13. Juli 2021 / 10:34 Uhr

Trainer, Spieler, Input: Wie Zweitligist Aue von RB Leipzig profitiert

Trainer, Spieler, Input: Wie Zweitligist Aue von RB Leipzig profitiert

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer und Spieler mit RB-Vergangenheit sind beim FC Erzgebirge Aue inzwischen nicht mehr die Ausnahme.
Trainer und Spieler mit RB-Vergangenheit sind beim FC Erzgebirge Aue inzwischen nicht mehr die Ausnahme. © Getty Images
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Fünf Spieler und drei Trainer im Stab von Erzgebirge Aue haben eine RB-Vergangenheit. Präsident Helge Leonhardt nennt das „Zufall“. Doch die ersten Testspiele zeigen, dass sich auch an der Spielweise der Auer einiges ändern soll.

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Aue. Helge Leonhardt wiegelt ab. „Das ist nur Zufall. Auch gegen die Behauptung, wir würden in Aue jetzt mit aller Macht den bekannten RB-Fußball implementieren wollen, wehre ich mich“, sagt der Vereinspräsident von Zweitligist Erzgebirge Aue, als er auf die auffallend hohe Quote ehemaliger Trainer und Spieler mit Leipziger RB-Vergangenheit angesprochen wird. Der Unternehmer fügt hinzu: „Wir wollen den Fußball nicht neu erfinden. Das System unseres neuen Trainers spielen weltweit viele Mannschaften. Die Wismut-DNA bleibt erhalten.“ Neben Chefcoach Aliaksei Shpileuski, Athletiktrainer Björn Rosemeier und Video-Analyst Tommy Jähnigen gehören inzwischen fünf Spieler zum Kader, die einst für RB aktiv waren: Clemens Fandrich, John Patrick Strauß, Erik Majetschak, Anthony Barylla und Nicolas Kühn.

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Aue profitiert von RB-Qualität

Ist es wirklich nur Zufall oder steckt vielleicht doch eine Strategie dahinter? Leonhardt betrachtet jede Verpflichtung für sich. „Clemens Fandrich war der erste Spieler von RB, den wir nach Aue geholt haben. Das war bereits im Winter 2015. Da war ich gerade mal fünf Monate Präsident“, erzählt der 62-Jährige. „Anschließend sind Strauß sowie Majetschak und in diesem Sommer Barylla und Kühn zu uns gestoßen. Wir haben die Spieler verpflichtet, weil wir von ihren Stärken überzeugt waren und überzeugt sind – da spielt die Vergangenheit der Jungs eigentlich keine Rolle. Sie hätten genauso gut aus Hamburg oder Stuttgart kommen können.“

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Gleichwohl findet Leonhardt für die Arbeit, die bei RB geleistet wird, lobende Worte. „Das läuft in Leipzig von den Profis bis in den Nachwuchsbereich hinein alles sehr professionell ab. Dass wir von der Qualität auch ein wenig profitieren dürfen, ist natürlich ein positiver Nebeneffekt für uns“, sagt der Aue-Boss. Mit Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und Direktor Ulrich Wolter pflegt Leonhardt nach eigener Aussage ein sehr gutes und kollegiales Verhältnis.

„Da ist so ein zähes Spiel völlig normal“

Auch vor seiner Entscheidung, den erst 33-jährigen Shpileuski in diesem Sommer zum neuen Cheftrainer beim Zweitligisten zu machen, tauschte sich Leonhardt mit Mintzlaff aus. Der gebürtige Belarusse arbeitete zwischen 2013 und 2018 als Nachwuchscoach in Leipzig. „Ich bin RB für die Chance, dass ich mich als Trainer dort entwickeln konnte und viel Input mitbekommen habe, sehr dankbar. Ein Großteil davon habe ich in den vergangenen Jahren bereits umgesetzt. Das wird mich auch zukünftig auf jeden Fall verfolgen und stärken“, erklärt Shpileuski und fügte selbstbewusst hinzu: „Wenn wir mit Aue Großes erreicht haben, führt der Weg vielleicht auch mal wieder zurück.“

In den ersten Testspielen der Saisonvorbereitung waren bereits Züge des typischen RB-Stils zu erkennen. Die Auer pressten ihre Gegner sehr hoch, um schon in der gegnerischen Spielhälfte zu schnellen Ballgewinnen zu kommen. „Ich bin ein Trainer, der den Jungs eine andere Spielweise abverlangt. Dafür, mit welcher Bereitschaft und Offenheit die Spieler das annehmen und angehen, muss ich der Mannschaft ein großes Kompliment machen“, betonte der Coach.

Dass bei der 1:2-Niederlage am vergangenen Wochenende gegen den 1. FC Magdeburg die Mannschaft müde wirkte, sei „ein normaler Prozess“, erklärte der Trainer: „Die Spieler haben intensive Einheiten hinter sich, was von uns gelehrt wurde und völlig neu ist. Da ist so ein zähes Spiel völlig normal.“

„Es ist alles etwas kleiner, aber mir gefällt es“

Für einen der Auer Neuzugänge war Shpileuski ein wesentlicher Grund, zum FC Erzgebirge zu wechseln. Stürmer Nicolas Kühn ist für ein Jahr vom FC Bayern München an die Sachsen ausgeliehen. Der 21-Jährige und Shpileuski kennen sich aus der RB-Akademie, wo Kühn zwischen 2015 und Januar 2018 spielte. „Der Trainer hat mich davon überzeugt, dass hier eine gewisse Aufbruchstimmung herrscht. Das hat mich zusätzlich bewegt, nach Aue zu kommen“, sagte Kühn, der 2019 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als bester U19-Spieler Deutschlands ausgezeichnet wurde.

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Über die Zwischenstation Ajax Amsterdam landete der talentierte Offensivspieler schließlich beim FC Bayern, wo ihm der große Durchbruch allerdings auch noch nicht gelang. Ähnlich wie für Florian Krüger, der in dieser Sommerpause zu Bundesligist Arminia Bielefeld wechselte, soll Aue auch für Kühn zum Sprungbrett werden.

„Natürlich ist es hier ein bisschen anders. Es ist alles etwas kleiner, aber mir gefällt es. Und in erster Linie geht es mir hier um Fußball. Ich möchte meine Stärken auf dem Platz zeigen – und der ist in Amsterdam, München und Aue immer gleich“, meint Kühn, der die Herausforderung annimmt: „Die 2. Liga ist eine große Zweitliga-Bühne, auf der ich mich beweisen will. Ich will hier den nächsten Schritt in meiner Karriere machen.“

Sebastian Wutzler, dpa