06. Mai 2020 / 17:12 Uhr

Training im Freien: Sisyphos-Arbeit für Peines Vereine

Training im Freien: Sisyphos-Arbeit für Peines Vereine

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Übungsgruppe des MTV Groß Lafferde auf dem Sportplatz. So ähnlich könnte der Vereinssport jetzt dort erfolgen – mit Abstand zwischen den Teilnehmern.
Übungsgruppe des MTV Groß Lafferde auf dem Sportplatz. So ähnlich könnte der Vereinssport jetzt dort erfolgen – mit Abstand zwischen den Teilnehmern. © verein
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Die Sportvereine im Landkreis Peine grübeln: Wie ist Sportbetrieb möglich, ohne dass gegen die Corona-Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Abstandsregeln verstoßen wird? Ungewohnte Lösungen müssen gefunden werden, und da haben sich Peiner Vereine schon viele Gedanken gemacht.

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Die Sportvereine haben auf die Nachricht gewartet, wieder loslegen zu dürfen. Die Erlaubnis ist gekommen, aber nun entstehen ungeahnte Fragen und Probleme. Wieviel Desinfektionsmittel wird gebraucht? Müssen die Toiletten nach jeder Benutzung desinfiziert werden? Wie groß darf eine Gruppe sein? Was können wir überhaupt stattfinden lassen?

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VT Union Groß Ilsede hat die Tennis-Anlage schon funktionsfähig gemacht. „Boule kommt wohl noch dazu. Und Leichtathletik ist vielleicht mit maximal sechs Leuten möglich“, sagt VTU-Sportreferent Michael Rekel. „Wir müssen jetzt kurzfristig besprechen, was noch geht. Volleyball erstmal nicht. Rehasport wäre draußen bei gutem Wetter möglich, problematisch wäre aber die Gruppengröße. Es dürften nur wenige Teilnehmer sein.“ Die Wiederaufnahme ist noch aus einem anderen Grund fraglich: Die Ausgaben für den Übungsleiter wären höher als die Einnahmen.

„Wir müssten auch erstmal die Übungsleiter einweisen, bei welchen Symptomen sie die Teilnehmer nach Hause schicken müssen“, sagt Rekel. Um Desinfektionsmittel kümmert sich der Verein gerade. „Aber wir brauchen nicht nur welches für die Hände, sondern auch für Oberflächen.“

Um Ständer mit Desinfektionsmittel hat sich der VfL Woltorf bereits gekümmert. Aber bevor der Sportbetrieb aufgenommen werden kann, ist noch viel Organisatorisches zu erledigen. „Wir müssen die Vorgaben abwarten“, sagt der Vorsitzende Dietmar Seidel. „Es wird dann für jede Gruppe ein Verantwortlicher bestimmt, der auf die Einhaltung der Schutzbestimmungen zu achten hat.“

Beim MTV Groß Lafferde ist der Sportbetrieb wieder erlaubt auf der Kleinfeldfläche, der Boule- und der Tennisanlage. „Angedacht für die Wiederaufnahme sind unter anderem Trainingseinheiten in Kleingruppen der Handballer, insbesondere der Verbandsligaherren, und auch vereinzelte Sportkurse, die normalerweise im MTV-Treff stattfinden“, sagt MTV Pressewart Christoph Meyer. „Wir stimmen jetzt kurzfristig den Start und die Zeitverteilung auf der Anlage ab. Danach werden die betroffenen Übungsleiterinnen und Übungsleiter informiert“, kündigt der MTV-Vorsitzende Andreas Winkler an.

Die Handballabteilung hat bereits geplant, wie kontaktloses Kleingruppentraining auf der Sportanlage umgesetzt werden kann: Tore und Markierungen sollen hierfür aufgestellt werden. Gymnastik-Abteilungsleiterin Britta Könnecker stellte ähnliche Überlegungen an und „plant einzelne Kursangebote auf den weitläufigen Sportanlagen“.

Bei Arminia Vöhrum bespricht sich an diesem Donnerstag der engste Vorstand, wie die neue Situation zu organisieren ist. „Wir haben sehr viele Gruppen und Übungsleiter. Wir müssen jetzt erstmal feststellen, wer mit seiner Gruppe wann auf den Sportplatz möchte“, sagt der Arminia-Vorsitzende Hans-Günther Tarnowski. „Dann müssen wir weiter überlegen: Wie viel Desinfektionsmittel brauchen wir für sie? Wo stellen wir es hin? Was machen wir, wenn kleine Kinder auf die Toilette müssen – wer desinfiziert die Toilette dann? Wer führt die Namensliste der Teilnehmer?“ Insgesamt komme jetzt eine Sisyphos-Arbeit auf den Verein zu.

Viel Arbeit sieht auch Wolfgang Werner vor sich und dem Vorstand des SV Lengede. „Wir waren vom Tempo der Lockerungen überrascht, aber wir haben schon eigene Hygienevorschriften erstellt.“ So werden in den Materialgaragen am A- und B-Platz sowie dem Kunstrasenplatz, und auch in den Toiletten, Desinfektionsmittel stehen. „Wir werden die WC-Anlage am Sportheim auf eine Toilette reduzieren, um Gedränge zu vermeiden. Dafür haben wir schon Schilder entworfen, die noch gedruckt werden.“

Der nächste Schritt ist, dass die Übungsleiter ein Konzept vorlegen, wie sie die Vorgaben umsetzen. „Wir müssen ja auch alle vergattern, wie sie sich zu verhalten haben und dass sie alles dokumentieren sollen.“ Klar sei zum Beispiel, dass das gesamte benutzte Trainingsmaterial desinfiziert werden muss.

Leichtathletik und Smovey könne nach draußen verlegt werden. Bei anderen Gruppen kann es schwierig werden. „Wir haben 150 Leute bei der Wassergymnastik. Die kann weiterhin nicht stattfinden. Die drei ambulanten Herzgruppen auch nicht. Mehr als hundert Teilnehmer haben wir bei der Wirbelsäulengymnastik. Da brauchen wir ein Konzept für draußen“, sagt Werner.

Eine Menge Fragezeichen, mit denen sich der Vorstand befassen muss. Ein großes bleibt bis zur ersten Übungseinheit. „Wer kommt zurück?“ Es könne sein, dass Eltern oder Kinder noch Angst haben, sich zu infizieren, meint Werner. „Und vielleicht haben sie sich anders orientiert und wollen den Sport nicht mehr ausüben.“