05. April 2021 / 17:25 Uhr

Trainer Moors fliegt aus der Halle: BG Göttingen verliert gegen Ludwigsburg - und hadert mit Schiedsrichtern

Trainer Moors fliegt aus der Halle: BG Göttingen verliert gegen Ludwigsburg - und hadert mit Schiedsrichtern

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Göttingens Trainer Roel Moors kassierte gegen Ludwigsburg zwei technische Fouls und musste frühzeitig in die Kabine.
Göttingens Trainer Roel Moors kassierte gegen Ludwigsburg zwei technische Fouls und musste frühzeitig in die Kabine. © Swen Pförtner
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Eine miserable Schiedsrichterleistung hat der BG Göttingen am Montag in der Basketball-Bundesliga das Leben schwer gemacht. Gegen Topfavorit und Tabellenführer MHP Riesen Ludwigsburg hielten die Veilchen lange mit. Erst als BG-Trainer Roel Moors zwei technische Fouls kassierte, war die 81:90 (40:50)-Niederlage der Veilchen besiegelt.

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Großartig gekämpft, trotzdem verloren: Die BG Göttingen hat am Ostermontag gegen Tabellenführer MHP Riesen Ludwigsburg ein bärenstarkes Spiel abgeliefert, die Partie lange offen gehalten, am Ende aber dennoch mit 81:90 (40:50) verloren. Grämen müssen sich die Veilchen dennoch nicht, auch wenn sogar mehr drin gewesen wäre gegen den Topfavoriten – zumal die Schiedsrichter eine schwache Leistung ablieferten und BG-Trainer Roel Moors frühzeitig in die Kabine schickten.

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Die Veilchen kamen gegen den Favoriten gut ins Spiel, packten vor allem in der Defense knallhart zu und machten es den Ludwigsburgern schwer. Dafür hakte es anfangs in der Offense. Und so war es Jordan Hulls, der den Riesen mit fünf Punkten in Folge die erste sichere Führung bescherte, die Barry Brown Jr. noch auf 9:3 ausbaute.

BG Göttingen - MHP Riesen Ludwigsburg, BBL 2020/21

Die BG Göttingen unterlliegt den MHP Riesen Ludwigsburg nach großem Kampf - und einer ganz schwachen Schiedsrichterleistung. Zur Galerie
Die BG Göttingen unterlliegt den MHP Riesen Ludwigsburg nach großem Kampf - und einer ganz schwachen Schiedsrichterleistung. © Swen Pförtner

Danach kam aber auch die Offensive der BG langsam ins Rollen. Ludwigsburg wusste sich nur durch Fouls zu helfen, was der erneut umsichtige Rihards Lomazs und der spielfreudige Deishuan Booker ausnutzten. Aubrey Dawkins legte nach und brachte die BG Mitte des ersten Viertels mit 10:9 in Führung. Riesen-Coach John Patrick nahm die erste Auszeit.

Die half Ludwigsburg aber nur bedingt. Die Veilchen hatten jetzt Fahrt aufgenommen. Der endlich mal wieder überzeugende Tai Odiase und Lomazs mit dem Zusatzpunkt schraubten die Führung der BG weiter nach oben (17:11 und 19:13).

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Doch die Riesen wären nicht Tabellenführer, wenn sie einen solchen Lauf des Heimteams nicht wegstecken könnten. Und so kämpften sich die Gäste wieder heran. Das Viertel aber gewannen dennoch die Veilchen, und das lag vor allem an Booker, der kurz vor der Sirene noch einen Dreier in die Reuse schraubte, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt. Diese Unbekümmertheit bescherte den Veilchen eine 24:20-Führung – Respekt.

BG Göttingen setzt immer wieder Nadelstiche

Auch den zweiten Durchgang konnten die Hausherren anfangs ausgeglichen gestalten. Weiterhin konzentriert und mit der richtigen Intensität in der Defense setzten die Veilchen immer wieder Nadelstiche in der Offensive. Vor allem Lomazs drehte jetzt richtig auf und hielt seine Göttinger mit zwei ganz starken Offensiv-Aktionen, als er jeweils unnachahmlich zum Korb zog, im Spiel.

Doch die Riesen wurden jetzt nach und nach ihrem Namen gerecht, spielten ihre ganze Klasse aus und hielten den Druck auf die Defense der Veilchen hoch. Das zeigte Wirkung. Mitte des zweiten Viertels setzten sich die Gäste wieder etwas ab (31:38).

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Aber wo die BG vor einigen Wochen noch eingebrochen wäre, lässt sie derzeit solche Nackenschläge an sich abperlen. Booker und Lomazs konterten jeweils mit blitzsauberen Dreiern – war was? Das fragte sich Gäste-Trainer Patrick auch und versammelte seine Jungs abermals um sich.

Schiedsrichter mit miserabler Leistung

Ein abwechslungsreiches, spannendes und faires Spiel geriet dann zusehends aus dem Rhythmus, was allerdings nicht an den beiden Teams lag, sondern an der kleinlichen und wankelmütigen Art der Schiedsrichter, von deren Entscheidungen sich vor allem die Gastgeber benachteiligt fühlten. Zumal die Unparteiischen zu allem Überfluss auch noch übersahen, dass ein Ludwigsburger klar auf der Linie und somit im Aus stand.

Solche Nuancen können in einem Spiel gegen eine Topmannschaft schnell den Unterschied machen – und so war es auch. Während die Veilchen haderten und Lomazs wegen Meckerns ein technisches Foul kassierte, zogen die Riesen davon. Da passte es ins Bild, dass Oscar da Silva mit dem Buzzer zur 50:40-Pausenführung der Gäste traf. Ärgerlich und unnötig, und aus Sicht der BG auch unglücklich.

BG Göttingen auch in zweiter Hälfte konzentriert

Die Gastgeber ließen sich davon aber nicht entmutigen und spielten auch nach der Halbzeit konzentriert und aggressiv weiter. Und das zahlte sich aus. Nelson Weidemann und vor allem Luke Nelson kamen nun besser uns Spiel und trafen vor allen Dingen auch endlich den Korb. Und so war die BG nach einem Dreier von Weidemann Mitte des dritten Viertels wieder dran (50:54). Da ging sogar Maskottchen Zuffi steil.

Und die BG ließ nicht locker. Immer wenn der Tabellenführer glaubte, jetzt endlich den Widerstand der aufopferungsvoll kämpfenden Hausherren gebrochen zu haben, rappelten sich diese wieder auf. 55:62 lag die BG Ende des dritten Viertels zurück, doch 1:45 vor Ende glich Odiase sehenswert per Dunk nach tollem Pass von Lomazs zum 62:62 aus. Und nach einem grandiosen Block von Odiase brachte Booker die Veilchen sogar wieder in Führung. Die Riesen konnten gerade noch ausgleichen (66:66). Das letzte Viertel musste also die Entscheidung bringen.

BG-Trainer Moors fliegt aus der Halle

Und wieder waren es die Schiedsrichter, die unnötigerweise ins Spiel eingriffen. Nach einem fragwürdigen Pfiff gegen Harper Kamp regte sich BG-Trainer Roel Moors zurecht auf, signalisierte einen Schrittfehler des Gegners, und das äußerst maßvoll. Die Folge: das erste technische Foul. Nach einer kurzen Diskussion schickte ihn der Referee mit dem zweiten technischen Foul in die Kabine, und diesen Weg trat der Belgier dann auch laut schimpfend und protestierend an – Co-Trainer Thomas Crab übernahm an der Seitenlinie das Kommando. Die BG-Verantwortlichen zürnten.

Es war der Knackpunkt in einem Spiel, das besser auf sportlichem Wege entschieden worden wäre und dies auch verdient gehabt hätte. Diese überzogene Entscheidung aber brachte die Veilchen letztlich dermaßen aus dem Konzept, dass die Riesen am Ende den Sack routiniert zu machen konnten. Was bleibt, ist ein fader, ja bitterer Beigeschmack – und dieser hängt sicherlich nicht mit der Niederlage an sich zusammen, sondern allein mit deren Zustandekommen.

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Die Stimmen zum Spiel

Roel Moors, Trainer BG Göttingen: "Ich bin sehr frustriert, dass ich meinem Team am Ende nicht mehr helfen konnte. Wir sind wirklich auf einem guten Weg, haben sehr gut mitgehalten gegen ein gutes Team aus Ludwigsburg. Wir hätten eine Chance gehabt, zu gewinnen."

