17. Juli 2021 / 15:02 Uhr

Rassismus-Eklat um Torunarigha: Kuntz erklärt Spielabbruch im Olympia-Test gegen Honduras

Rassismus-Eklat um Torunarigha: Kuntz erklärt Spielabbruch im Olympia-Test gegen Honduras

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Nach dem Spielabbruch im Test gegen Honduras hat sich der deutsche Olympia-Trainer Stefan Kuntz zu den rassistischen Beleidigungen gegen Jordan Torunarigha geäußert.
Nach dem Spielabbruch im Test gegen Honduras hat sich der deutsche Olympia-Trainer Stefan Kuntz zu den rassistischen Beleidigungen gegen Jordan Torunarigha geäußert. © IMAGO / Pressefoto Baumann / Metodi Popow (Montage)
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Die Generalprobe der deutschen Olympia-Auswahl gegen Honduras ist von Seiten der DFB-Elf frühzeitig beendet worden. Der Grund: Verteidiger Jordan Torunarigha von Hertha BSC wurde laut DFB rassistisch beleidigt. Nach dem Spiel hat Trainer Stefan Kuntz die Vorfälle in Wakayama erläutert.

Die Generalprobe der deutschen Olympia-Fußballer für die Sommerspiele in Tokio ist fünf Minuten vor Ende wegen eines Rassismus-Eklats vorzeitig abgebrochen worden. Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bunds wurde Verteidiger Jordan Torunarigha in der Partie gegen Honduras am Samstag in Wakayama von einem Gegenspieler rassistisch beleidigt, die deutsche Mannschaft verließ gemeinsam beim Stand von 1:1 das Feld. Der letzte Test des Teams von Auswahl-Trainer Stefan Kuntz fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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Was genau vorgefallen war, blieb zunächst unklar. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll der Hertha-Profi von einem Gegenspieler beleidigt worden sein. Im Rahmen der anschließenden DFB-Medienrunde schilderte Trainer Kuntz seine Eindrücke während des dritten Drittels des Trainingsspiels, in dem es zu dem Vorfall um Torunarigha gekommen ist: "Ich habe ihn gefragt, ob er verletzt ist, weil er sich ein bisschen komisch verhalten hat. Er hat aber den Daumen hoch gezeigt. Fünf Minuten vor dem Ende der Partie kam es dann zu einem Gerangel. Ich habe die Mimik und Gestik von Jordan gesehen und bin von meiner Trainerbank aus sofort rübergelaufen. Er war kaum einzukriegen, hat sich furchtbar aufgeregt, weil er gesagt hat, dass er wiederholt rassistisch beleidigt wurde."

Entschuldigung von Honduras noch auf dem Platz - Kuntz: "Thema für uns gegessen"

Darauf habe man untereinander Blickkontakt aufgenommen und entschieden, geschlossen vom Platz zu gehen. "Da war für uns klar: Das verletzt unsere Werte, das können wir auch nicht dulden, wir nehmen da unseren Spieler komplett in Schutz", erläuterte der 58-Jährige. Nachdem sich die Situation ein wenig beruhigt hatte, sei laut Kuntz der gesamte Kader von Honduras zur deutschen Bank gekommen, um sich zu entschuldigen. "Damit war das Thema für uns gegessen. Auch Jordan hat gesagt, dass dies für ihn ein starkes Statement war." Unmittelbar nach den Beleidigungen auf dem Platz haben Spieler und Trainer den betroffenen Spieler in den Arm genommen, wie Kuntz in der Medienrunde bestätigte. "Er war echt sehr aufgelöst", machte der Coach deutlich.

Während der Gegner also noch auf dem Platz um Verzeihung gebeten hatte, twitterte der honduranische Verband, dass es sich bei der Situation auf dem Spielfeld um ein Missverständnis gehandelt habe. Auf SPORTBUZZER-Nachfrage stellte Kuntz mit einem leichten Augenzwinkern klar: "Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, wenn Sie mit einer Sechs nach Hause kamen. Da habe ich zu meiner Mutter auch immer gesagt: 'Das war ein Missverständnis zwischen der Lehrerin und mir.' Das lassen wir am besten mal unkommentiert."

Auch Max Kruse pflichtete dem Entschluss des Teams bei. "Ich glaube, das ist ein Statement, was wir immer bringen müssen, wenn sowas passiert - vom Platz zu gehen und auf gar keinen Fall das Spiel weiter zu machen", sagte der Stürmer bei Instagram. "Egal ob in der ersten oder der 90. Minute, das müssen wir einfach immer machen, weil Rassismus einfach keinen Platz im Fußball hat."

Die Partie war über dreimal 30 Minuten angesetzt, der 23 Jahre alte Torunarigha stand sowohl im zweiten als auch im dritten Drittel auf dem Platz. Im DFB-Pokalspiel der Berliner beim FC Schalke 04 im Februar 2020 war der Abwehrspieler bereits mit Affenlauten rassistisch beleidigt worden. Der Revierklub wurde vom DFB mit einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro belegt. Im einzigen Testspiel der deutschen Mannschaft vor Olympia war Honduras in den ersten 30 Minuten in Führung gegangen, der Augsburger Felix Uduokhai erzielte im letzten Drittel den Ausgleich.