06. März 2021 / 09:00 Uhr

Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld über Bayern gegen den BVB, den Rose-Wechsel zu Dortmund und die DFB-Elf

Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld über Bayern gegen den BVB, den Rose-Wechsel zu Dortmund und die DFB-Elf

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ottmar Hitzfeld gewann sowohl mit dem FC Bayern als auch mit dem BVB große Titel.
Ottmar Hitzfeld gewann sowohl mit dem FC Bayern als auch mit dem BVB große Titel. © IMAGO/Sven Simon/Alternate/Getty (Montage)
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Der "deutsche Clasico" ist aktuell kein Kräftemessen auf Augenhöhe. An Strahlkraft verliert das Duell zwischen dem FC Bayern und dem BVB aber nicht. Vor dem Spiel am Samstag spricht Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld über das Aufeinandertreffen der Klubs, mit denen er jeweils große Erfolge feierte.

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Ottmar Hitzfeld ist eine Trainerlegende: Mit dem FC Bayern München und Borussia Dortmund gewann er insgesamt sieben Meistertitel und holte mit beiden den Champions-League-Pokal. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), wirft der 72-Jährige einen Blick auf das Spitzenspiel der Bundesliga zwischen den beiden Großklubs an diesem Samstag (18.30 Uhr, Sky) und darüber hinaus.

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SPORTBUZZER: Herr Hitzfeld, wie wichtig war das 1:0 der Dortmunder im Pokal in Gladbach mit Blick auf das Bayern-Spiel?

Ottmar Hitzfeld (72): Dieser Sieg in Gladbach ist ein Motivationsschub, setzt Kräfte frei. Dortmund hat Substanz in der Mannschaft, aber viele junge Spieler. Da ist es wichtig, Erfolgserlebnisse zu haben. Denn in der Regel können junge Spieler Rückschläge nicht so gut wegstecken wie die erfahrenen. Und das Duell mit den Bayern hat einen enormen Wert, es geht ums Prestige. Ganz Deutschland, ganz Europa schaut auf dieses Spiel.



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Die Dortmunder wollen zeigen, dass wieder mit ihnen zu rechnen ist. Dabei ist RB Leipzig momentan die zweite Kraft in Deutschland, oder?

Zurzeit hat Leipzig den besseren Lauf, sie haben sehr gut eingekauft. Trainer Julian Nagelsmann macht einen guten Job, er kann die Mannschaft pushen. Außerdem haben sie weniger zu verlieren als Dortmund. Wenn Leipzig nicht oben mitspielt, dann kümmert das die Fans dort – aber interessiert nicht ganz Deutschland. Der BVB hat wie Bayern eine riesige Fangemeinde.

Was denken Sie über den Wechsel von Gladbachs Trainer Marco Rose zum BVB?

Den Transfer an sich verstehe ich aus Dortmunder Sicht. Rose ist eine Trainerpersönlichkeit, ein guter Typ. Ich halte ihn wegen seiner Fachkompetenz, seines Auftretens und seiner Spielphilosophie für eine gute Lösung. Ich denke auch, dass er die Saison in Gladbach im Guten beenden kann, das Umfeld ist ruhig.

Hitzfeld: Ausstiegsklauseln "finde ich nicht gut"

Der Wechsel kam zustande dank der Ausstiegsklausel in Roses Vertrag.

Ich finde diese Klauseln nicht gut. Ich selbst hatte nie welche. Meine Philosophie war: Wenn man einen Vertrag unterschreibt, sollte man dazu stehen. Ein Trainer ist auch ein Vorbild. Falls man ein Jahr vor Ende gehen möchte, kann man das besprechen. Bei Spielern möchte man das auch nicht. Wenn schon, dann verbunden mit einer sehr hohen Ablösesumme.

Interimstrainer Edin Terzic bekommt von den Spielern um Mats Hummels viel Lob. Denken Sie, dass Terzic klaglos als Co-Trainer von Rose ins zweite Glied rücken wird?

Die Verantwortlichen werden ihm in Aussicht gestellt haben, dass er langfristig bleiben kann, weil er für den Verein wichtig ist. Terzic wird auch in der Gehaltshierarchie aufsteigen.

Sein Gegenüber am Samstag ist Hansi Flick, der nach der Beförderung zum Chefcoach sechs Titel gewann. Steigen nun Druck und Erwartungen?

Hansi Flick hat Sensationelles geleistet, das Triple war unglaublich. Man hat ja nicht glücklich gewonnen, sondern überlegen. Das zu bestätigen und das Level hoch zu halten, ist schwierig für einen Trainer, weil die Spieler so viel erreicht haben und nun etwas zufriedener sind. Also ist es normal, dass es Rückschläge gibt wie etwa das Aus im DFB-Pokal in Kiel. Solche Sensationen habe ich auch durchmachen müssen (schmunzelt).

Happel, Lattek, Hitzfeld und Co.: Alle Meistertrainer der Bundesliga auf einen Blick

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Hansi Flick in einer Reihe mit Legenden wie Ottmar Hitzfeld und Udo Lattek. Das sind alle Meistertrainer der Bundesliga-Geschichte. ©

Haben Sie sich gefreut, dass sich Jamal Musiala, der am Freitag einen Fünfjahresvertrag beim FC Bayern unterschrieben hat, für die deutsche und gegen die englische Nationalmannschaft entschieden hat?

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Natürlich. Er ist ein Gewinn für den DFB, ein Versprechen für die Zukunft. Ich muss der sportlichen Leitung um Hasan Salihamidzic ein Riesenkompliment machen für die guten Transfers zuletzt – nicht nur Musiala, auch Alphonso Davies gehört dazu. Das sind mental und physisch starke, technisch sehr gute, schnelle Spieler. Man muss diese Talente erst einmal entdecken, Brazzo hat da ein gutes Auge. Flick ist dann der Architekt, der die Mannschaft zusammenstellt.

Hitzfeld zweifelt an Müller-Ausbootung beim DFB

Wie bewerten Sie die Aussagen von Bundestrainer Joachim Löw, der die Tür wieder aufgemacht hat für eine Rückkehr von Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng?

Müller ist wieder total über sich hinausgewachsen, hat Weltklasse gespielt, entscheidende Pässe gegeben und Tore geschossen – so wie man ihn kannte. Er hatte ja einmal ein Leistungstief. Löw hat diese Entscheidung vielleicht zu früh getroffen. Zu dem Zeitpunkt hatte Müller eben nicht so überragend gespielt, Hummels und Boateng auch nicht.

Glauben Sie, dass Löw die Rolle rückwärts macht?

Es geht in meinen Augen auch darum, was Löw vorhat: Will er nur noch diese EM coachen, oder will er danach weiterarbeiten? Dann müsste er zu seiner Entscheidung des angefangenen Umbruchs stehen. Wenn er sagt, ich will jetzt das Beste bei diesem Turnier herausholen und dann aufhören, dann fällt er womöglich eine andere Entscheidung.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!