13. Januar 2022 / 16:37 Uhr

Trainer Fischer hat die Friedrich-Nachfolge bei Union Berlin geregelt

Trainer Fischer hat die Friedrich-Nachfolge bei Union Berlin geregelt

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
 Leverkusen, Bayarena, 08.01.21: Grisch Prömel R Union B. schiesst hier das 1:1 Ausgleichstor gegen Torwart Lukas Hradecky Leverkusenim Spiel der 1.Bundesliga Bayer 04 Leverkusen vs. 1.FC Union Berlin. *** Leverkusen, Bayarena, 08 01 21 Grisch Prömel R Union B shoots here the 1 1 equalizer goal against goalkeeper Lukas Hradecky Leverkusen in the match of the 1 Bundesliga Bayer 04 Leverkusen vs 1 FC Union Berlin
Neuer "Vize": Friedrich-Kumpel Grischa Prömel (M.) erhält nun mehr Verantwortung. © imago images/Mika Volkmann
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Dass der Vizekapitän den Verein verlassen hat, nimmt Union-Trainer Urs Fischer vor dem Hoffenheim-Spiel gelassen hin - hinter Kapitän Christopher Trimmel amtiert künftig Grischa Prömel.

Für Marvin Friedrich wird es an den beiden kommenden Wochenenden ein wenig kurios. An diesem Samstag trifft der Fußballprofi, der am Dienstag offiziell bei Borussia Mönchengladbach vorgestellt wurde, in der Bundesliga auf Bayer 04 Leverkusen, eine Woche drauf auf Union Berlin. Das ist deshalb ulkig, weil Friedrich erst am vergangenen Spieltag gegen Leverkusen (2:2) ran musste – da noch im gewohnten Dress des 1. FC Union.

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In Mönchengladbach haben sie deshalb schon ein paar Scherze gemacht, verriet Adi Hütter, Friedrichs neuer Trainer. „Das ist sicherlich etwas besonders, wenn du ein paar Tage vorher gegen den Verein spielst. Jetzt gehst du zu einem anderen Verein, spielst wieder gegen den Verein – und dann eine Woche später gegen den Verein, wo du eigentlich jahrelang gespielt hast. Das ist sicher eine Seltenheit.“

Fischer: "Schenken wir’s Vertrauen denen, die da sind."

Die Protagonisten des seltsamen Geschäfts Profifußball haben sich an derart seltene Merkwürdigkeiten allerdings schon gewöhnt. Dass der Vizekapitän eines Europapokalteilnehmers mitten in der Saison zu einer Mannschaft wechselt, die in den vergangenen anderthalb Jahren oft enttäuscht hat und in der Tabelle fünf Plätze hinter den Berlinern steht, ruft keine Entrüstung mehr hervor, nicht mal bei Union-Trainer Urs Fischer. Er sei ob des Abgangs seines stets gesetzten Innenverteidigers und Führungsspielers nicht frustriert, meinte der Coach bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Friedrich habe „deutlich geäußert“, dass er wechseln wolle, nun gelte es, „diesen Abgang vergessen zu machen. Schenken wir’s Vertrauen denen, die da sind.“


Ähnlich pragmatisch und äußerlich gelassen hatte sich am Mittwoch Andreas Luthe in einer Medienrunde geäußert. „Wir dürfen uns von einer Personalie nicht verrückt machen lassen“, forderte der Torwart vor dem samstäglichen Heimspiel gegen den Tabellendritten Hoffenheim (15.30 Uhr/live bei Sky). Der Wechsel sei ein ganz normaler Prozess, die Bundesliga ein freier Markt, der eben dem kapitalistischen Prinzip von Angebot und Nachfrage unterliege. Wenn es nach den starken Leistungen bei Union Spieler gebe, „die vielleicht den nächsten Karriereschritt gehen, dann darf man ihnen da keinen Vorwurf machen.“

So unaufgeregt wie Luthe und Fischer die Fragen zur Personalie Friedrich beantworteten, will der Trainer auch dessen Nachfolge regeln. In der mannschaftsinternen Hierarchie ist das schon geschehen, als neuer Vizekapitän fungiert fortan Grischa Prömel, Friedrichs bester Kumpel bei Union. Wer den zuletzt auf der linken Innenverteidigerposition aufgebotenen Friedrich auf dem Platz ersetzt, scheint zunächst ebenfalls geklärt. Neben dem gesetzten Robin Knoche liegen Paul Jaeckel und Timo Baumgartl wohl noch vor Dominique Heintz. „Ich habe die Qual der Wahl“, sagte Fischer, wohlwissend, dass der konstante Friedrich (noch) nicht eins zu eins ersetzt werden kann. „Mit der Solidarität fangen wir das auf“, erklärte der Coach.

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Bisher hat das auch meist gut funktioniert. Vor Friedrich hatten mit Rafal Gikiewicz, Sebastian Andersson, Christopher Lenz oder Robert Andrich schon andere Schlüsselspieler die Berliner verlassen, selten war Union danach schlechter aufgestellt. Just darauf wies auch Fischer hin: „Wir haben es in der Vergangenheit immer wieder hinbekommen, Abgänge zu kompensieren.“ Wie das diesmal geht, will der Trainer erst am Samstag demonstrieren und dann noch mal eine Woche später – gegen Friedrichs Gladbacher.