17. Juli 2020 / 13:45 Uhr

Trainer-Legende Gernot Rohr über Real-Meistertrainer Zinedine Zidane: "Passt perfekt zur Nationalmannschaft"

Trainer-Legende Gernot Rohr über Real-Meistertrainer Zinedine Zidane: "Passt perfekt zur Nationalmannschaft"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schwärmt von Zinedine Zidane: Der deutsche Trainer Gernot Rohr, der den Real-Coach einst selbst trainierte.
Schwärmt von Zinedine Zidane: Der deutsche Trainer Gernot Rohr, der den Real-Coach einst selbst trainierte. © Getty Images, Montage
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Zinedine Zidane gewann am Donnerstagabend seinen elften Titel als Trainer mit Real Madrid. Der Deutsche Gernot Rohr coachte Zidane in Bordeaux und erkannte früh, dass er besondere Fähigkeiten als Trainer hat. Rohr sieht ihn sogar als Kandidaten für das Amt als französischen Nationaltrainer.

Selbst im Moment des großen Triumphs war Zinedine Zidane nicht aus der Reserve zu locken. Statt nach dem Gewinn der spanischen Meisterschaft mit Real Madrid zu tönen, gab er sich bescheiden und bedankte sich bei Präsident Florentino Perez für das Vertrauen. „Ich bin ihm für immer dankbar. Er hat mich als Spieler verpflichtet und zum besten Verein der Welt gebracht und nun geht die Geschichte weiter“, sagte Zidane.

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Für den deutschen Trainer Gernot Rohr ist dieses Verhalten Zidanes keine Überraschung. Er lebt in Frankreich und kennt den heutigen Madrid-Trainer aus Zeiten bei Girondins Bordeaux als Spieler. Dort trainierte Rohr den jungen Zidane 1996 ein halbes Jahr. „Diese Bescheidenheit macht ihn aus“, sagt er dem SPORTBUZZER. „Er tritt nicht auf wie Pep Guardiola oder Jürgen Klopp. Zidane ist ruhig, zurückhaltend und angenehm.“

Zidane holt elften Titel mit Real Madrid

Am Donnerstagabend sicherte sich Real Madrid durch den 3:1-Sieg über den FC Villarreal die spanische Meisterschaft. Für Zidane war es bereits der elfte Titel in nur fünf Jahren mit den „Königlichen“ – trotz einer zwischenzeitlich selbst gewählten Pause 2018/2019. Weil die Mannschaft allerdings unter den Trainern Julen Lopetegui und Santiago Solari nicht funktionierte, holte Real Zidane im März 2013 zurück. Mit Erfolg. La Liga gewann er zweimal, in der Champions League schaffte er gar das Triple. Jeweils zweimal gewann er den UEFA-Supercup, die FIFA-Klub-WM und den spanischen Supercup. Nur die Madrider Trainerlegende Miguel Munoz holte mehr Titel als Real-Trainer.

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Für Rohr war diese Entwicklung des Trainers Zidane durchaus erwartbar. Schon als Spieler 1996 in Bordeaux sei er ihm aufgefallen, erzählt der 67-Jährige: „In den Monaten bei Bordeaux hat er im Training immer wieder nachgefragt, wenn ich Anweisungen gegeben habe. Er war sehr interessiert und ich dachte mir damals schon, dass er ein guter Trainer werden kann.“ Ein Beispiel sei ihm besonders hängen geblieben, so Rohr. 1996 verlor Bordeaux im Viertelfinale des UEFA-Cups mit 0:2 beim AC Milan. „Danach kam Zidane zu mir und sagte: ‚Wir schaffen das noch.‘“ Tatsächlich gewann das französische Team mit 3:0 und kam am Ende sogar bis ins Finale – verlor dort allerdings gegen den FC Bayern. Im Rückspiel gegen Mailand war Zidane einer der überragenden Akteure, bereitete zwei Tore vor. „Er war nicht der Kapitän, ist aber vorangegangen. Er hat mit Leistung überzeugt, nicht mit Worten“, erinnert sich Rohr.

Diese besonderen Eigenschaften hat er auch als Übungsleiter. „Er hört seinen Spielern zu und zeigt Gefühl. Als Mensch wird der überall als sehr sympathisch empfunden“, sagte der aktuelle Nationaltrainer Nigerias. „Er ist sanft, aber bestimmt. Er schiebt sich nicht in den Vordergrund. In Frankreich schätzt man ihn sehr.“

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Rohr: "Zidane vereint die ganze Nation"

Nicht nur da – auch die Real-Spieler vertrauen ihm. „Die Spieler haben einen Riesenrespekt vor ihm. Er hat einen guten Trainerstab und kümmert sich selbst um das Essenzielle. Alle gehen unter ihm in eine Richtung. Die Mannschaft ist diszipliniert und die Spieler hören auf ihn. Er hat sie hinter sich“, sagt Rohr. Sergio Ramos untermauert die These des deutschen Trainers: „Wir glauben an ihn, an alles, was er sagt.“


Bestes Beispiel dafür scheint Stürmer Karim Benzema zu sein. Unter Zidane spielt der französische Nationalstürmer groß auf. „Benzema ist wie er aus Nordafrika. Ihm zahlt ihm das Vertrauen mit Toren zurück“, so Rohr. Es scheint das besondere Etwas in der Menschenführung zu sein, das Zidane ausmacht – und die Fähigkeit verschiedene Charaktere auf Linie zu bringen. Deshalb sei er auch prädestiniert für den Job als französischer Nationaltrainer. „Dieser Job wartet irgendwann auf ihn. Er passt perfekt zur Nationalmannschaft, weil er immer zu den sympathischsten Persönlichkeiten in Frankreich zählt. Er vereint die ganze Nation hinter sich und hatte es schon als Spieler geschafft, die Ethnien in Frankreich zu vereinen“, erklärt Rohr. Derzeit wird die "Equipe Tricolore" von Didier Deschamps betreut. Dessen Vertrag läuft Ende 2022 aus.