11. Dezember 2019 / 12:00 Uhr

"Träge und schlampig" – RB Leipzigs Julian Nagelsmann trotz Gruppensieg verärgert

"Träge und schlampig" – RB Leipzigs Julian Nagelsmann trotz Gruppensieg verärgert

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann reagiert an der Seitenlinie.
Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann war an der Seitenlinie eher nicht zum Jubeln zumute. © dpa
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RB Leipzig hat mit einem 2:2-Unentschieden den erträumten Gruppensieg in der Champions League klar gemacht. Von eitel Sonnenschein konnte nach dem Spiel jedoch keine Rede sein. Vor allem Trainer Nagelsmann machte seinem Ärger gehörig Luft.

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Leipzig. Kein Paris, kein Liverpool, kein Barcelona und auch kein Manchester – was sich wie die Streikankündigung der Pilotengewerkschaft liest, war am Dienstagabend die wichtigste Nachricht auf Seiten RB Leipzigs: Durch ein 2:2 bei Olympique Lyon sicherten sich die Roten Bullen Platz eins in Champions League-Gruppe G und vermeiden damit am Montag bei der Achtelfinal-Auslosung in Nyon vorerst eine Begegnung mit den übrigen namenhaften Erstplatzierten .

DURCHKLICKEN: Die Bilder vom 2:2-Unentschieden von RB Leipzig in Lyon

RB Leipzig zieht nach dem 2:2 bei Olympique Lyon als Gruppensieger ins Achtelfinale der Champions League ein. Zur Galerie
RB Leipzig zieht nach dem 2:2 bei Olympique Lyon als Gruppensieger ins Achtelfinale der Champions League ein. ©
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Ob man deshalb auch mit dem Remis im Lyoner Groupama-Stadion zufrieden sein könne, darüber gingen die Meinungen bei den Leipzigern auseinander. Trainer Julian Nagelsmann hatte einen Tag zuvor versprochen, unbedingt gewinnen zu wollen, auch, um nach der 0:2-Pleite im Hinspiel zu zeigen, dass man jeden Gegner der Gruppe schlagen kann und zu Recht ganz oben steht. Daraus wurde trotz 2:0-Führung nichts.

Nagelsmann kritisch

Entsprechend bedient war der Coach nach Abpfiff: "Wir wurden sehr träge und schlampig im Spielvortrag, haben viele falsche Entscheidungen getroffen, hatten wenig Verlagerungen. In der zweiten Halbzeit haben wir nicht einmal die taktische Vorgabe umgesetzt. Wir haben gegen Paderborn, gegen Hoffenheim und heute nicht über 90 Minuten gut performt. Wir dürfen nicht anfangen, damit zufrieden zu sein, was wir im Status quo erreicht haben. Es geht um Entwicklung. Da haben wir ein paar Baustellen. Jetzt muss der nächste Schritt folgen."

DURCHKLICKEN: Die Stimmen zum Spiel in Lyon

Emil Forsberg (RB Leipzig): Wir haben es gut gemacht und sind verdient weiter. So muss es weitergehen. Heute war es ein komisches Spiel. Wir haben in der zweiten Halbzeit zu viele lange Bälle gespielt. Zur Galerie
Emil Forsberg (RB Leipzig): "Wir haben es gut gemacht und sind verdient weiter. So muss es weitergehen. Heute war es ein komisches Spiel. Wir haben in der zweiten Halbzeit zu viele lange Bälle gespielt." ©

Nagelsmann hatte seine Mannschaft im Vergleich zum 3:1-Sieg gegen Hoffenheim auf fünf Positionen verändert und unter anderem den zuletzt selten eingesetzten Amadou Haidara und Marcelo Saracchi zu Spielzeit verholfen. Während "Doudou" auf der Sechs neben Diego Demme nicht wirklich glänzen konnte, erlebte "Celo", der sich eine Vielzahl von Fehlpässen, Querschlägern und mangelhaftes Stellungsspiel vor dem Ausgleich der Franzosen ankreiden lassen musste, einen Abend zum Vergessen.

