27. Oktober 2019 / 11:55 Uhr

Mercedes-Teamchef Toto Wolff schreibt Geschichte: Das ist sein Erfolgsgeheimnis

Mercedes-Teamchef Toto Wolff schreibt Geschichte: Das ist sein Erfolgsgeheimnis

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Toto Wolff, wie man ihn kennt - meistens jubelnd. Der Österreicher hat mit Mercedes eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt. Weggefährten: Der 2019 verstorbenen Niki Lauda (oben, von links) und Lewis Hamilton, unter Wolffs Führung Abo-Weltmeister. 
Toto Wolff, wie man ihn kennt - meistens jubelnd. Der Österreicher hat mit Mercedes eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt. Weggefährten: Der 2019 verstorbenen Niki Lauda (oben, von links) und Lewis Hamilton, unter Wolffs Führung Abo-Weltmeister.  © Getty/imago images
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Der österreichische Mercedes-Teamchef Toto Wolff knackt in der Formel 1 einen Rekord nach dem anderen – vor dem nächsten Titel-Gewinn verrät er dem SPORTBUZZER sein Erfolgsgeheimnis. Ein Porträt.

Lewis Hamilton kann am Sonntag (20.10 Uhr, RTL und Sky) in Mexiko zum sechsten Mal Formel-1-Weltmeister werden – wenn er 14 Punkte mehr holt als sein Teamkollege Valtteri Bottas. Da die Entscheidung nur noch zwischen den beiden Mercedes-Piloten fallen kann, steht schon jetzt fest: Silberpfeil-Teamchef Toto Wolff hat in diesem Jahr Geschichte geschrieben. Sechs Konstrukteurs-WM-Titel in Folge, dazu auch noch sechs Fahrer-WM-Titel in der gleichen Zeit – das gab es noch nie. Die sechs Team-Titel in Folge schaffte zwar auch Jean Todt als Ferrari-Teamchef von 1999 bis 2004 – aber ihm fehlt ein Fahrertitel in der Bilanz. Der ging 1999, nach Michael Schumachers Beinbruch, an Mika Häkkinen im McLaren-Mercedes. Auch insgesamt ist der 47-jährige Österreicher inzwischen einer der erfolgreichsten Teamchefs aller Zeiten. Mehr Titel haben nur noch Ron Dennis (zehn Fahrerpokale, sieben bei den Kon­strukteuren) und Frank Williams (sieben Fahrer und neun bei den Konstrukteuren).

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Toto Wolff übernahm 2013 die Herrschaft bei Mercedes

Wobei er, der im Januar 2013 zusammen mit Niki Lauda offiziell die Herrschaft bei den Silberpfeilen übernahm, gerne auf das gesamte Team verweist, wenn er auf seinen Anteil an der Mercedes-Erfolgsgeschichte angesprochen wird. „Als wir uns auf diese Reise in die neue Turbohybrid-Ära gemacht haben, nahmen wir uns vor, regelmäßiger Rennen zu gewinnen und früher oder später ein Wörtchen um den Titel mitreden zu können. Sechs Jahre später steht fest, dass wir alle WM-Titel gewinnen durften. Ich weiß, wie viel harte Arbeit dafür geleistet worden ist. Es gab Rückschläge und schmerzliche Momente, aber das Team hat sich immer wieder aufgerappelt und reagiert. Ich bin sehr stolz auf die ganze Mannschaft.“

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Wobei sein Anteil an der Erfolgsgeschichte schon beträchtlich ist. Schließlich prägt der Führungsstil der Spitze die gesamte Unternehmenskultur. Und ein Formel-1-Team mit mehr als 1200 Mitarbeitern ist nichts anderes als ein hoch spezialisiertes Hightechunternehmen. Eine der Schlüsselphilosophien von Wolff: „Wir haben keine Kultur, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Fehler können offen angesprochen werden. Leute bekommen bei uns Verantwortung. Und das leben wir auch.“

Toto Wolff: Druck machen wir uns vor allem selber

Dazu kommt für Wolff, 1972 in Wien als Sohn einer Polin, die vor dem Kommunismus in ihrer Heimat nach Österreich geflüchtet war, und eines rumänischstämmigen Vaters geboren, der absolute Wille, sich nie mit bisher Erreichtem zufriedenzugeben: „Es ist schwer zu vermitteln, unter welchem Druck du stehst. Und diesen Druck machen wir uns vor allem selber: Wir verlangen sehr viel von uns, und wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, dann tut das weh. Wir versuchen jedes Mal, aus einer Niederlage etwas zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Ich bin davon überzeugt: Eine elementare Stärke dieses Rennstalls besteht darin, sich nach Niederlagen aufzurichten und nochmals zuzulegen. Wenn man das schafft und dann wieder beide Titel holt, dann erzeugt das sehr kraftvolle Emotionen.“

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Emotionen, die für ihn zum Rennsport absolut dazugehören und die er selbst auch aus der Cockpitperspektive kennt. Schließlich versuchte sich Wolff, der vor seinem Einstieg ins Motorsport-Management im Investment-Business sehr erfolgreich war und dessen Vermögen auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag geschätzt wird, früher auch selbst als Rennfahrer. Und ging dazu in die Rennfahrer-Schule seines Landsmanns Walter Lechner, der ein strenger Lehrer war: „Einmal in Spa habe ich ein Rennen durch einen eigenen Fehler weggeschmissen, obwohl ich in der ersten Startreihe stand. Wir sind dann gemeinsam zurück nach Österreich gefahren, und ich durfte mir stundenlang anhören, was ich doch für ein Idiot sei, so einen dummen Bock zu schießen.“

Wolffs Talente liegen vor allem neben der Strecke

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Wobei Wolff im Laufe der Jahre sowieso selbst zu der Erkenntnis kam, dass seine größten Talente wohl nicht auf, sondern neben der Strecke lägen, und das Fahren immer mehr nur noch zum Hobby wurde. Aber zu einem, das ihm half, sich besser als viele andere Teamchefs in die Situation seiner Fahrer hineinzuversetzen. Und damit auch zur jahrelangen Dominanz von Mercedes beitrug. Zum Beispiel dadurch, dass Wolff seinem Superstar Lewis Hamilton die Freiheiten gibt, die er braucht – auch wenn die Außenwelt das manchmal heftig kritisiert. Der Erfolg gibt ihm aber auch da recht.