der 7. Minute, zur Halbzeit stand es 3:1. Und ehe dann die Fans den Platz stürmten und die Schale überreicht wurde, krönten Grafite und Edin Dzeko ihre Wahnsinssaison mit je einem Treffer. 54 Tore erzielten der bullige Brasilianer und der behände Bosnier in dieser Saison, ein Wahnsinnsrekord.


"Ist doch scheißegal. Hauptsache, das Ding ist drin"

Oktober 1997: VfL Wolfsburg - Werder Bremen 1:0

Natürlich lohnt sich vor allem der Blick auf die Großaufnahmen. Ein junger Marco Bode ist zu sehen, der spätere VfLer Christian Brandt (inzwischen mit deutlich höherer Stirn Trainer von Hansa Rostock), Bruno Labbadia (wurde gegen Viktor Skripnik ausgewechselt) oder Jens Todt. Und auch Europameister Dieter Eilts, der bei Minute 3:35 in beeindruckender Manier von Mathias Stammann ausgetanzt wird. Überhaupt hatte Werder Bremen wenig zu bestellen an diesem verregneten Dienstagabend im Oktober 1997, aber den Lohn für seine starke Leistung fuhr der VfL erst in der 90. Minute ein, als Roy Präger vor 14.900 Zuschauern das Siegtor köpfte und dem Sat1-Reporter hinterher erzählt, dass der Zeitpunkt des Tores ja nun wirklich "scheißegal" sei.

Präger im Sat1-Interview
Präger im Sat1-Interview ©

Was Präger nicht ahnte: Sein Treffer sorgte nicht nur für den bereits vierten Sieg im achten Saisonspiel des Überraschungs-Aufsteigers, sondern begründete auch die Wolfsburger Tore-Tradition gegen Bremen: 72 Treffer hat der VfL mittlerweile gegen Werder erzielt, so viele wie gegen keinen anderen Bundesligisten!


Sicher, Dicker!

März 2015: Werder Bremen - VfL Wolfsburg 3:5

So, zur Abwechslung liegt die Wahrheit mal nicht auf dem Platz, sondern in der Vergangenheit der Hamburger Hiphop-Szene, zu der auch Mirko Alexander Bogojevic gehört, besser bekannt als "Das Bo". Der hatte als Teil von "Fünf Sterne Deluxe" mit "Willst Du mit mir geh’n?" und "Dein Herz schlägt schneller" schon erste Chart-Erfolge aufzuweisen, als ihm mit "Türlich, türlich (Sicher, Dicker!") im Jahr 2000 sein größter Solohit gelang. Zwei Dinge muss man zu diesem Song wissen: Im Video spielt die damalige Dieter-Bohlen-Freundin Estefania Küster (mit fast nichts an) mit, und die wichtigste Zeile in dem Lied lautet "Bass, Bass, wir brauchen Bass". Beim VfL Wolfsburg war man mit einem S weniger zufrieden, und bei "Wir brauchen Bas" dachte 2015 fast keiner mehr an Das Bo, sondern alle an Bas Dost. Der Stürmer hatte im Februar/März 2015 einen Lauf, machte vier Tore beim 5:4 in Leverkusen, beide Treffer beim 2:0 gegen seinen heutigen Klub Sporting Lissabon, wiederum beide Tore beim 2:1 gegen Hertha und schließlich zwei Tore beim 5:3 in Bremen. Und da, so befand SkySportNewsHD-Reporter Jurek Rohrberg, war es endlich einmal an der Zeit, den Besungenen und das Lied zusammenzubringen. Türlich, türlich. So legten sie los, bei 0:16 ist deutlich zu sehen, dass das auch die Kollegen verzückte. Im Originalsong heißt es übrigens unter anderem "Ich bring ihm wieder tanzen bei und rauch da auch noch Pflanzen bei"; Bas Dost ist ja bekanntermaßen Holländer. Aber den Zusammenhang jetzt hier auszuführen, dafür reicht der Platz nicht.


