03. November 2020 / 13:22 Uhr

Training in Chemnitz, Stillstand in Leipzig: Regionalliga-Vereine sind im Lockdown nicht alle gleich

Training in Chemnitz, Stillstand in Leipzig: Regionalliga-Vereine sind im Lockdown nicht alle gleich

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Miroslav Jagatic kann mit der BSG im Moment nicht trainieren, Daniel Berlinski und der CFC hingegen schon.
Miroslav Jagatic kann mit der BSG im Moment nicht trainieren, Daniel Berlinski und der CFC hingegen schon. © Picture Point
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Der Spielbetrieb in der Regionalliga Nordost ruht. Und der Trainingsbetrieb? Das wird nicht überall einheitlich geregelt und schafft bei den beteiligten Vereinen vor allem hinsichtlich einer Wiederaufnahme der Pflichtspiele recht unterschiedliche Voraussetzungen.

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Leipzig/Chemnitz. Chancengleichheit im Corona-Lockdown? Die gibt es offenbar nicht, zumindest nicht in der Regionalliga Nordost, ja nicht einmal unter den sächsischen Regionalligisten. Denn während beispielsweise die BSG Chemie Leipzig die Tore des Alfred-Kunze-Sportparks geschlossen hat, soll bei Konkurrent Chemnitzer FC zumindest abseits der Punktspiele alles mehr oder weniger beim Alten bleiben. Die Regionalligamannschaft "wird nach zwei Tagen Pause am Mittwoch das Training aufnehmen", teilte CFC-Pressesprecher Steffen Wunderlich auf SPORTBUZZER-Nachfrage mit. Bereits nach dem sonntäglichen Gastspiel der Himmelblauen in Leutzsch war aufgefallen, dass Gästecoach Daniel Berlinski der BSG Chemie ein "halbwegs gutes Training" in der nächsten Zeit wünschte.

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Ausnahmen nur für Profis

Dabei hatte der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) am Freitag erklärt, dass der Spiel- einschließlich Trainingsbetrieb ab dem 2. November bis Ende des Monats ruht. "Bis zuletzt bestand die Hoffnung, dass die Bundesländer des Nordostens die NOFV-Spielklassen, und vor allem die Herren-Regionalliga, als halb- bzw. semiprofessionell einstufen und der Spiel- oder zumindest der Trainingsbetrieb der jeweiligen Vereine weiterhin gewährleistet wird. Da dies leider nicht eingetreten ist, ist die Unterbrechung des Spielbetriebes die einzige logische Konsequenz", heißt es in der Verbandsmitteilung. Präsident Erwin Bugar schob nach: "Die Regionalliga Nordost gilt als erste Amateurspielklasse und muss somit ebenfalls pausieren."

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Warum ist beim Chemnitzer FC dennoch alles anders? Die Corona-Schutz-Verordnung des Freistaates Sachsen vom 30. Oktober 2020 regelt unter Paragraph 4 "Schließung von Einrichtungen und Angeboten" Punkt 6 folgende Ausnahme: "Dies gilt nicht für Sportlerinnen und Sportler a) für die ein Arbeitsvertrag besteht, der sie zu einer sportlichen Leistung gegen ein Entgelt verpflichtet und dieses überwiegend zur Sicherung des Lebensunterhalts dient." Hieße, der CFC darf trainieren, weil seine Kicker ihr Einkommen nahezu ausschließlich mit Fußballspielen finanzieren. Ergo: Amateure gibt es bei den Himmelblauen nicht.

Kein Training in Leutzsch, Lok entscheidet am Dienstag

Bei der BSG Chemie ist das bekanntlich anders, was die Grün-Weißen zum Beispiel bei Partien an Wochentagen schon des Öfteren vor Probleme stellte. "Die Jungs gehen zum Großteil arbeiten. Deshalb werden wir Stand jetzt keinen Trainingsbetrieb aufnehmen“, sagte Andy Müller-Papra, Sportlicher Leiter der BSG, am Dienstag. Der BSG-Vorsitzende Frank Kühne, erwartet dennoch Hilfe und vor allem Entgegenkommen von der Landesregierung: „Wir fühlen uns bislang von der Politik im Stich gelassen", sagte er bei „Sport im Osten“. Wir hoffen, dass nachjustiert wird und die Politik mit den Vereinen und Verbänden spricht, um punktuell Training zu ermöglichen. Wir hoffen, dass unsere erste Mannschaft noch im November wieder trainieren kann. Wenn in den nächsten 14 Tagen nichts entschieden wird, können 2020 wohl keine Spiele mehr stattfinden.“

Der 1. FC Lok Leipzig wird am Mittwoch seinen Mitarbeitern und seiner ersten Mannschaft das Vorgehen für den November mitteilen. Die endgültige Entscheidung, ob die Probstheidaer als Mannschaft trainieren werden oder nicht, sollte am späten Dienstagabend getroffen werden. „Mir ist wichtig, dass alle gesund bleiben und alle Vereine überleben. Für eine langfristigere Planung ist die Lage zu frisch und unübersichtlich“, erklärte Geschäftsführer Martin Mieth vor jener Besprechung.

Warten auf Videokonferenz

Am Mittwoch will der NOFV mit seinen Vereinen über den Fortgang der Saison beraten. Auch für Chemnitz ist das ein wichtiger Termin.  Denn laut Sprecher Wunderlich will "der CFC eine tägliche Neubewertung der Lage - gerade auch unter Berücksichtigung der möglichen Ergebnisse (Fortsetzung Spielbetrieb, Ausdehnung der Unterbrechung, Abbruch etc.) der Tagung zwischen Nordostdeutschen Fußballverband und den Vereinen der Regionalliga Nordost am Mittwochnachmittag - vornehmen".

Ähnliche Töne kommen aus Leutzsch. „Grundsätzlich warten wir jetzt die Videokonferenz ab, dann werden wir uns updaten, wohin der Verband auch will, welche Ziele er verfolgt. Wenn er ehrgeizige Ziele für einen schnellen Wiederbeginn verfolgt, gibt es einfach auch ein paar Voraussetzungen, da benötigt es einer sportlichen und organisatorischen Vorbereitung. Danach werden wir uns auch ein wenig ausrichten“, meint Patrick Schumann, Geschäftsstellenleiter in Leutzsch.

(mit Jens Fuge, Anton Kämpf)