24. August 2019 / 17:47 Uhr

Das Trainer-Wunderkind vor der Heimpremiere: So tickt RB Leipzigs Julian Nagelsmann

Das Trainer-Wunderkind vor der Heimpremiere: So tickt RB Leipzigs Julian Nagelsmann

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Julian Nagelsmann spricht viel mit seinen Spielern.
Julian Nagelsmann spricht viel mit seinen Spielern. © GEPA Pictures
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Ein Jahr lang wartete RB Leipzig auf diesen Mann. Die Erwartungen an Julian Nagelsmann könnten also kaum größer sein. Mit zwei Siegen im Rücken blickt er seinem ersten Heimspiel in der Red-Bull-Arena entgegen.

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Leipzig. Stellen Sie sich für einen Moment vor, dass Sie Fußballtrainer sind und Julian Nagelsmann heißen. Sie haben mit 29 Jahren einen kriselnden Bundesliga-Verein (Hoffenheim) übernommen, ihm neues Leben eingehaucht und ihn in die Champions League geführt. Sie haben aus Namenlosen hochpreisige Fußballer gemacht und – ohne Rücksicht auf eigene Verluste – den attraktivsten Fußball der Liga gespielt.

Bayern München wollte Sie, Borussia Dortmund lockte, Real Ma­drid warf seinen Hut in den Ring. Man könnte als Julian Nagelsmann zur Annahme gelangen, übers Wasser gehen zu können.

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Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. Zur Galerie
Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. © Getty Images
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An diesem Sonntag, 15.30 Uhr, feiert das 32-jährige German Trainer-Wunderkind mit RB Leipzig seine Premiere in der heimischen Red-Bull-Arena. Ge­gen Eintracht Frankfurt. „Wir wollen gewinnen“, sagt Nagelsmann. Natürlich. Das wollte er auch im Pokal in Osnabrück (3:2) und zum Ligastart bei Union Berlin (4:0). Der Überflieger der europäischen Trainerszene will alles und noch viel mehr. Haben Sie noch Kontakt zu Mutter Erde, Herr Nagelsmann?

„Mein Familien- und Freundeskreis erdet mich. Die müssen für ihr Lebensglück nicht jeden Tag Fußball schauen. Ich habe sehr viel Kontakt zum normalen Leben, zu normalen Berufen. Ich weiß, dass ich privilegiert bin, und halte mir das vor Augen.“ Fußball und sonst nichts? „Es gibt auch andere Dinge, die mich begeistern. Zum Beispiel Mountainbiken. Ich habe dann nicht das Gefühl, ich sitze auf dem Mountainbike und bin ein geiler Bundesliga-Trainer, sondern ein normaler Typ, der gern Mountainbike fährt.“

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Geduld ist gefragt

Der normale Typ sagte Nein zu Bayern, Nein zum BVB, Nein zu Real. Er sagte Ja zu RB Leipzig und einem Vierjahresvertrag.

Die Vorbereitungsspiele liefen mittelmäßig, nach zwei Testspielniederlagen gegen Aston Villa riefen Bedenkenträger den Notstand aus. Manchen stand schon der Sinn nach Vorgänger Ralf Rangnick.

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Auch der zweite Test gegen Aston Villa ging für die Elf von Julian Nagelsmann mit einer Niederlage zu Ende. Zur Galerie
Auch der zweite Test gegen Aston Villa ging für die Elf von Julian Nagelsmann mit einer Niederlage zu Ende. © Dirk Knofe

Der Neue blieb bei sich und bat beim Ausbau des Gebäudes RB („Wir wollen etwas obendrauf setzen“) um Geduld. Er wusste, dass sein im Bau befindliches Penthouse schick werden, aber erst in ein paar Wochen strahlen würde. Er wusste aber auch, dass das Teil von Anfang an bewohnbar sein muss. Er will und muss Ergebnisse liefern.

Kontrolliertes Chaos

Und wie ist es so unter Nagelsmann, Marcel Sabitzer? „Extrem fordernd für Körper und Geist. Alles hat Hand und Fuß“, sagt der Offensivmann. Ein neuer Trainer bekommt nicht viele Chancen bei seinen Fußballern. Die erste Sitzung muss sitzen, der erste Eindruck bleibt. Hat Nagelsmanns erstes Mal gesessen? Abräumer Diego Demme: „Absolut. Und er hat keine vorbereitete Rede abgelesen.“

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Erklären kann er, missionieren will er nicht, der Fußballlehrer mit dem Einser-Abschluss. „Ich habe den Fußball ja nicht erfunden.“ Ganz wichtig für Nagelsmann: Athletik. Wer nicht schnell und ausdauernd ist, muss woanders spielen. Nagelsmann baut auf Spieler, die in kürzester Zeit auf kleinstem Raum richtige Entscheidungen treffen.

Auf dem Weg ins Glück ist kon­trol­lier­tes Chaos angesagt. Die Anforderungen an die Profis werden auf die Spitze getrieben. Nagelsmann: „Wenn ich meinen Spielern drei Dinge vorgebe und sie merken sich drei, ist das gut. Wenn sie sich von zehn fünf merken, ist es besser.“

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RB Leipzig ist am Montag mit Neu-Coach Julian Nagelsmann in die neue Spielzeit gestartet. Zur Galerie
RB Leipzig ist am Montag mit Neu-Coach Julian Nagelsmann in die neue Spielzeit gestartet. ©

Guter Draht zu Kollegen in Europa

Wie fix lernen Ihre Männer? „Es wäre ungewöhnlich, wenn die Mannschaft nach fünf, sechs Wochen den Fußball spielt, den man sehen möchte. Man sieht auch bei Teams wie Manchester City oder bei Jürgen Klopp mit Dortmund und Liverpool, dass es Zeit braucht, um Dinge auf den Platz bringen.“

Und wie bildet sich das Wunderkind weiter? Via Austausch auf hohem Niveau. Nagelsmann hat einen guten Draht zu Trainern in ganz Europa. „Es ist aber nicht ganz einfach, in diesem Business Rat zu finden, weil es schwer ist, zu unterscheiden, wer hilft und wer profitieren will.“

Der Fußballer Nagelsmann musste mit 20 verletzungsbedingt aufhören, einer Karriere als Profi trauert er dennoch nicht hinterher: „Ich habe einen wunderbaren Beruf – alles gut.“

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