08. November 2020 / 16:11 Uhr

Training und viele offene Fragen bei Chemie Leipzig

Training und viele offene Fragen bei Chemie Leipzig

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
BSG Trainer Miroslav Jagatic 

BSG Chemie Leipzig vs Chemnitzer FC (CFC), Fußball, Regionalliga, 01.11.2020
BSG Chemie Leipzigs Trainer Miroslav Jagatic ist froh mit seinem Team trainieren zu können. Dennoch macht er sich sorgen um die Gesundheit seiner Spieler. © Christian Modla
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Die Chemiker aus Leutzsch stehen wieder auf dem Platz: „Wichtig ist es, im Trainingsrhythmus zu bleiben“, sagt der sportliche Leiter Andy Müller-Papra. Dennoch bleiben viele Fragen, die noch zu beantworten sind.

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Leipzig. Die Ereignisse im Schatten der Coronakrise überschlagen sich, täglich gibt es Updates und Neuerungen. Die letzte neueste Nachricht für die sächsischen Regionalligsten und die BSG Chemie war eine gute und lautete: Es darf doch trainiert werden! "Nach Rücksprache mit den sächsischen Behörden wird nun auch Regionalliga als professionelle bzw. semi-professionelle Liga betrachtet. Somit darf unsere Erste trainieren und am Spielbetrieb des NOFV ohne Zuschauer teilnehmen", verlautbarte auf der Website der Leutzscher. Ohne große Verzögerung wurde direkt nach der Nachricht des Sächsische Staatsministeriums des Inneren das erste Training absolviert. Dennoch fühlt sich nicht jeder wohl mit der Entscheidung. Chemie-Trainer Miro Jagatic: "Es bleiben noch viele offene Fragen. Training ist toll, aber wir müssen uns auch Gedanken um die Gesundheit unserer Spieler machen. Wer haftet denn, wenn sich ein Spieler infiziert und dann nicht zur Arbeit kann?“

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„Chemie existiert nur auf Grundlage seiner Fans“

Ein großer Schritt ist durch die neue Regelung aber in jedem Falle gemacht. „Wichtig ist es, im Trainingsrhythmus zu bleiben, um im Falle der Fortsetzung des Ligabetriebs einen Wettbewerbsnachteil zu vermeiden“, sagt der sportliche Leiter Andy Müller-Papra. „Wichtig ist, dass alle Spieler gesund bleiben. Wir versuchen alles zu unternehmen, um das Infektionsrisiko so klein wie nur geht zu halten. Ein möglichst früher Wiedereinstieg in die Saison ist besonders für unsere Spieler gut, da sie berufstätig sind oder studieren. Jede weitere Verschiebung nach hinten bedeutet zwangsläufig mehr Spiele unter der Woche. Diese sind für die Jungs oftmals schwer mit dem Job oder der Ausbildung zu vereinbaren.“

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Dennoch bleiben viele offene Fragen. Wann geht es weiter und unter welchen Bedingungen? Ein Spielbetrieb ohne Zuschauer bedeutet für viele Vereine, besonders aber für diejenigen mit großem Zuschaueraufkommen, dass man sehr schnell an finanzielle Grenzen stoßen wird. Die Rede ist nicht von Engpässen, sondern von existenzieller Bedrohung.

„Alternativ bliebe, den Fußball für Monate auf Eis zu legen“

Zudem sind viele Fans der Leutzscher traurig, dass das sensationelle Auftreten ihrer Mannschaft bislang nur von wenigen Anhängern verfolgt werden konnte. Auch Müller-Papra weiß das: „Chemie existiert nur auf Grundlage seiner Fans. Es blutet einem das Herz, wenn man sieht, was die Mannschaft auf den Platz bringt und weiß, dass dies nur von wenigen Chemikerinnen und Chemikern im Stadion verfolgt werden kann.“

Deshalb habe man zum wiederholten Male deutlich gemacht, unbedingt vor Zuschauern spielen zu wollen und zu müssen. Man wisse jedoch, dass die Vereine gemeinsam mit dem NOFV demokratisch entscheiden. Müller-Papra: „Alternativ bliebe, den Fußball für Monate auf Eis zu legen.“ Um den Ligabetrieb bereits wieder Ende November aufzunehmen, benötigt es Einigkeit zwischen den Ländern, diese gibt es jedoch momentan noch nicht. Darüber hinaus haben alle Akteure in der NOFV-Telefonkonferenz klar gemacht, dass es ohne Zuschauer auf Dauer nicht geht.

Warten in Meuselwitz und Halberstadt

Was auf der Telefonkonferenz herauskam, war die Idee, den Ligabetrieb vorzeitig am 20. bzw. 25. November 2020 fortzusetzen. Weiterhin gibt es von Verbandsseite Überlegungen, Spieltage auf den 22. und 23. Dezember 2020 sowie den 27. Dezember 2020 zu legen. Die Rückrunde soll bereits früher starten. Als möglicher Termin wurde das 2. Wochenende 2021 genannt.

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Das alles setzt voraus, dass die Zahlen jetzt schnell sinken und annähernde Normalität eintritt. Davon ist man noch meilenweit entfernt, wie die Beispiele anderer Regionalligisten zeigen. Bischofswerda denkt längst nicht an Training wegen der hohen Corona-Infektionszahlen im Landkreis.

Meuselwitz geht von einem Trainingsstart zum 16. November aus, da dort noch 13 Spieler in Quarantäne sind, die in der Vorwoche beim 1:1 gegen den BFC Dynamo auf dem Platz standen. Bei Germania Halberstadt wartet man noch auf grünes Licht der Landespolitik.