29. Juli 2021 / 17:52 Uhr

Trainer Stroot und fünf Nationalspielerinnen: Wolfsburg setzt auf niederländischen Fußball

Trainer Stroot und fünf Nationalspielerinnen: Wolfsburg setzt auf niederländischen Fußball

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Oranje-Fußball: Trainer Tommy Stroot (r.) kam von Twente Enschede, beim VfL stehen zudem fünf niederländische Nationalspielerinnen unter Vertrag.
Oranje-Fußball: Trainer Tommy Stroot (r.) kam von Twente Enschede, beim VfL stehen zudem fünf niederländische Nationalspielerinnen unter Vertrag. © imago images/Xinhua, Boris Baschin
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Totaalvoetbal beim VfL Wolfsburg. Bei den Herren gehören mit Cheftrainer Mark van Bommel sowie seinen Assistenten Kevin Hofland und Vincent Heilmann drei Niederländer zum Trainerteam. Frauen-Trainer Tommy Stroot trainierte zuvor Twente Enschede, zudem stehen fünf niederländische Nationalspielerinnen beim deutschen Vizemeister unter Vertrag.

Im VfL Wolfsburg steckt so viel niederländischer Fußball-Input wie noch nie. Chefcoach Mark van Bommel und seine Co-Trainer Kevin Hofland und Vincent Heilmann arbeiten bei den Männern, Tommy Stroot übernahm Anfang Juli das Frauenteam. Stroot stammt zwar gebürtig aus Nordhorn, trainierte von 2016 bis 2021 aber Twente Enschede in der Eredivise der Frauen. Untereinander kennt man sich bereits: Direkten Kontakt zu van Bommel gab es zwar noch nicht, dafür aber mit Co-Trainer Hofland. Stroot: "Ich hatte das Glück, letztes Jahr holländischer Meister zu werden und dann wurde durchaus bekannt, dass ich nach Wolfsburg gehe", so Stroot. Die Neuigkeiten kamen auch bei Hofland an, man habe anschließend "ein paar SMS ausgetauscht. Rein zufällig wird es auch so sein, dass wir ein bisschen in der Nachbarschaft wohnen werden und uns so in Zukunft vielleicht etwas häufiger über Fußball unterhalten können."

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Auch auf dem Platz zählt der VfL auf niederländische Kräfte: Der Niederländer Wout Weghorst ist Wolfsburgs torgefährlichster Angreifer, hatte mit seinen 20 Saisontoren großen Anteil am Champiosn-League-Einzug des VfL. Mit Dominque Janssen, Shanice van de Sanden, Jill Roord, Lynn Wilms und Joelle Smits stehen bei den Frauen zur neuen Saison gleich fünf niederländische Nationalspielerinnen unter Vertrag. Derzeit kämpfen die Akteurinnen bei Olympia um eine Medaille, am Freitag (13) Uhr geht es im Viertelfinale gegen die USA. Zu den Olympia-Teilnehmerinnen pflege man regelmäßig Kontakt, so Stroot, aber "ich lasse sie bewusst mit meinen Ideen noch in Ruhe, denn sie haben erst mal ihre eigenen Ziele mit der Nationalmannschaft." Beim VfL hat die Vorbereitung am 18. Juli begonnen - neben den Niederländerinnen fehlt auch die Schwedin Rebecka Blomqvist, die am Freitag (12 Uhr) im Viertelfinale gegen China antritt. Stroot: "Wir sind nicht komplett und das spielt in den Planungen natürlich eine Rolle. Wir haben aber schon Ideen, wie wir das lösen, wenn die Olympia-Teilnehmerinnen zurückkommen."

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Stroot: "Will keine Ja-Sager neben mir"

Eine andere Fußballkultur, wie etwa die niederländische, zu erleben, sei für die eigene Entwicklung wichtig gewesen, weiß Stroot. Dennoch "will ich jetzt keine Folie über den VfL legen. Ich habe dementsprechend auch bewusst keine Mitarbeiter aus Holland mit nach Wolfsburg gebracht." Was wichtig für ihn ist? "Dass wir nicht alles was war, über den Haufen werfen. Wir haben einen klaren Plan und wissen, was wir anpassen wollen. Wir haben in sechs Wochen wichtige Spiele vor der Brust. Meine Aufgabe ist nicht, alles zu verändern. Für mich geht es erst mal darum, gewisse Dinge hinzuzufügen und stabil den nächsten Schritt machen zu können." Der Trainerstab ist neu, zudem habe man viele neue Spielerinnen. Stroot weiter: "Von daher bremse ich mich in vielen Dingen auch noch."

Kim Kulig und Sabrina Eckhoff sind neue Co-Trainerinnen, Gerhard Waldhart Videoanalyst und Eva-Maria Virsinger Scout. Mit der Zusammenstellung ist Stroot zufrieden. "Ich will keine Ja-Sager neben mir, sondern Qualität", so Stroot, dem offene Kommunikation sehr wichtig ist. Kulig könne viel aus Spielersicht reinbringen, Eckhoff verfüge über eine tolle Trainingsplanung. Und mit dem Sportlichen Leiter der VfL-Frauen, Ralf Kellermann, pflege er schon länger eine Freundschaft. Stroot: "Er hat eine wichtige Rolle bei meinem Wechsel gespielt. Mit ihm habe ich einen Fußballfachmann vor mir, mit dem ich einfach gerne zusammenarbeite." Und während viele andere Coaches das als Herausforderung sehen würden, genieße Stroot die Konstellation. "Ich suche die Qualitäten um mich herum und auch Gespräche, weil ich viel lernen kann. Viel Vertrauen ist schon da, weil man sich schon sehr lange kennt und schätzt. Der Umgang ist sehr offen und macht Spaß."

Morgen Test gegen Rosenborg Trondheim

Freitagabend (19.30 Uhr, live auf Wölfe-TV) folgt mit dem Testspiel gegen den amtierenden norwegischen Vizemeister Rosenborg Trondheim die erste Prüfung. Nach zwei Wochen Training sei die Mannschaft fit und frisch genug, um zu spielen. Das Spiel soll zeigen, wo der VfL steht und wo noch Schrauben gedreht werden müssen. Verzichten muss Stroot auf Kapitänin Alexandra Popp (Knorpelabriss im Knie, fällt bis Januar aus), Pauline Bremer (Aufbau nach Kreuzbandriss, wird in der Vorbereitung wahrscheinlich noch nicht spielen) und Neuzugang Turid Knaak (hatte nicht viel Urlaub). Man habe sich Videomaterial der Norwegerinnen angeschaut und sei gut vorbereitet. "Das ist ein interessanter Gegner. Ich finde es in der Vorbereitung immer spannend, Gegner zu haben, gegen die man sonst nicht so häufig spielt", so Stroot. "Wir erwarten sie relativ kompakt in einem 4-4-2-Block, der aber auch abkippen kann in ein 4-2-3-1."

Am 4. August testen die Niedersächsinnen um 14 Uhr im AOK-Stadion gegen PSV Eindhoven. Am 7. August folgt in Barsinghausen gegen den niederländischen Meister FC Twente (16 Uhr) eine weitere Bewährungsprobe, anschließend geht es ins Trainingslager nach Harsewinkel (13. bis 28. August). Dort wird sich der VfL mit zwei letzten Tests gegen Werder Bremen (14. August, 15.30 Uhr) und Bayer Leverkusen (20. August, 15.30 Uhr) auf die Saison-Eröffnung gegen Turbine Potsdam am 27. oder 28. August vorbereiten.