05. Mai 2021 / 19:18 Uhr

Training ist erlaubt, aber eigentlich ist fast alles noch verboten

Training ist erlaubt, aber eigentlich ist fast alles noch verboten

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Einer schießt, einer versucht zu halten: Privat dürfen die Jungs das, im Vereinstraining aber nicht, weil da Spielgeräte nicht gemeinsam benutzt werden dürfen.
Torschuss geht nur privat, nicht im Verein. © picture alliance/dpa
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Kinder dürfen auf dem Sportplatz trainieren, aber viele freuen sich zu früh. Denn es gibt eine Menge Auflagen, die „normales“ Training extrem einschränken und manche Trainer zu dem Schluss kommen lassen: „Es hat noch keinen Sinn.“

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​Nach mehr als einem halben Jahr Pause dürfen Kinder bis zur Vollendung des 14 Lebensjahres wieder gemeinsam trainieren. Im Landkreis Peine aufgrund der immer noch hohen Inzidenzzahl allerdings nur unter strengen Auflagen. Nicht nur die Kinder, auch die Trainer freuen sich über diese Chance – wenn auch manche Auflage nur schwer nachzuvollziehen ist.

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„Mein Sohn trifft sich seit November mit einem Freund, und beide spielen im Garten zusammen Fußball. Sie gehen in eine Klasse und spielen in einer Mannschaft. Beim Training im Verein dürfen sie sich jetzt aber den Ball nicht zuspielen. Wie soll ich ihnen das erklären?“, fragt Kiriakos Aslanidis, der beim VfB Peine die C-Junioren trainiert. Dennoch sagt er: „Wir werden schnell mit dem Training beginnen! Hauptsache, die Jungs kommen wieder an die frische Luft!“

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Nelson aus seiner C-Jugend darf aber nur noch bis Montag mittrainieren, danach nicht mehr. Denn am Dienstag wird er 14 Jahre alt, und das Infektionsschutz-Gesetz regelt in der bundeseinheitlichen „Notbremse“, dass bei einer Inzidenz über 100 nur Kinder bis einschließlich 13 Jahre gemeinsam trainieren dürfen. „Die Diskussion darüber, ob bestimmte Auflagen sinnhaft sind oder nicht, ist ermüdend“, stellt Aslanidis fest.



Auch Lutz Benckendorf ist froh über die Trainingserlaubnis. Er will möglichst bald mit den C-Juniorinnen der Peiner SG auf dem Basketballfeld am BBZ loslegen. Seine Handball-Mädels dürfen sich aber den Ball nicht zuwerfen, und im Tor darf niemand abwehren, weil Sportgegenstände – dazu zählt der Ball – nicht gemeinsam benutzt werden dürfen.

„So ein Training ist zwar nicht toll, aber es bringt trotzdem etwas“, sagt Benckendorf. „Es ist wenigstens eine Änderung der Situation in die richtige Richtung. Und man greift ja inzwischen nach jedem Strohhalm.“

Der soziale Aspekt, das „Sich-endlich-wieder-treffen“, sei mit das Wichtigste. Zumal Online-Training den Reiz verliere. „Die Kinder sitzen ja schon fünf Stunden für die Schule vor dem Rechner.“ Jetzt könnten sie wenigstens wieder mit dem Ball prellen. „Das geht in der Mietwohnung nicht, sonst klingeln die Nachbarn“, sagt der PSG-Trainer.

Auch für die Verletzungs-Prophylaxe sei das Training wichtig. „Auf schnelle Bewegungen in der Halle, Sprinten und Abstoppen, sind die Mädels muskulär gar nicht mehr vorbereitet. Sie haben Ende Oktober das letzte Mal mit Kraft aufs Tor geworfen. Das geht jetzt wieder, selbst wenn das Tor leer sein muss. Für das Schultergelenk ist das wichtig. Ohne die Übung droht die Gefahr, etwas Chronisches zu behalten.“

„Bei diesen Auflagen macht Fußballtraining keinen Sinn“, sagt dagegen Sönke Rathje, der die E-Junioren von Germania Blumenhagen trainieren würde – wenn es denn ginge. „Die Kinder müssen sich doch wenigstens den Ball zuspielen dürfen.“ Die Rasselbande auf Abstand zu halten, werde ihm kaum gelingen. Bei ihm kommt noch ein weiterer Grund hinzu, warum er mit dem Trainingsstart noch wartet. „Ich bin der einzige Trainer. Ich müsste dann vielen Kindern absagen oder drei, vier Gruppen nacheinander trainieren. Die Zeit habe ich nicht.“

Was erlaubt ist und was nicht

Da der Inzidenzwert im Kreis Peine noch höher als 100 ist, gelten für den Sport folgende Regelungen:

Sport ist für Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres zulässig, wenn dieser kontaktlos, im Freien und in Gruppen von höchstens fünf Kindern ausgeübt wird – für ältere Kinder nicht.

Kontaktlos bedeutet auch: Keine gemeinsame Nutzung von Gegenständen (dazu zählen Bälle). Demnach dürfen keine Pass- oder Torschussübungen mit Torwart stattfinden.

Bei jeder Trainingseinheit muss eine verantwortliche Anleitungsperson (Trainer) zugegen sein. Diese Person muss ein negatives Testergebnis, das maximal 24 Stunden vor der Sportausübung durchgeführt wurde, auf Verlangen der zuständigen Behörde (Landkreis Peine) vorlegen können. Der Niedersächsische Fußballverband weist darauf hin, dass dafür ein Selbsttest, der durch den Vereinsvorstand bestätigt und dokumentiert wird, ausreichend ist.

Pro Großspielfeld dürfen zwei Fünfer-Gruppen trainieren. Bei der Spielfeldtrennung ist ein entsprechender Platzkorridor zwischen den Bereichen einzuplanen. Hierbei muss genügend Abstand eingehalten werden und eine Vermischung der Gruppen ist untersagt.

Die Nutzung von Umkleiden und Duschen ist untersagt.

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Bei jeder Trainingseinheit muss ein verantwortlicher Trainer pro Gruppe anwesend sein.

Vor Beginn des Trainingsbetriebes ist die Vorlage eines Hygienekonzeptes notwendig, das durch das Gesundheitsamt geprüft wurde.

Die Sportplätze in der Stadt Peine, die bisher noch gesperrt waren, werden bei Einhaltung der genannten Auflagen freigegeben.

Wenn der Inzidenzwert unter 100 fällt, dürfen bis zu 20 Kinder bis 14 Jahre (also auch im 15. Lebensjahr) in festen Gruppen mit Kontakt trainieren. Zwei Trainer sind erlaubt. Jugendliche ab 15 Jahre dürfen auch auf den Sportplatz, aber nur mit Personen des eigenen Haushalts und höchstens zwei Personen eines anderen Haushalts. Dafür ist aber Kontakttraining erlaubt.

Doch es soll weitere Erleichterungen geben. Der Niedersächsische Turnerbund teilte am Mittwoch mit, dass das Bundesland höchstwahrscheinlich ab 10. Mai Kontaktsport im Freien in Kommunen mit einer Inzidenz unter 100 für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren in Gruppen von bis zu 30 Personen ermöglicht.