Solange man noch reden kann, kann man auch laufen

April 2009: VfL Wolfsburg - Bayern München 5:1

Wie das so ist, wenn man plötzlich ganz oben steht: Auf einmal interessieren sich alle möglichen Leute für einen, mit ganz unterschiedlichen Motivationslagen. Manche sind sogar Fan von Hannover 96. So wie dieser hier, der mal wissen wollte, wie das so ist, wenn Felix Magath den VfL Wolfsburg trainiert. Einen VfL Wolfsburg, der gerade bei Arminia Bielefeld mit 3:0 gewonnen hatte und mittendrin steckte in einem der spannendsten Titelrennen der letzten Jahre. Dritter waren die Wolfsburger, punktgleich mit den direkt vor ihnen stehenden Bayern, nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Hertha und nur einen Punkt vor dem HSV, der sich damals auch noch Titelchancen ausrechnen durfte. Das klingt aus heutiger Sicht noch lustiger als Oliver Pochers Versuch, mit zwei Medizinbällen den Mount Magath auf dem Wolfsburger Trainingsgelände zu erklimmen. Immerhin: Der Schreck der VfL-Profis war nicht allzu groß, sie schlugen im folgenden Spiel die Bayern mit 5:1. Nur zwölf Tage danach wurde die Sendung "Schmidt und Pocher", in der dieser Beitrag lief, eingestellt.


Als Roy zur Ratte wurde...

August 1997: Hansa Rostock - VfL Wolfsburg 0:1

Er war der Held des Aufstiegs, der Liebling bei den Fans. Kein Trikot war 1997 im Wolfsburger Fanshop so begehrt wie das mit der Nummer 7. Dass Roy Präger eine ganz besondere Figur des Wolfsburger Fußballs war und ist, liegt auch an dieser Szene: Im allerersten Bundesliga-Spiel des VfL erzielte er in Rostock den späten 1:0-Siegtreffer. Den TV-Reportern - damals zeigte Sat1 die Zusammenfassungen - waren die Wolfsburger Spieler noch nicht so geläufig. "Sein Spitzname ist Ratte", ist in dem Bericht zu hören, aber das war Unsinn. Denn "Ratte" war der Spitzname von Sven Ratke, der Präger ein bißchen ähnlich sah. "Die haben wohl ihre Hausaufgaben nicht gemacht", ärgerte sich Präger-Gattin Jacqueline damals.Für Präger setzte sich mit diesem Treffer auch der Tore-Trend aus der 2. Liga fort - nachdem er in seinen ersten Wolfsburger Spielen noch als "Chancentod" gegolten hatte. Nach dem Spiel in Rostock gab er zu: "In der letzten Hinserie hätte ich wahrscheinlich noch den Pfosten getroffen..."


Lumpis vergessener, historischer Treffer

August 1997: VfL Wolfsburg - Hamburger SV 1:1

Achtet nicht so sehr auf den jungen Reinhold Beckmann am Anfang des Clips, es geht um was ganz anderes - um einen historischen Moment der Wolfsburger Fußball-Geschichte. Denn dass Roy Präger das erste VfL-Tor schoss, Edin Dzeko die meisten erzielte und Mario Gomez für den 1000. Treffer sorgte, das ist den meisten VfL-Fans noch bewusst. Aber wer schoss eigentlich das allererste Bundesliga-Tor GEGEN den VfL? Die Antwort: Harald Spörl, genannt Lumpi. Der gebürtige Bamberger war 1987 zum HSV gekommen - und ging nie zu einem anderen Erstliga-Klub. Spörl hatte "ein Gesicht wie auf dem Amboss in Form geschlagen" und einen "Körper wie ein Flummi" (11freunde), galt als schussgewaltig und torgefährlich. In der Saison 1995/96 war er auf die für einen Mittelfeldspieler beeindruckende Zahl von 14 Treffern gekommen. Das Tor in Wolfsburg war ein Freistoß, und auch das gehörte zu seinen Spezialitäten. Bis 2001 blieb Spörl dem HSV treu, erzielte in diesen 14 Jahren in 321 Bundesliga-Spielen 60 Tore. Seine Karriere ließ er bei LR Ahlen in der 2. Liga ausklingen, heute arbeitet er als Scout für - natürlich - den HSV.


