12. Juli 2021 / 22:27 Uhr

Trainer die neuen Superstars, Stürmer immer wichtiger: Das sind die EM-Erkenntnisse nach dem Finale

Trainer die neuen Superstars, Stürmer immer wichtiger: Das sind die EM-Erkenntnisse nach dem Finale

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Italien-Trainer Roberto Mancini (l.) und Harry Kane von England hinterließen bei der EM einen bleibenden Eindruck.
Italien-Trainer Roberto Mancini (l.) und Harry Kane von England hinterließen bei der EM einen bleibenden Eindruck. © IMAGO/Pacific Press Agency/Sven Simon/ULMER Presseagentur/Gribaudi/ImagePhoto (Montage)
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Die Europameisterschaft 2021 ist vorbei. Die diesjährige Endrunde hielt nicht zuletzt aufgrund ihrer erstmaligen Austragung in elf Ländern Besonderheiten bereit. Im Anschluss bleiben einige Eindrücke zurück. Der SPORTBUZZER blickt auf die Erkenntnisse des abgelaufenen Turniers.

Over. Out. Finito. Die erste paneuropäische Endrunde ist Geschichte. Vier Wochen lang sollte der Fußball in Europas Mittelpunkt stehen und tat es auch – allerdings gab es auch so viele Diskussionen und Brennpunkte abseits des Platzes wie wohl noch nie zuvor. Was bleibt hängen von diesem Turnier? Was sind die EM-Erkenntnisse?

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Trainer sind die neuen Superstars: Eigentlich sollte es das Turnier der Überspieler werden: Kylian Mbappé, Cristiano Ronaldo, Kevin de Bruyne – doch den größten Einfluss nahmen die Trainer. Roberto Mancini holte Italien in den letzten drei Jahren wieder aus der Versenkung, formte ein topmodernes Team und führte die Mannschaft schließlich zum Titel. Die im Finale unterlegenen Engländer von Gareth South­gate spielten zwar nicht spektakulär, aber endlich erfolgreich - auch wenn der Three-Lions-Coach aufgrund der Auswahl seiner Elfmeterschützen im Finale am Ende noch kräftig in die Kritik geriet.

Der Modus ist ein Witz: 24 Mannschaften spielten in sechs Vierergruppen, gerade mal acht Teams schieden nach der Vorrunde aus. Der Modus mit den ersten beiden, die direkt ins Viertelfinale gingen, war viel knackiger. Dass manche Länder alle drei Gruppenspiele zu Hause austragen durften, während andere quer über den Kontinent fliegen mussten, trug nicht zur Fairness bei. Offenbar prüft die UEFA zur EM 2028 nun sogar eine Ausweitung auf 32 Teams. Bei der WM in Katar werden ebenso 32 Mannschaften am Start sein.

Lauterbach: UEFA "hat versagt"

Die UEFA hat komplett versagt: Mit etwas Selbstkritik hätte der europäische Verband bei dieser Endrunde durchaus Zeichen setzen können, verpasste aber alle Chancen dazu. Der Plan, am Turnier in elf Ländern festzuhalten und auch die Zuschauerzahlen zu erhöhen, obwohl die Inzidenzen stiegen, ging nach hinten los. "Die UEFA hat durch ihre ignorante Vorgehensweise Todesfälle zu verantworten. Sie hat versagt", bilanzierte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. In Schottland gibt es rund 2000 Infektionen, die mit der EM in Verbindung stehen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin wehrt sich aber: "Den Fußball zu beschuldigen, das Virus zu verbreiten, ist aus meiner Sicht unverantwortlich."

Echte Stürmer sind wieder in: Ob Ciro Immobile, Harry Kane oder Romelo Lukaku – viele Teams setzten wieder auf einen Stoßstürmer und hatten damit Erfolg.

Deutschland ist nur noch Mittelmaß: Das DFB-Team bekam bei dieser EM gnadenlos aufgezeigt, woran es hierzulande trotz viel individueller Klasse mangelt. Joachim Löw schaffte es nicht mehr, einen Turnierspirit zu entfachen, die Spieler agierten mutlos, zeigten keinerlei Herz und gewannen nur eine von vier Partien. Deutschland fehlte ein echter Stürmer (siehe oben), zu viele Stars mussten auf ungeliebten Positionen ran. Trotz guter Einschaltquoten bei den DFB-Spielen wurde man außerdem das Gefühl nicht los, dass die Fans nicht mit der Mannschaft fieberten und sich noch weniger über das Achtelfinalaus wunderten.


VAR-Einsatz bei der EM als Vorbild für die Bundesliga

Die Bundesliga sollte von den EM-Schiedsrichtern lernen: Natürlich gab es auch bei dieser Endrunde Fehlentscheidungen, wie den Elfmeterpfiff beim Halbfinale zwischen England und Dänemark (2:1 n. V.). Doch so merkwürdig es klingen mag, zeigte sich ausgerechnet in dieser Szene, wie die Rolle des Videoassistenten sein sollte: Eingriff nur bei krassen und eindeutigen Fehlentscheidungen – ansonsten hielt sich der VAR wohltuend zurück und auch die Schiedsrichter allgemein zeigten sich großzügig und ließen die Spiele oft laufen. Hoffentlich geht es so auch in der neuen Bundesliga-Saison weiter. Ebenfalls sehr gut: die klarere Auslegung der noch immer viel zu komplizierten Handregel. Meist wurde wie früher einfach entschieden, ob es Absicht oder nicht Absicht war. Das macht es für alle deutlich angenehmer.

Fußball mit Fans ist einfach schöner: Endlich gab es wieder Emotionen in den Stadien. Bei aller berechtigten Kritik am unterschiedlichen Vorgehen bei der Zulassung der Besucherinnen und Besucher von Budapest bis Glasgow, von Baku bis London freuten sich wohl alle Zusehenden (ob am TV oder in den Arenen) und Beteiligten üb die jubelnden Fans, über Gesänge und Pfiffe, über Ek­sta­se und Tränen.