12. April 2020 / 16:40 Uhr

Verantwortungsvolle Jobs: Katharina Mattus ist Keeperin der 96-Frauen und Kinderkrankenpflegerin

Verantwortungsvolle Jobs: Katharina Mattus ist Keeperin der 96-Frauen und Kinderkrankenpflegerin

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Katharina Mattus in Aktion: einmal als Torhüterin von Hannover 96 und einmal als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin.
Katharina Mattus in Aktion: einmal als Torhüterin von Hannover 96 und einmal als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. © imago images/Nordphoto/privat
Anzeige

Ob im Torwarttrikot oder im Kasack - Katharina Mattus trägt jede Menge Verantwortung in ihren Arbeitsbereichen. Denn im Berufsalltag kümmert sich die 25-jährige Torhüterin der Frauen von Hannover 96 an der MHH um Neu- und Frühgeborene. In der Corona-Krise zieht sie den Hut vor ihren Kollegen.

Anzeige
Anzeige

450 Gramm – es kommt manchmal vor, dass sie Frühgeborene betreut, die gerade einmal so viel wiegen, wie die Fußbälle, die sie nicht an sich vorbeilassen darf. Seit Saisonbeginn ist Katharina Mattus die Nummer 1 bei den Frauen von Hannover 96, durch die Corona-Pandemie kann sie sich gerade aber voll auf ihren Job in der Medizinischen Hochschule (MHH) konzentrieren. Über Umwege ist die 25-Jährige zu ihrem Beruf gekommen, durch einen Zufall zwischen die Pfosten.

Bis zur B-Jugend bei den Jungs

Ihre Mutter erzählt diese Geschichte des Öfteren – gefragt und ungefragt: Sobald die Tochter laufen konnte, hatte sie einen Ball am Fuß. Bis zur B-Jugend kickte Mattus bei den Jungs mit, zunächst beim TSV Luthe, nach dem Umzug der Eltern beim VfL Westercelle. Und zwar im zentralen Mittelfeld oder als Stürmerin. Zwei Jahre gehörte Mattus der Niedersachsenauswahl an, als 16-Jährige ging es zum SV Garßen weiter. Kaum volljährig „zerstörte“ sie sich das Knie – Innenband, Kreuzband und Meniskus waren jeweils angerissen.

Vermutlich würde Mattus immer noch im Feld spielen, wenn sie sich diese Verletzung nicht zugezogen hätte. Über eine Bekannte entstand knapp ein Jahr später der Kontakt zu Bezirksligist TS Wienhausen. Das Problem: Es gab keine Torhüterin. „Irgendwann hab ich gesagt, komm ich probier das mal aus, und dann bin ich da hängengeblieben.“ Als mitspielende Keeperin profitierte sie nun von ihren technischen Fertigkeiten, 2016 wechselte sie zum Regionalligisten Fortuna Celle.

Mehr Berichte aus der Region

Weil sie bei ihrer ersten Bewerbung an der MHH neun Jahre zuvor nicht genommen wurde, begann sie 2011 eine Ausbildung zur Ergotherapeutin, übte diesen Beruf zwei Jahre aus. „Die Arbeit hat mir irgendwann nicht mehr so viel Spaß gemacht“, erzählt Mattus. „Also habe ich mich ein zweites Mal beworben und wurde sofort genommen.“ Seit zwei Jahren arbeitet sie nun also auf der Neu- und Frühgeborenenstation als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. „Es ist für mich jedes Mal ein kleines Wunder, wie sich die kleinen Lebewesen von Tag zu Tag entwickeln, was sie können, lernen“, sagt die 25-Jährige.

Als Mattus 2018 schließlich nach Hannover zog, blieb sie zunächst ohne Verein, das Celler Team hatte sich kurz zuvor aufgelöst. Erstmal stand die Ausbildung und das Examen im Vordergrund – bis 96 über Facebook anfragte. Im Aufstiegsjahr in die Regionalliga war sie hinter Nina Rohrbeck die Nummer zwei, seit Saisonbeginn ist sie die Stammkeeperin bei den Roten, die nach 13 absolvierten Spielen sensationell Platz zwei belegen. „Es macht mich verrückt, nicht zu wissen, wann ich endlich wieder auf dem Platz stehen kann“, sagt Mattus. „Ich vermisse das Team, das Spielen mit dem Team.“

Das sind die Bilder der Saison 2019/20 in Hannovers Amateurfußball

Kirchdorfs Jan-Erik Berkenkamp köpft ein zum zwischenzeitlichen 3:1, SV Wilkenburgs Keeper Burhan Öztürk ist chancenlos, trifft mit dem Fuß nur die Nase des Kirchdorfers. Zur Galerie
Kirchdorfs Jan-Erik Berkenkamp köpft ein zum zwischenzeitlichen 3:1, SV Wilkenburgs Keeper Burhan Öztürk ist chancenlos, trifft mit dem Fuß nur die Nase des Kirchdorfers. ©

Corona hat freilich auf ihre Arbeit Auswirkungen. Die Hygiene-Maßnahmen sind für die Mitarbeiter ohnehin Standard, nun müssen aber auch die Eltern einen Mundschutz tragen. Zudem darf bis auf Weiteres darf nur ein Elternteil das Kind oder die Mehrlinge besuchen. „Ansonsten hat sich nicht viel verändert“, sagt Mattus.

Mattus zieht den Hut vor den Kollegen

Von der Aktion der 96-Fans, die am 22. März ein großes Spruchband an der MHH aufhängten („Danke Ärzte und Pflege. Viel Kraft für alles, was ihr schafft! Niemals allein!“), fühlt sie sich nicht angesprochen. „Ich habe es erst später im Internet gesehen, fand es megacool, zumal ich selbst leidenschaftlicher 96-Fan bin. Auf der anderen Seite machen wir nur unsere Arbeit, also die Arbeit, die wir auch schon vor Corona geleistet haben.“

Mattus zieht den Hut vor den Kollegen auf der Corona-Station: „Ich möchte nicht mit ihnen tauschen.“ Umso verständlicher ihr Appell: „Für manche Dinge, die aktuell passieren, habe ich kein Verständnis, Diebstähle in Krankenhäusern sind die reinste Katastrophe. Jeder sollte sich zuerst an seine eigene Nase fassen und sich überlegen, wie er helfen kann.“