06. Mai 2019 / 20:24 Uhr

Trainer David Bergner atmet mit dem Chemnitzer FC durch: „Was in diesem Jahr passiert ist, war schon heftig“

Trainer David Bergner atmet mit dem Chemnitzer FC durch: „Was in diesem Jahr passiert ist, war schon heftig“

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
David Bergner kam 2017 vom FC Rot-Weiß Erfurt nach Chemnitz und konnte nach dem Abstieg des insolventen CFC ein neues, erfolgreiches Team formen.
David Bergner kam 2017 vom FC Rot-Weiß Erfurt nach Chemnitz und konnte nach dem Abstieg des insolventen CFC ein neues, erfolgreiches Team formen. © imago
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Der 45-Jährige führt den Chemnitzer FC zum Titel in der Regionalliga Nordost. Auf die Drittliga-Lizenz und den Aufstieg müssen die Himmelblauen aber noch warten.

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Chemnitz/Dresden. Das NOFV-Sportgericht hatte die Südtribüne gesperrt, nur 2860 Fans kamen daraufhin ins Stadion an der Gellertstraße. So musste Spitzenreiter Chemnitzer FC am vergangenen Sonnabend nach dem 1:1 gegen den ZFC Meuselwitz die Meisterschaft in der Regionalliga Nordost vor Saison-Minuskulisse feiern. Trainer David Bergner, früher u.a. Profi bei Union Berlin, Sachsen Leipzig und dem Halleschen FC sowie Nachwuchscoach bei RB Leipzig II und Dynamo Dresden, ließ sich die Freude über die sportliche Qualifikation für die 3. Liga aber nicht nehmen. Der 45-Jährige muss allerdings noch darauf hoffen, dass der CFC alle Lizenzauflagen erfüllen kann.

Glückwunsch zum Titel! Haben Sie schon den Aufstieg gefeiert?

David Bergner: „Aufgestiegen sind wir erst, wenn wir die Lizenz bekommen. Jetzt sind wir Meister, haben das natürlich gefeiert. Die Jungs haben sich das verdient. Es war eine turbulente Saison. Dass sie turbulent wird, wussten wir vorher. In einem Insolvenzverein ist es klar, dass nicht immer alles glatt geht. Was in diesem Jahr passiert ist, war aber schon heftig. Umso mehr ist herauszuheben, was die Mannschaft geleistet hat.“

Zum Saisonstart gab es 15 Siege am Stück. Wie war das möglich? War viel Glück dabei oder einfach die Mischung in der Mannschaft optimal?

„Viele haben gesagt, dass wir einige Spiele auch glücklich gewonnen haben. Dem stimme ich schon zu, aber wenn man 15 Mal hintereinander gewinnt, kann das nicht nur Glück sein. Dann muss man auch sagen: Nach Glück kommt auch mal Können. Wir haben viel gearbeitet, an uns geglaubt, hatten auch die Gier, Spiele gewinnen zu wollen. In der Hinrunde hat das fantastisch funktioniert, in der Rückrunde hatten wir kleine Hänger, die auch damit zusammenhingen, was im Verein noch so alles passiert ist.“

Mit Paul Milde, Tobias Müller und Fabian Müller haben drei Ex-Dynamos beim Neuaufbau geholfen. Wie haben Sie Ihre Erwartungen erfüllt?

„Das muss man von Spieler zu Spieler differenziert betrachten. Paul Milde kannte ich noch aus der U19 von Dynamo. Er ist damals ein großes Talent gewesen, hat den Sprung in den Männerbereich nicht gut geschafft, in Bautzen mehr schlecht als recht gespielt. Ich habe mir gedacht: Es kann nicht das Ende der Fahnenstange sein, dass er in Bautzen nicht mal Stammspieler ist. Am Anfang war es bei uns auch schwierig, er hat aber dann begriffen, was für ihn wichtig ist und die Position des linken Verteidigers unfassbar gut angenommen. Man muss sagen, dass Paul in der Rückrunde fast der stabilste Spieler der ganzen Mannschaft war. Das muss er weitermachen. Tobi ist derweil ein Fußballer, den man nicht irgendwo auf einer Position festlegen kann. Er war bei uns in der Offensive freischaffend – auf der Acht, auf der Neun, auf der Zehn, auf dem Flügel. Er bewegt sich überall gut, das haben wir erkannt. Er hat nur hin und wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt, ist sonst sehr konstant gewesen. Das freut uns. Bei Fabian Müller ist es etwas anders. Von seiner Verpflichtung war ich anfangs begeistert. Er hat das Geforderte aber nicht so umsetzen können oder wollen. Nachher war er dann nicht mehr dabei. Wir gehen davon aus, dass er im nächsten Jahr woanders spielen wird.“

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Wie optimistisch sind Sie, bei Lizenzerhalt in der 3. Liga konkurrenzfähig zu werden?

„Sie ist unfassbar eng beieinander, wir werden da auch keine großen Ziele ausgeben. Wir werden es wie in der Regionalliga machen, versuchen, in jedem Spiel ans Maximum zu gehen. Natürlich wollen wir den Kader auch noch verstärken, sind momentan in guten Gesprächen. Zwei Spieler haben wir schon verpflichtet, über die wir uns sehr freuen. Leider haben wir mit Dennis Grote auch jemanden, der uns verlässt, der sehr wichtig für die Mannschaft war."

Der Kapitän wechselt zu Rot-Weiss Essen. Was hat Essen, was Chemnitz nicht bieten kann?

Sein Haus und seine Familie sind nur 80 Kilometer von Essen weg, mehr können die Essener sonst auch nicht bieten. Seine kleine Tochter wurde daheim eingeschult, seine Frau arbeitet als Beamtin in einem Lehrerjob in Essen. Da ging es also um familiäre Dinge. Er war dieses Jahr komplett alleine hier, wollte den Abstieg hier korrigieren. Das zeigt, welchen Charakter Dennis hat. Er hätte noch Vertrag bei uns gehabt, aber wir haben seinem Wunsch Folge geleistet und ihn freigegeben."

Was sind die beiden Neuen Georgi Sarmov (32/Mittelfeld/Veliko Tarnovo) und Tim Blumberg (22/Außenbahn/Hertha BSC U23) für Typen?

Wir suchen natürlich schon einen ähnlichen Typen wie Grote. Da ist uns Sarmov aufgefallen durch Informationen von Krassimir Balakow, der momentan noch sein Trainer ist. Wir haben uns mit ihm befasst, ihn nach Chemnitz eingeladen. Er war sehr begeistert vom Sachsenpokal-Halbfinale gegen Lok Leipzig. So kam es, dass er auch mit 32 Jahren nochmal die Herausforderung im Ausland sucht. Es ist schön, dass er uns unterstützen will. Nils Blumberg ist natürlich eine Investition in die Zukunft. Er hat bei Hertha alles durchlaufen, wir haben ihn zweimal gesehen. Wir denken, dass er auf den Außenverteidiger-Positionen und auf dem Flügel seine Qualitäten hat - aufgrund seiner Dynamik und seiner Schnelligkeit."

Schauen Sie auch manchmal noch in den Dynamo-Nachwuchs, wo Sie selbst gearbeitet haben?

"Ja, natürlich. Ich habe noch Kontakt zu Jan Seifert, guten Kontakt noch zu zwei, drei anderen Leuten. Wir schauen schon noch mal nach, weil ja auch jetzt im 2000er-Jahrgang ein paar gute Jungs rauskommen."

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