09. Dezember 2020 / 08:32 Uhr

Trainer Erik Schmidt vom Bischofswerdaer FV warnt: "Wir stoßen an Grenzen"

Trainer Erik Schmidt vom Bischofswerdaer FV warnt: "Wir stoßen an Grenzen"

Jürgen Schwarz
Dresdner Neueste Nachrichten
Erik Schmidt
Sieht einige Probleme auf den Bischofswerdaer FV zukommen: Schiebocks Cheftrainer Erik Schmidt. © Steffen Manig
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Die Regionalliga Nordost ist in der Pause und ob der Ball Ende Januar wieder rollt, wird noch geklärt. Erik Schmidt, Trainer des Bischofswerdaer FV, spricht im SPORTBUZZER-Interview über den Restart, die erbrachten Leistungen und eine mögliche Fusion.

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Dresden. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) wollte Anfang Dezember den Restart in der Fußball-Regionalliga Nordost durchsetzen, aber inzwischen hat das Präsidium dieses Ansinnen ad acta gelegt. Nun soll es Ende Januar in der 4. Liga weitergehen. Beim Bischofswerdaer FV, aktuell Tabellenletzter, muss Cheftrainer Erik Schmidt derweil umplanen. Der 41-Jährige wollte ursprünglich bis kurz vor Weihnachten trainieren lassen, aber seit dem 7. Dezember befinden sich seine Schützlinge in der Winterpause. Dazu äußert er sich im SPORTBUZZER-Interview.

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Herr Schmidt, waren Sie überrascht von der Absage?

Nein, so wie es sich entwickelt hatte, habe ich es erwartet. Lange Zeit hatte ich aber gehofft, dass wir in diesem Jahr noch zwei, drei Punktspiele machen können, entsprechend hatten wir ab 16. November auch wieder voll trainiert. Es gab diesbezüglich eine klare Ansage vom NOFV, den Restart noch im Dezember vollziehen zu wollen. Doch als bekannt wurde, dass Berlin mit seinen sieben Viertliga-Vereinen nicht zustimmt, war klar, dass das nichts mehr wird.

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Von 38 Saisonspielen hat der BFV erst zwölf bestritten. Ist das bis 30. Juni 2020 noch machbar?

Ja. Beginnen wir Ende Januar, würden wir das Restprogramm noch stemmen können. Ich bin ohnehin nur für die Abwicklung aller Spieltage, alles andere wäre unsportlich.

Wieso?

Einen Meister zu küren und Absteiger auf sportlichem Weg zu ermitteln, geht nur auf diesem Weg. Eine Quotienten-Regelung anzusetzen oder nur eine Hinrunde zu spielen, halte ich für unfair. Aus meiner Sicht gibt es dann nur eine Alternative – den Saisonabbruch.

Die NOFV-Viertligisten waren sehr uneinig, was den angedachten Restart im Dezember betraf. Warum?

Weil jeder Verein die für ihn günstigste Variante ins Feld geführt hat. Die, die noch aufsteigen wollen, sind für Play-off-Spiele. Logisch, Viktoria Berlin rangiert als Spitzenreiter schon 14 beziehungsweise 15 Punkte vor Lok Leipzig und Energie Cottbus. Und wir sind zwar Letzter, haben aber noch zwei Drittel der Saison zu absolvieren. Aktuell fehlen uns nur vier Zähler auf einen Nichtabstiegsplatz.

Regulär würde es nun am 24. Januar mit dem Gastspiel in Auerbach weitergehen. Wann müsste das Training beginnen, um einigermaßen fit dort aufzulaufen?

Anfang Januar, anders geht es ja nun gar nicht mehr. In Cottbus oder Chemnitz trainieren die Profis meist zweimal am Tag, um das einigermaßen zu kompensieren, dürften wir eigentlich keine vier, fünf Wochen Pause einlegen.

Kann es sein, dass sich der Verein im Sommer 2021 im Falle des Klassenerhaltes trotzdem in die Oberliga zurückzieht?

Diese Frage müssen Sie dem Präsidium stellen. Aber ich denke, wir haben unsere sportlichen Möglichkeiten derzeit ausgereizt. Wir sind aus der Landes- bis in die Regionalliga durchmarschiert, aber wir stoßen an Grenzen, müssen aufpassen, dass wir die wenigen Leute, die immer für den Verein da sind und hart arbeiten, nicht verheizen. Struktur und Rahmenbedingungen müssen verändert werden, sonst treten wir auf der Stelle. Und dann stellt sich die Frage, wie wir 2021/22 weitermachen wollen tatsächlich. Aus meiner Sicht ist es ein Privileg und ein Riesenerfolg für diesen Verein, sich mit Mannschaften wie dem Chemnitzer FC, Energie Cottbus, dem 1. FC Lok Leipzig oder auch dem BFC Dynamo zu messen.

Plädieren Sie immer noch für eine Fusion mit anderen Vereinen der Region?

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Ja, ich bleibe bei meiner Meinung. Ein einzelner Verein wird es auf Dauer nicht schaffen, die vierte Liga zu halten. Die Zeit, als ein Ernst Lieb oder die Firma Henschke Bau viel Geld in einen Verein gepumpt haben, ist vorbei. Es geht nur mit Bündelung der Kräfte. Ich bin überzeugt, dass Bischofswerda, Bautzen, Kamenz und Neugersdorf zusammen einen „FC Lausitz“ auf die Beine stellen würden, der es mittelfristig sogar bis in die dritte Liga schaffen könnte. Bautzen würde sich dabei als Standort sicher anbieten.

Eine Fusion scheint aktuell Utopie. Denken Sie nach mehr als sieben Jahren Trainer-Tätigkeit in Schiebock an Abschied?

Nein, warum? Ich war doch schon mal beurlaubt und bin zurückgekommen. Ich habe einen festen Job, mit dem ich meine Familie ernähren kann. Fußball ist meine Leidenschaft, es macht mir sehr viel Spaß, mit jungen Spielern zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln.