27. Mai 2019 / 16:04 Uhr

Torflut in der Bezirksliga: Auch in Göttingen wird die Abwehr löchriger

Torflut in der Bezirksliga: Auch in Göttingen wird die Abwehr löchriger

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Die SG Lenglern freut sich gegen Dostluk Spor Osterode über den nächsten Treffer.
Die SG Lenglern freut sich gegen Dostluk Spor Osterode über den nächsten Treffer. © Herdlitschke
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Nicht nur in Göttingen war am Wochenende Schützenfest: In der Fußball-Bezirksliga schoss die SG Lenglern den Gegner Dostluk Spor Osterode mit sage und schreibe 13:3 ab – die Bezirksliga erlebt momentan eine Torflut.

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Bis zum 3:2 waren in Lenglern zwar zu einem frühen Zeitpunkt, in der 28. Minute, viele Tore gefallen, aber sie teilten sich noch einigermaßen zwischen den beiden Mannschaften auf. Erst danach wurde die Auswärtspartie für Osterode zum Desaster mit dem Resultat, dass nach dem Treffer zum 3:6 aus Osteroder Sicht nur noch eine Mannschaft traf.

„Zu Beginn war es ein offenes Spiel“, berichtet Jens Schiele, Fußball-Abteilungsleiter der SG. Erst später klingelte es im Gäste-Gehäuse fast im Minutentakt. „Unsere Chancenverwertung war allerdings auch fast 100-prozentig“, so Schiele. Dazu sei gekommen, dass Dostluk Spor dezimiert mit einer überschaubaren Anzahl an Einwechselspielern angereist war. „Und es ist Ramadan“, so der SG-Abteilungsleiter, der vermutet, dass einige Gästakteure wegen Enthaltsamkeit auch etwas geschwächt waren. Fazit: Die einen hatten Zielwasser getrunken, die anderen womöglich gar kein Wasser...

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Aber gibt es noch andere Gründe dafür, dass die Torquote in der Bezirksliga von durchschnittlich 3,6 Toren pro Spiel in der vergangenen Saison auf aktuell 4,1 Tore pro Partie gestiegen ist? A-Lizenzinhaber Simon Schneegans, Trainer des Bezirksliga-Tabellenführers SG Bergdörfer, hält diesen Anstieg eher für Zufall, sagt aber auch: „Die Defensivqualität geht in der Liga immer weiter runter.“

Auch das Team von Schneegans kam am Sonntag zu einem deutlichen 7:1-Kantersieg gegen die SV Groß Ellershausen/Hetjershausen. Es sei durchaus zu beobachten, so der DFB-Stützpunkttrainer, dass sich gegen Saisonende die Spieler „nicht mehr so großartig ins Zeug legen“ und deshalb die Tore wie reife Früchte fallen. Generell liege im Defensivverhalten der Akteure aber vieles im Argen.

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„Das, was schwierig ist, ist gut ausgebildete Defensivspieler zu finden, damit habe ich mich bei der SG Bergdörfer auch jahrelang schwer getan“, so Schneegans. Vor allem Mannschaften, die eher im unteren Bereich der Tabelle angesiedelt sind und gegen den Abstieg kämpfen, könnten deshalb oftmals nicht ansatzweise mithalten gegen Mannschaften „von oben“ – die Schere öffnet sich auch hier.

„Dostluk Spor fängt sich 13 Stück gegen Lenglern. Das hängt auch damit zusammen, dass oftmals nur Wert auf das Offensivspiel gelegt und die Defensive zweitrangig behandelt wird“, unterstreicht Schneegans. „Wenn du dann schnell zwei Tore reinkriegst, geht es ganz schnell weiter.“ Dabei sei ein gutes Defensivspiel viel einfacher zu erlernen als ein gutes Offensivspiel, weil es viel strukturierter sein muss. „Ich verstehe das nicht“, so Schneegans.

Wenige herausgespielte Tore heutzutage

Eine Tendenz im modernen Fußball sei, dass sehr wenige gut herausgespielte Tore zu sehen sind, verdeutlicht der A-Lizenzinhaber. „Das ganze Spiel ist auf ein schnelles Umschaltspiel ausgelegt. Da wartet man auf den Fehler des Gegners. Das ist einfacher, als auf andere Weise gegen eine gut verteidigende Mannschaft zum Torerfolg zu kommen“, sagt Schneegans.

Jens Schiele tat der Gegner, mit dem die SG Lenglern ein „super Verhältnis“ pflege, am Ende leid, zumal gegenseitige Vorwürfe aufkamen. „Eigentlich hätte es noch zwei Platzverweise geben müssen. Die haben angefangen, sich gegenseitig zu schlagen“, berichtet er. Mehr als der Verlust einer aus Frust umgetretenen Fahnenstange an der Mittellinie sei letztlich nicht zu beklagen gewesen. Und damit könne er leben.

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