30. Dezember 2019 / 16:05 Uhr

Trainer Zimmermann zieht Bilanz: Beim TSV Havelse "wäre noch mehr drin gewesen"

Trainer Zimmermann zieht Bilanz: Beim TSV Havelse "wäre noch mehr drin gewesen"

Jens Niggemeyer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Havelse-Trainer Jan Zimmermann zieht eine erste Bilanz.
Havelse-Trainer Jan Zimmermann zieht eine erste Bilanz. © CHRISTIAN HANKE
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Vor rund einem Jahr hat Jan Zimmermann den Posten als Trainer und Sportlicher Leiter bei Regionalligist TSV Havelse übernommen. Pünktlich zum Jahreswechsel zieht der 40-jährige Fußballlehrer Bilanz - und spricht über die bisherigen Erfolge, den Verlauf der aktuellen Saison und die verbliebenen Baustellen.

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Seit rund einem Jahr ist Jan Zimmermann jetzt Trainer und Sportlicher Leiter beim Regionalligisten TSV Havelse. Und seine Bilanz kann sich sehen lassen: Der 40-Jährige übernahm das Team auf dem Abstiegsrang 16, sammelte in 13 Spielen 25 Punkte (20:15) und erreichte letztlich mit Platz elf das erste Etappenziel Klassenerhalt.

Für Zimmermann wäre "noch mehr drin gewesen"

In den darauffolgenden bisherigen 22 Partien der aktuellen Spielzeit heimsten die Havelser 32 Zähler ein und schlossen damit zur Winterpause als Tabellenachter ab. „In diesem ersten Jahr hat alles funktioniert, was und wie ich es mir gedacht habe“, freut sich Zimmermann. „Die Jungs haben souverän den Klassenerhalt geschafft, wir haben das Team zusammengehalten und sinnvoll verstärkt, wir spielen guten Fußball und haben in dieser Saison nichts mit dem Abstieg zu tun.“ 16 Punkte Vorsprung auf die Kellerregion seien ein beachtliches Polster. „Allerdings gebe ich zu: So, wie wir gespielt haben, wäre noch mehr drin gewesen.“

Trainingsauftakt beim TSV Havelse: Erste Einheit mit Coach Jan Zimmermann

Havelses Trainer Jan Zimmermann zeigt, wo es langgeht. Zur Galerie
Havelses Trainer Jan Zimmermann zeigt, wo es langgeht. ©
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"Das Team verfügt über großes Potenzial"

Ein Riesenkompliment gebühre allerdings dem Trainerstab und dem Funktionsteam, denn da er zurzeit seinen Fußballlehrer in Köln mache, fehle er unter der Woche schon bei einem nicht unerheblichen Teil der Einheiten. „Aber wir verstehen uns super, harmonieren sehr gut und vertrauen uns.“ Auch seinen Spielern zollte er Respekt: „Auch wenn ich nicht dabei bin, ziehen und arbeiten die Jungs super mit.“ Überhaupt sei er angetan von der Entwicklung seiner Mannschaft: „Das Team ist stabil, sehr jung, extrem lernwillig und verfügt über großes Potenzial.“ Die Chemie zwischen Trainercrew und Spielern stimme. „Die Jungs haben sich defensiv schnell stabilisiert und schnell verinnerlicht, wie wir anlaufen und pressen wollen. Dazu hat sich der Spielaufbau erheblich verbessert. Die Mannschaft ist sehr dominant und ballsicher aufgetreten.“

Zwei Baustellen sind geblieben

Allerdings gibt es auch zwei Baustellen: „Wir konnten unsere Dominanz und Chancen nicht so in Tore und Punkte ummünzen, wie es dem Spielverlauf oft angemessen gewesen wäre.“ Beim Herausspielen und Verwerten von Chancen gebe es noch reichlich Luft nach oben. „Wir müssen unsere Angriffe noch besser und konsequenter zu Ende spielen.“

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Außerdem zeige ein Blick auf das Torverhältnis von 38:38 eines klar: „Wir bekommen zu viele Gegentreffer.“ Das war in der Rückrunde der Vorsaison noch anders. Wenngleich es auch damit zu tun habe, dass die Gegner in dieser Saison in der Regel extrem kalt und effizient n der Chancenverwertung seien, müsse man die Defensivarbeit auf jeden Fall optimieren: „Wir brauchen eine bessere Absicherung und müssen noch klarer in der Positionierung sei“, fordert Zimmermann.

Mit seinem Personal sei er absolut zufrieden. „Wir haben im Sommer bei der Kaderzusammenstellung alles richtig gemacht, sowohl sportlich als auch charakterlich.“ Bei seiner Amtsübernahme vor zwölf Monaten sei es noch so gewesen, dass der Ausfall eines wichtigen Spielers kaum adäquat zu kompensieren gewesen sei. „Jetzt haben wir ein echtes Gedränge um die Kaderplätze. Und jede Woche gibt es Härtefälle, bei denen es mir wehtut, sie nicht nominieren oder bringen zu können.“