Saracchi schwach

Der Uruguayer stapfte nach Abpfiff sichtlich angefressen als einer der letzten Spieler durch die Mixed-Zone Richtung Mannschaftsbus und dürfte sich von der allgemein formulierten Kritik seines Trainers besonders direkt angesprochen gefühlt haben: "Wir haben ein zu großes Gefälle in den Leistungen, zwischen denen, die mehr Rhythmus haben und denen, die wenig Rhythmus haben."

DURCHKLICKEN: So kommentiert die Presse die Partie

Le Parisien: „Lange Zeit war es nur ein großer Albtraum. Eine Katastrophe. Lyon hatte die einmalige Gelegenheit, als einziger in einer machbaren Gruppe zweimal gegen die Deutschen zu gewinnen. Aber lange Zeit ruinierte OL alles. Überwältigt, im Zweikampf weitgehend vom Gegner dominiert, technisch unterlegen […] In einer katastrophalen ersten Hälfte eines Champions-League-Spiels unwürdig.“ Zur Galerie
Le Parisien: „Lange Zeit war es nur ein großer Albtraum. Eine Katastrophe. Lyon hatte die einmalige Gelegenheit, als einziger in einer machbaren Gruppe zweimal gegen die Deutschen zu gewinnen. Aber lange Zeit ruinierte OL alles. Überwältigt, im Zweikampf weitgehend vom Gegner dominiert, technisch unterlegen […] In einer katastrophalen ersten Hälfte eines Champions-League-Spiels unwürdig.“ ©

Nagelsmann setzte noch einen drauf und nahm die Mannschaft – Qualifikation zum Achtelfinale und Platz zwei in der Liga hin oder her – in die Pflicht, wohl wissend, wie schnell die Stimmung beim ambitionierten Bundesligisten kippen kann: "Da muss man entscheiden, ob es weiter in Ordnung oder noch besser sein soll. Jeder Spieler muss, auch der, der keinen Rhythmus hat, die 90 Minuten so nutzen, dass er bald wieder spielt." Besonders wurmte den Coach die mangelnde Umsetzung seines Matchplans: "Es waren ein paar Spieler auf dem Acker, die sehr viel freestyle unterwegs waren. Das kannst du gern auf dem Snowboard im Weihnachtsurlaub machen. Beim Fußball sind erstmal die Dinge wichtig, die wir mitgeben."

Mintzlaff will nicht auf Einkaufstour gehen

Während Oliver Mintzlaff mit Blick auf Saracchi ähnlich deutlich wurde ("Er hatte heute nicht den besten Tag. Das ist richtig. Aber auch auf der Position haben wir sicherlich Alternativen."), wollte Markus Krösche mit den Nachrückern nicht allzu hart ins Gericht gehen: "Es war kein leichtes Spiel. Es ist nicht so einfach, wenn du lange nicht spielst. Das sind auch alles junge Spieler, die ihren Rhythmus brauchen, um an ihre Leistungsgrenze zu gehen. Sie haben es ordentlich gemacht. Sie haben alles gegeben."

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Einen Grund, an der Qualität des Kaders zu zweifeln, sieht der Sportdirektor ohnehin nicht. Und auch Geschäftsführer Mintzlaff wähnt die Mannschaft für die kommenden Aufgaben gerüstet: "Wegen des Achtelfinales müssen wir nicht nachlegen. Wir haben einen breiten Kader mit viel Qualität. Da ist nicht die Notwendigkeit, auf Einkaufstour zu gehen." Ausschließen wollte der 44-Jährige dennoch nichts: "Wie immer kann es sein, dass man einen Transfer aus dem Sommer vorzieht, wenn sich etwas ergibt.“ Für die Roten Bullen, die noch in der Nacht zurück nach Leipzig geflogen sind, ist am Mittwoch zunächst trainingsfrei. Am Donnerstag startet dann die kurze Vorbereitung auf das Auswärtsspiel am Samstagabend bei Fortuna Düsseldorf.

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