22. Dezember 2021 / 19:23 Uhr

Ältester Regionalligaspieler: "Solange ich Spaß habe und meine Leistung bringe, bleibe ich dabei"

Ältester Regionalligaspieler: "Solange ich Spaß habe und meine Leistung bringe, bleibe ich dabei"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Mit 40 Jahren ist Regionalliga-Torwart André Thoms (FSV 63 Luckenwalde) immer noch in Topform.
Mit 40 Jahren ist Regionalliga-Torwart André Thoms (FSV 63 Luckenwalde) immer noch in Topform. © imago images/Karina Hessland
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Der 40 Jahre alte Schlussmann André Thoms (FSV 63 Luckenwalde) steht für seinen Heimatverein noch immer zwischen den Pfosten. Aktuell ist er der älteste aktive Spieler in Deutschlands fünf Regionalligen. Ans Aufhören denkt er noch nicht, denn: "Das Alter ist nur eine Zahl."

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Aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben: Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätte André Thoms im Heimspiel des FSV 63 Luckenwalde gegen Germania Halberstadt im Alter von 40 Jahren zwischen den Pfosten gestanden. „Das war nach dem Aufstieg vor eineinhalb Jahren schon ein Ziel.“ Da sich der Stammtorhüter des Teams Anfang Dezember gegen Energie Cottbus aber eine Kopfverletzung zuzog, konnte er das Geschehen nur von der Tribüne aus verfolgen.

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Nach einem Zusammenprall mit einem FSV-Verteidiger musste Thoms gegen seinen Ex-Verein ausgewechselt und im Krankenhaus behandelt werden. Zwei Wochen Krankschreibung folgten. „Am Ende ging es mit einer Gehirnerschütterung und zwei Narben glimpflich aus. Aber nach so einer Geschichte kommt man etwas ins Grübeln, ob das in meinem Alter noch sein muss“, gibt der gebürtige Luckenwalder zu. „Ich gehe aber stark davon aus, dass ich beim Trainingsstart im Januar auf dem Platz stehe. Solange ich Spaß an der Sache habe und meine Leistung bringe, bleibe ich dabei“, so Thoms.

In Bildern: 2:3-Niederlage des FSV 63 Luckenwalde gegen Energie Cottbus zum Rückrundenstart.

2:3-Niederlage des FSV 63 Luckenwalde (gelb-blaue Spielkleidung) gegen Energie Cottbus zum Rückrundenstart in der Fußball-Regionalliga Nordost. Zur Galerie
2:3-Niederlage des FSV 63 Luckenwalde (gelb-blaue Spielkleidung) gegen Energie Cottbus zum Rückrundenstart in der Fußball-Regionalliga Nordost. © Frank Neßler

„Neben der Tatsache, dass er sportlich seine Leistungen abruft und zu unserer guten Saison beiträgt, ist er als Typ für die Mannschaft unheimlich wichtig“, weiß FSV-Präsident Dirk Heinze um den Stellenwert des in dieser Spielzeit laut des Internetportals transfermarkt.de ältesten eingesetzten Regionalligaspielers in Deutschland. Thoms selbst sagt dazu unaufgeregt: „Das Alter ist nur eine Zahl. Der Fußball hat mich mein ganzes Leben lang begleitet und wenn man Erfolg hat, kommt der Spaß automatisch. Ich bin hier vor knapp zwei Jahren in eine total geniale Mannschaft reingekommen und fühle mich sehr wohl.“


Zur Rückrunde 2019/20 ereilte Thoms die Anfrage seines Heimatvereins, der aktuell auf Platz neun der Regionalligatabelle liegt. „Eigentlich sollte ich nur für ein halbes Jahr aushelfen“, erinnert sich der gelernte Bankkaufmann. „Durch Corona kam kein Spiel, aber der Regionalliga-Aufstieg hinzu. Da wollte ich es mir noch einmal beweisen.“ Gesagt, getan. In der Vorbereitung 2020 setzte sich der 1,81 Meter große Keeper gegen die deutlich Jüngeren durch und bestritt bis zur erneuten Coronapause alle 13 Regionalligapartien über 90 Minuten. Bis zu seiner Kopfverletzung vor gut zwei Wochen stand er auch in dieser Saison immer auf dem Platz und war ein sicherer Rückhalt.

Kein Profieinsatz bei Energie Cottbus

„Er betreibt einen enormen Aufwand, um in Luckenwalde Regionalliga zu spielen und pusht sich immer wieder selbst. Ein positiv verrückter Typ, der seine Meinung sagt. Im Trainingslager in der Türkei werden wir uns zusammensetzen und über die Zukunft sprechen“, sagt Dirk Heinze und wüsste ebenso wenig wie sein Schützling, der in Cottbus lebt und regelmäßig pendelt, warum die Erfolgsstory ein Ende haben sollte.

Dass er, der mit 13 vom FSV 63 Luckenwalde auf die Sportschule des FC Energie gewechselt ist, im Laufe der Jahre an Qualität verloren hat, glaubt er nicht. „Natürlich laufe ich die zehn Kilometer nicht mehr in 40 Minuten, das bin ich früher aber auch nicht“, sagt er lachend: „Das ist für einen Torhüter aber auch nicht das Wichtigste. Die dazu gewonnene Erfahrung bringt mir aber auf jeden Fall viel.“

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Dass er in all seinen Profi-Jahren bei Energie mehrmals im Kader stand, aber weder in den ersten beiden Ligen noch im DFB-Pokal zum Einsatz kam, ärgere ihn. Unzufrieden wirkt er aber keinesfalls. „Ich habe mir in der A-Jugend das Kreuzband gerissen und es stand früh fest, dass ich parallel eine Ausbildung mache.“ Im Nachhinein die goldrichtige Entscheidung und die Zeit beim FCE, unter anderem im Torwartteam mit der Lausitzer Legende Tomislav Piplica will Thoms keinesfalls missen. Ebenso wie den Sprung nach Luckenwalde, wo sein Bruder Ronny als Schatzmeister agiert und er seine Laufbahn beenden möchte. Am liebsten in der Regionalliga. „Wenn ich merke, dass ich nicht mehr fit genug bin oder die Leistung nicht stimmt, höre ich auf. Im Moment habe ich aber einfach Spaß“, sagt Thoms, der noch einige Rekorde knacken könnte.

Während in dieser Saison kein eingesetzter Spieler in den ersten vier Ligen Deutschlands älter war als er, steht er in der „ewigen Rangliste“ noch nicht ganz oben. Noch knapp drei Jahre müsste er durchhalten, um einen weiteren Rekord zu knacken. Torwart Mirko Bitzer vom FK Pirmasens war am 12. November 2016 42 Jahre, sieben Monate und sieben Tage alt und steht damit seit Bestehen der fünf Regionalligen in der Saison 2012/13 als ältester eingesetzter Regionalligaspieler in der Statistik.

In der Bundesliga hält unter den Torhütern Uli Stein den Rekord. Der ehemalige deutsche Nationalspieler bestritt am 11. April 1997 ein Bundesligaspiel für Arminia Bielefeld und war damals 42 Jahre fünf Monate und 19 Tage alt. „Am Ende geht es nach Leistung. Da ist es egal, ob man 18 oder 40 ist“, sagt André Thoms, dem das Einstellen dieser Bestmarken aber sicherlich zuzutrauen ist.