Torjäger Jaeschke überzeugt

Mit Blick auf die individuelle Entwicklung hebt er exemplarisch Torjäger Yannik Jaeschke (elf Treffer) hervor: „Ich hatte im Sommer nicht bloß die Hoffnung, dass er sehr prägend für unser Spiel werden könnte. Ich habe es gewusst. Yannik ist nicht nur enorm torgefährlich, er ist auch für unser Spiel gegen den Ball superwichtig und stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft. Er hat sich zu einem absoluten Führungsspieler entwickelt.“

Jan Zimmermann: Eine Karriere in Bildern

In der Jugend spielte Jan Zimmermann unter anderem für Bayer Leverkusen und zuletzt für die U19 des TSV Havelse. Seine erste Station im Herrenbereich war aber der SV Arminia Hannover, dem er sich 1998 als 19-Jähriger anschloss. Zur Galerie
In der Jugend spielte Jan Zimmermann unter anderem für Bayer Leverkusen und zuletzt für die U19 des TSV Havelse. Seine erste Station im Herrenbereich war aber der SV Arminia Hannover, dem er sich 1998 als 19-Jähriger anschloss. ©

Gemeinsam mit Abwehrchef Niklas Tasky sowie den Mittelfeldspielern Noah Plume und Deniz Cicek bilde Jaeschke eine erfahrene, leistungsstarke, zentrale Achse, an der sich die ganz jungen Spieler ausrichten können. Lob gab es auch für die Keeper: „Antonio Brand hat als Torwart, der gerade aus der U19 gekommen ist, sofort abgeliefert“, so Zimmermann. „Und unser Oldie Alexander Dlugaiczyk hat seinen Job sogar überragend gut gemacht.“ Den Ausfall des verletzten Alexander Rehberg habe das Duo kompensiert. „Mit diesen dreien sind wir auf der Torhüterposition stark aufgestellt.“

Der Klassenerhalt soll gesichert werden

Nach der Winterpause sei das primäre Ziel, gut aus den Startlöchern zu kommen und möglichst zügig die magische 40-Punkte-Marke zu knacken um den Liga-Verbleib zu sichern. „Je eher wir das schaffen, desto mehr können wir schon mit Blick auf das nächst Spieljahr probieren.“ Es gehe darum, den Jungs, die bisher noch nicht so viel Spielzeit bekommen hätten, mehr Einsatzmöglichkeiten zu verschaffen und U19-Talente an die Mannschaft und den Liga-Alltag heranzuführen. „Wir würden die Zeit nutzen, um uns für die nächste Saison einzuspielen und zu schauen, wer wo wie seine Stärken und Potenzial für die Zukunft hat.“

Derzeit hege er auch keine Befürchtungen, dass es im Sommer eine große Fluktuation von Stammkräften geben werde. „Ich habe den Eindruck, dass sich die Jungs hier wohlfühlen und wissen, was sie am TSV Havelse und an dieser Mannschaft haben“, so der Coach. „Verändern werden sie sich nur, wenn es sich sportlich und finanziell lohnt.“

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"Neuzugänge sind im Winter nicht geplant"

Apropos verändern: „Neuzugänge sind im Winter nicht geplant“, betont Zimmermann. Auch der Abgang von Maurice Maletzky zum Oberligisten 1. FC Phoenix Lübeck ändert an dieser Einschätzung nichts. „Wir sind gut aufgestellt, zumal mit Niklas Teichgräber und Max Radowski zwei Langzeitverletzte zurückkehren.“ Dazu werden in der Vorbereitung, im Trainingslager im türkischen Lara (7. bis 14. Februar) sowie regelmäßig in den regulären Übungseinheiten einige A-Junioren integriert, um zu testen, was perspektivisch möglich ist.

„Allerdings ist klar, dass wir ein junges, hungriges und stabiles Team haben und für den Sommer nicht viele Plätze frei werden.“ Man tue einem Youngster keinen Gefallen, wenn man ihm einen Kaderplatz gebe, er aber keine realistische Chance auf Einsatzzeiten habe. „Der Sprung von der U19 in den Herrenbereich wird immer größer. Manchmal macht es Sinn, einem Talent zunächst einmal zu raten, den nächsten Schritt bei einem anderen Verein zumachen.“

Bilder vom Regionalligaspiel TSV Havelse gegen SSV Jeddeloh

Jeddelohs Torwart Felix Bohe klärt vor Havelses Leon Damer. Zur Galerie
Jeddelohs Torwart Felix Bohe klärt vor Havelses Leon Damer. ©

Zimmermann zeigt sich optimitisch

In der Vorbereitung, die am 9. Januar beginne (geplant sind Testpiele seien gegen Sachsen Leipzig, den HSC sowie den VfV Borussia 06 Hildesheim, dazu kommen noch zwei Partien in der Türkei) gehe es darum, in allen Bereichen Details zu optimieren: in der Offensive genauso wie in der Defensive, technisch gleichermaßen wie taktisch.

„Ziel ist es, dass jeder Einzele seine Stärken bestmöglich auf den Platz bekommt“, betont Zimmermann und verweist auf eine Parallele zu seinem Fußballlehrer-Lehrgang: „Das ist wie zur Schule gehen: So wie ich in Köln lernen die Jungs ebenfalls Woche für Woche dazu.“ Mit Blick auf die restlichen zwölf Partien zeigt sich der Trainer optimistisch: „Meine Mannschaft haben eigentlich immer bessere Rückrunden gespielt.“

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