Die beiden technischen Fouls gegen ihn seien dann aber der Knackpunkt des Spiels gewesen, sagte Moors enttäuscht. Zumal er das erste technische Foul gegen ihn gar nicht verstanden habe, schließlich habe er dem Schiedsrichter lediglich signalisiert, dass er einen Schrittfehler gesehen habe, sagte der BG-Trainer. Dass er dafür dann ein technisches Foul kassiert habe, habe ihn sehr geärgert, sagte Moors, und das habe er dem Schiedsrichter auch gesagt - "und auch nicht mehr so ruhig". Dass er dafür dann das zweite technische Foul erhalten habe, sei ok gewesen.

Aber, so Moors: "Die Schiedsrichter haben keinen leichten Job, aber die Referees heute fand ich nicht so gut." Er sage seinen Spielern allerdings immer, dass sie nicht zu sehr mit der Leistung der Schiedsrichter hadern sollten, weil sie es ohnehin nicht ändern könnten. "Da war ich heute natürlich kein gutes Vorbild", sagte Moors.

Die BG sei gut im Spiel gewesen, habe sich in der ersten Halbzeit aber einige Ballverluste zu viel erlaubt, was Ludwigsburg natürlich auch ausgenutzt habe, sagte Moors. "In der zweiten Halbzeit war das viel besser, wir waren voll im Spiel", sagte Moors. Insofern seien die beiden technischen Fouls gegen ihn schon der Knackpunkt gewesen. "Für den Assistenten ist es auch nicht einfach, dann an der Linie zu stehen, und für die Spieler ist das ein mentaler Rückschlag."

BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen: "Die Schiedsrichter haben heute über das normale Maß hinaus viele Fehlentscheidungen auf beiden Seiten getroffen. Wir hätten das Spiel wahrscheinlich auch mit guten Schiedsrichtern verloren, schade ist nur, dass wir das nicht erfahren durften", sagte ein sichtlich angefressener BG-Chef. "Das Spiel hätte bessere Schiedsrichter verdient gehabt." Es sei "eine massive Einflussnahme auf den Spielverlauf" zu erkennen gewesen.

Positiv hervorzuheben sei, dass die BG wesentlich besser spiele in den letzten Wochen, sagte Meinertshagen. Gegen Ludwigsburg, die erst zweimal verloren haben in dieser BBL-Saison, sei eine solche Leistung dann noch einmal höher zu bewerten.

"Wir haben wieder sehr gut verteidigt, haben uns in der ersten Hälfte aber zu viele Ballverluste erlaubt und Ludwigsburg so zu einfachen Körben verholfen. Das war aber ingesamt eine gute Leistung." Hervorzuheben seien aus einem insgesamt guten Team natürlich Lomazs und Odiase, der ein Double-Double aufgelegt und endlich mal wieder überzeugt habe.

John Patrick, Trainer MHP Riesen Ludwigsburg: "Ich bin sehr froh, dass wir gewonnen haben. Das war ein sehr schwieriges Spiel für uns. Wir hatten vor allem im ersten und dritten Viertel Probleme, in der ersten Halbzeit zudem Schwierigkeiten, Lomazs zu kontrollieren, in der zweiten Halbzeit Odiase zu kontrollieren. Es ist ein enorm wichtiger Sieg für uns."

Statistik

BG Göttingen – MHP RIESEN Ludwigsburg 81:90 (40:50)

Die Viertel im Überblick: 24:20, 16:30, 26:16, 15:24        

BG Göttingen: Booker (12 Punkte/2 Dreier), Weidemann (5/1), Nelson (10), Onwuegbuzie (n.e.), Kramer, Omuvwie, Lomazs (21/1, 5 Assists), Mönninghoff (5/1), Kamp (5/1), Odiase (20, 11 Rebounds), Dawkins (3/1).

MHP RIESEN Ludwigsburg: Hulls (8 Punkte/1 Dreier, 6 Rebounds), Smith (15/3, 9 Assists), Brown Jr. (9/1), Johannes Patrick (n.e.), McLean (8), Herzog (3/1), Polas Bartolo (7/1), Santana Mojica (n.e.), Wohlfarth-Bottermann (2), Rodriguez (7/1), Darden (21/1, 6 Rebounds), da Silva (10/1).

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