01. März 2021 / 19:48 Uhr

Torwart-Experte Marcel Schäfer: Darum sind Casteels und Gulacsi so gut

Torwart-Experte Marcel Schäfer: Darum sind Casteels und Gulacsi so gut

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gulacsi (l.) und Casteels (r.): Vorm Pokal-Duell spricht Torwart-Experte Marcel Schäfer über die besten Keeper der Liga.
Gulacsi (l.) und Casteels (r.): Vorm Pokal-Duell spricht Torwart-Experte Marcel Schäfer über die besten Keeper der Liga. © Boris Baschin
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Im DFB-Pokal treffen am Mittwoch die beiden besten Torhüter der Bundesliga aufeinander. Was zeichnet Koen Casteels vom VfL Wolfsburg und Peter Gulacsi von RB Leipzig aus? Wir haben einen gefragt, der genauso heißt wie der VfL-Sportdirektor.

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RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg - das Pokal-Viertelfinale am Mittwochabend ist auch das Duell der beiden besten Torhüter der Fußball-Bundesliga. Wolfsburgs Koen Casteels hat in 22 Liga-Spielen nur 18 Gegentore kassiert, hat eine Paradenquote von 75,7 Prozent und hat wie sein RB-Kollege Peter Gulacsi (23 Spiele, 20 Gegentore, Paradenquote 66,1 Prozent) elfmal zu null gespielt. Was macht die Qualität dieser Keeper aus? "Beide sind physisch stark und haben ein extrem gutes Positionsspiel", sagt Marcel Schäfer. Nein, nicht der VfL-Sportdirektor - sondern ein Torwart-Experte, der zufällig genauso heißt!

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Schäfer - also der andere - betreibt bereits seit 1998 (!) eine Internetseite speziell für Torhüter. Auf torwart.de gibt es alles für die Nummer 1: News, Interviews, Reportagen mit Profitorhütern und deren Trainern, Foren und einen Onlineshop. Der 50-Jährige spielte einst für Pforzheim in der 3. Liga, war in den 90ern zudem Keeper in einem College-Team in Orlando/Florida. "Das Internet war damals in den USA schon eine große Sache", erzählt er, "also brachte ich die Idee einer Online-Seite speziell für Torhüter quasi von dort mit." Und seitdem ist er in Bisingen in Baden-Württemberg mit seinem kleinen Team in Sachen Torhüter unterwegs, spricht mit Profi- und Amateurkeepern, vermittelt auch Trainingsideen. VfL-Torwarttrainer Pascal Formann gehört zu seinen regelmäßigen Kontakten, machte einen Online-Workshop auf torwart.de - mit Keeper Pavao Pervan als Gast.

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Bei der Frage "Casteels oder Gulacsi?" fallen Schäfer erst einmal Gemeinsamkeiten ein. "Sie sind schon durchaus ähnlich", sagt er, "beide sind in Sachen Torwarttechnik generell stark und spielen vergleichsweise unspektakulär, weil sie oft richtig stehen. Das sorgt auch für eine gewisse Souveränität, was für Torhüter sehr wichtig ist. Unerfahrenere Torhüter in der Bundesliga zeigen vielleicht manchmal spektakulärere Paraden, haben dafür aber auch immer mal den einen oder anderen vermeidbaren Fehler im Spiel. Casteels und Gulacsi dagegen machen eigentlich nichts falsch - und auch die Konstanz in der Leistung ist ein wichtiges Merkmal." Also gar keine Unterschiede? Schäfer: "Casteels ist vielleicht noch einen kleinen Tick beweglicher, trotz seiner Größe - und hat dadurch in Sachen Koordination ein bisschen die Nase vorn."

Auch beide Trainer wissen, was sie an ihren Top-Keepern haben. "Koen ist jemand, der klar seine Meinung sagt." beschreibt VfL-Coach Oliver Glasner. Wie auf dem Platz werde er auch dort "nicht laut. Er macht das auf seine Art – und die ist hervorragend". Denn: "Am Wichtigsten ist sowieso die Leistung, denn es würde ja nichts helfen, wenn einer da nur herumbrüllt und ein Ei nach dem anderen kassiert. "Koen besticht einfach mit seiner Präsenz, er ist da, er ist ein großer Rückhalt für uns." Auch Gulacsi ist eher ein Leisetreter. „Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns“, betont RB-Trainer Julian Nagelsmann. Der 30-Jährige sei "total verlässlich und ist auch in der Kabine ist er eine wichtige Person, hat eine gewisse Erfahrung und strahlt entsprechend auch eine gewisse Ruhe aus."

Ausstrahlung - für Experte Schäfer ebenfalls ein wichtiger Faktor: "Ruhig und sachlich spielen - auch das macht modernes Torwartspiel aus." Und was ist der "Ausstrahlung" des eigenen Namens? "Das wird schon mal verwechselt", erzählt der Bisinger Schäfer, der selbst als DFB-Stützpunkttrainer nach künftigen Torwarttalenten Ausschau hält. "Ich kenne Roy Präger von einem gemeinsamen Internet-Projekt, als ich mal spontan bei ihm in Wolfsburg vorbeikam, dachte er, es käme der andere Marcel Schäfer." Und die Tampa Bay Rowdies, bei denen der Wolfsburger Schäfer spielte, "haben mal Trainings-Equipment bei mir bestellt, weil sie dachten, ich wäre der andere. Als sich das dann aufgeklärt hat, haben sie's aber trotzdem genommen..."