Erst Heino, dann Charles

September 1999: VfL Wolfsburg - VSC Debrecen 2:0

Lasst euch nicht so sehr vom ungarischen Originalton irritieren, auch nicht davon, dass am Anfang des Clips mehr als eine halbe Minute lang Heinos Version vom Niedersachsenlied zu hören ist. Sondern legt euer Augenmerk vielmehr auf das, was ab Minute 1:05 passiert - es hat nämlich fußballhistorische Bedeutung für Wolfsburg. Charles Akonnor erzielt den allerersten Wolfsburger Treffer auf europäischem Parkett. Obwohl: Was heißt europäisches Parkett? Das Spiel findet am Elsterweg statt, und europäischen Glanz verströmte das VfL-Stadion nicht. Die erstmalige Teilnahme am UEFA-Cup gab aber in Sachen Stadionneubau noch mal ordentlich Druck auf den Kessel, die Diskussion verschärfte sich - und etwas mehr als drei Jahre später war die VW-Arena fertig. Dem Akonnor-Tor folgte übrigens noch ein Abstauber von Andrzej Juskowak zum 2:0-Endstand, das Rückspiel in der ungarischen Universitätsstadt mit den lecken Debreciner Würstchen verlor der VfL dann 1:2, was dank der Auswärtstorregelung knapper klingt als es war. In der zweiten Runde setzte sich der VfL dann mit 0:0 und 1:0 gegen Roda Kerkrade durch, in der dritten Runde kam das Aus - 2:3 und 1:2 gegen Atletico Madrid, damals übrigens kein spanisches Spitzenteam, sondern kommender Absteiger. Vier der insgesamt sechs Wolfsburger Tore in der ersten Europa-Saison des VfL schoss Akonnor und bekam dafür den Spitznamen "Mr. Europacup".


Ottl sei Dank!

Mai 2006: VfL Wolfsburg - 1. FC Kaiserslautern 2:2

Showdown, Endspiel, die ultimative Entscheidung. Du oder ich, es kann nur einen geben. Am letzten Spieltag 2006 sucht die Bundesliga noch den dritten Absteiger, zwei Teams kommen infrage: Der VfL Wolfsburg und der 1. FC Kaiserslautern. Der Spielplan führte beide am letzten Spieltag in Wolfsburg zusammen. Dass dem VfL in diesem Spiel ein Remis reichte, hatte er Andreas Ottl zu verdanken. Der hatte nämlich eine Woche zuvor für den FC Bayern in Kaiserslautern zum 1:1-Endstand getroffen - ohne diesen Ottl-Treffer wären es die Pfälzer gewesen, die bei dem Abstiegs-Endspiel auf Unentschieden hätten spielen können. Dann nahm das Drama seinen Lauf: Lautern ging in Wolfsburg in Führung, in der Pause sitzt VfL-Nachwuchsspieler Cedrick Makiadi auf dem Klo, als Trainer Klaus Augenthaler seine Einwechslung verkündet. Makiadi kommt, schießt sein allererstes Bundesliga-Tor, legt noch ein weiteres (durch Diego Klimowicz) vor, und am Ende macht Marcel Ziemer noch den Ausgleich. Ein Ausgleich, der Wolfsburg sehr weh getan hätte, hätte Ottl eine Woche zuvor nicht....  Ach, Schwamm drüber. Der VfL jubelt. Augenthaler geht erst mal eine rauchen und ausgerechnet Wolfgang Wolf, bis heute Rekordtrainer des VfL und damals FCK-Coach, muss erklären, wie es mit den Pfälzern weitergeht. Vier Jahre später stieg Lautern wieder auf, zwei Jahre später erneut ab - und ist seitdem Zweitligist.


Hand! Aber der darf das...

Dezember 2008: VfL Wolfsburg - Hannover 96 2:1

Die Geschichte der Wolfsburger Meisterschaft 2009 ist eine Geschichte der Triumphe und Siege. Also zumindest fast. Es gab auch größere und kleinere Rückschläge auf dem Weg zum Titel, das hier ist ein kleinerer: Im Niedersachsen-Derby gegen Hannover 96 führte der VfL bereits durch Tore von Cristian Zaccardo und Zvjezdan Misimovic mit 2:1, als Edin Dzeko auf dem Weg zum dritten VfL-Treffer des Tages bereits fast freie Bahn hatte, dann aber doch von 96-Torwart Florian Fromlowitz gelegt wurde. Notbremse, Rot. Weil Hannover schon dreimal gewechselt hatte, musste ein Feldspieler ins Tor. Die Wahl fiel auf Jan Rosenthal, der bei Dzekos Strafstoß prompt die richtige Ecke ahnte und hielt. Ein schöner, individueller Erfolg für Rosenthal, der den Lauf der Fußball-Geschichte aber nicht veränderte: Der VfL gewann dieses Spiel trotzdem, Wolfsburg wurde am Ende der Saison trotzdem Meister, und Edin Dzeko ist mit insgesamt 66 Toren der erfolgreichste Torschütze der Wolfsburger Bundesliga-Geschichte.