16. Januar 2022 / 19:55 Uhr

Torgeiz in Wolfsburg: Weil vorn wieder die Null steht, bleibt's nach hinten eng

Torgeiz in Wolfsburg: Weil vorn wieder die Null steht, bleibt's nach hinten eng

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
War nichts: Wout Weghorst und der VfL bleiben zum dritten Mal in Folge ohne eigenes Tor.
War nichts: Wout Weghorst und der VfL bleiben zum dritten Mal in Folge ohne eigenes Tor. © Boris Baschin
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Dem VfL Wolfsburg fehlt die Kaltschnäuzigkeit vorm gegnerischen Tor, nur Fürth hat in dieser Saison weniger Treffer erzielt. Auch deshalb hängen die Niedersachsen im Tabellenkeller fest. Der Vorsprung auf Relegations-Rang 16 beträgt weiterhin nur drei Punkte.

Die Niederlagen-Serie wurde mit dem 0:0 gegen Hertha BSC gestoppt, aber ein Ende der VfL-Sorgen war dieses Remis nicht, weil der Wolfsburger Fußball-Bundesligist gleich zwei ganz dicke Tor-Möglichkeiten kläglich vergab. Bedenklich: In fünf der vergangenen sechs Spiele blieb der VfL ohne eigenes Tor. Und: So schlecht war der VfL vor der Kiste lange nicht mehr...

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Die Wolfsburger haben erst 17 Tore erzielt – nur Schlusslicht Greuther Fürth (15) war in dieser Saison weniger erfolgreich als der VfL. Seit Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer im Sommer 2018 übernahmen, waren es immer mehr. In der vergangenen Saison hatten die Wolfsburger nach 19 Spieltagen bereits 30 Mal getroffen, in der Spielzeit 2019/20 waren es 20 Tore, 2018/19 hatte der VfL 28 Tore auf seinem Konto stehen. Selbst in den Saisons mit der Rettung in der Relegation waren die Wolfsburger zu diesem Zeitpunkt, was die Treffer betrifft, besser oder gleich schlecht: 2017/18 waren es 22 Tore, 2016/17 hatte Wolfsburg ebenfalls nur 17 Mal getroffen.

Wolfsburg war unten drin, jetzt geht's wieder in diese Richtung, nach hinten ist es weiter eng. Immerhin: Der VfL bleibt auf Platz 14, durch das Bielefelder Remis am Sonntag gegen Fürth wurde der Vorsprung auf Relegations-Rang 16 zumindest nicht kleiner, beträgt eine Woche vor der anspruchsvollen Wolfsburger Aufgabe bei RB Leipzig drei Punkte.

<b>Koen Casteels: </b> Da, wenn er gebraucht wurde - wurde jedoch selten gebraucht. Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde - wurde jedoch selten gebraucht. Note: 3 ©

„Wir hätten auf jeden Fall ein Tor verdient gehabt - sowohl von der Art und Weise, wie wir gespielt haben, als auch von der Mentalität in dieser schwierigen Situation“, meinte Kapitän Koen Casteels, der jedoch nach dem Hertha-Spiel auch einräumen musste: „Es fällt uns momentan echt schwer, Tore zu machen.“

Gegen die Hertha hätte sich die Kohfeldt-Elf dieser Sorge entledigen können, nach nicht einmal 20 Minuten hätten die Wolfsburger mit 2:0 führen müssen! Aber: Top-Torjäger Wout Weghorst, an dem die VfL-Krise keineswegs spurlos vorbeigeht, und Luca Waldschmidt hatten nach jeweils tollen Zuspielen von Jerome Roussillon Top-Möglichkeiten aus Nahdistanz kläglich vergeben. Trainer Florian Kohfeldt: „Wout nur im Ansatz die Einsatzbereitschaft abzusprechen, wäre wirklich frech. Aber diese Leichtigkeit, die du dir nur mit Erfolgserlebnissen holst“, die fehle eben.

Gleiches gelte für Waldschmidt. „Einen Luca Waldschmidt, wie wir ihn aus seiner Freiburger Zeit kennen, da hätten wir uns in der Situation alle umgedreht.“ Umgedreht zum Jubeln. Kohfeldt ist überzeugt davon: „Wenn er den einmal macht, dann macht er ihn auch die nächsten vier Male wieder.“ Momente wie diese, in denen selbst Top-Chancen nicht verwertet werden, könne man nicht immer erklären. Wolfsburgs Trainer: „Ich glaube schon, dass wir, was etwa Struktur und Einsatz betrifft, auf einem deutlich besseren Weg sind, aber wir brauchen diesen Moment.“ Gegen die Hertha „hätten wir ihn uns holen können - aber wir haben es leider nicht geschafft“.


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Und so blieb der VfL erneut ohne eigenen Treffer, wie schon beim Rückrunden-Auftakt in Bochum (0:1), beim Hinrunden-Finale in München (0:4) und beim vorletzten Heimspiel des vergangenen Jahres gegen Stuttgart (0:2). Zwischenzeitlich hatten die Wolfsburger im Heimfinale 2021 gegen die Kölner zweimal getroffen, die Partie jedoch noch mit 2:3 verloren. Das passierte diesmal zwar nicht, aber zu mehr als einem Pünktchen Hoffnung reichte es eben auch nicht. Sportdirektor Schäfer: „Wir haben zu null gespielt, hatten einige gute Offensivaktionen, aber unsere Chancen leider nicht genutzt.“ Gefehlt habe vor allem „dieses Erfolgserlebnis, das dafür sorgen kann, dass auch mal während des Spiels die Brust breiter, das Selbstvertrauen größer wird“, merkte Schäfer richtigerweise an.

Dreimal in Folge hat der VfL jetzt nicht getroffen, zuletzt war das in der Saison 2017/18 so - nach einem 0:3 im Duell mit Hoffenheim folgte ein 0:1 gegen Schalke und wie jetzt auch ein 0:0 gegen die Hertha. Was bleibt, ist die Hoffnung auf mehr Kaltschnäuzigkeit vor der Kiste. VfL-Coach Kohfeldt versuchte, positiv zu bleiben, sagte: „Das Chancenverhältnis war klar auf unserer Seite. Keiner der Abschlüsse war verschludert. Vor allem haben wir uns alle Torchancen erspielt. Von daher werden sie über diese Häufung irgendwann wieder reingehen.“

Immerhin stand auch hinten die Null. Auch das hat's für die Wolfsburger länger nicht mehr gegeben, am elften Spieltag hatte der VfL mit 1:0 gegen den FC Augsburg gewonnen und damit den bisher letzten Sieg gelandet.