09. Mai 2016 / 18:33 Uhr

Tränen, Frust und Feierlaune

Tränen, Frust und Feierlaune

Sönke Fröbe
Brauchte Trost: Keeper Johannes Brinkies USER-BEITRAG
Brauchte Trost: Keeper Johannes Brinkies © Lutz Bongarts
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Die bereits geretteten Rostocker gingen im letzten Auswärtsspiel der Saison nicht mehr ans Limit / Bitterer Abschied für Torwart Brinkies nach zwölf Jahren / Fast 2000 Hansa-Fans feierten trotzdem

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Mainz. Die Hansa-Fans feierten, beim Torwart flossen Tränen und der Trainer eilte frustriert in die Kabine. Nach der 0:4 (0:1)-Schlappe gegen Mainz 05 II im letzten Auswärtsspiel der Saison war das emotionale Durcheinander beim FC Hansa ähnlich groß wie zuvor das spielerische auf dem Rasen des Bruchweg-Stadions. Die Rostocker hatten den bis dahin noch nicht geretteten Mainzern am Sonnabend förmlich den roten Teppich zum Toreschießen ausgerollt. „Wir haben unglaubliche Fehler gemacht, so kann man nicht spielen“, ärgerte sich Coach Christian Brand.

Noch größer war die Enttäuschung bei Torwart Johannes Brinkies, der überraschend Stammkeeper Marcel Schuhen vertreten durfte. Weil der dienstälteste Hansa- Profi den Klub am Saisonende nach zwölf Jahren verlassen wird, bekam der 22-Jährige in Mainz sein „Abschiedsspiel“. Doch sein erster und letzter Saisoneinsatz geriet für „Pommes“ zum Alptraum. „Er spielt ein Spiel und kriegt dann vier Tore. Das ist schon hart“, meinte Brand. Zumal Brinkies das 0:1 mit einer verunglückten Faustabwehr vor die Füße von Hoeler begünstigte (32.). „Das war ein bisschen Pech“, haderte der Keeper.

Am Ende flossen Tränen bei dem gebürtigen Grevesmühlener. „Es ist sehr bitter, sich so zu verabschieden“, sagte Brinkies, den Torwarttrainer Stefan Karow und seine Mitspieler nach dem Abpfiff kaum trösten konnten. „Es war sehr emotional. Nach so langer Zeit ,Tschüs’ zu sagen, nagt schon ein bisschen an mir. Hansa ist ein toller Verein, dem ich viel zu verdanken habe. Der Abschied fällt mir schwer“, räumte Brinkies nach seinem 38. und letzten Drittliga-Einsatz für den Koggenklub ein. Ein möglicher Nachfolger ist offenbar Edin Sancaktar von Wattenscheid 09.

Dass sein letztes Spiel für Brinkies und Hansa mit einer Enttäuschung enden würde, war nach einer halben Stunde nicht abzusehen gewesen. Bei sommerlicher Hitze lieferten sich beide Teams zunächst ein ausgeglichenes Duell ohne große Höhepunkte. Dem vermeidbaren 0:1 hatten die Rostocker außer einem abgeblockten Schussversuch von Melvin Platje (44.) dann aber nicht mehr viel entgegenzusetzen. „Wir waren im Spiel nach vorne zu passiv und haben auch nicht so gut verteidigt wie sonst“, analysierte Stürmer Marcel Ziemer treffend.

Auch nach der Pause stemmten sich die Gäste allenfalls halbherzig gegen die drohende Pleite und sorgten mit ihrer wachsenden Fehlerquote für zunehmendes Kopfschütteln bei Brand: „Wir haben es dem Gegner sehr einfach gemacht.“ Nachdem Hansa vor einer Woche die Rettung perfekt gemacht hatte (3:1 gegen Erfurt), war an diesem heißen Nachmittag die Luft raus. „Als Trainer kann man immer reden und appellieren. Aber die Jungs wissen natürlich auch, dass sie nicht mehr absteigen können. Man merkt schon, dass ein Stück weit die Spannung gefehlt hat“, stellte Christian Brand fest.

Weil Hansa neben der nötigen Spannung und Torwart Marcel Schuhen mit Ronny Garbuschewski, Dennis Erdmann und Christian Dorda drei weitere Stammkräfte fehlten, stand nach den Toren von Kalig (60.), Parker (62.) und Derstroff (74.) unter dem Strich Hansas höchste Saisonniederlage. „Die vier Veränderungen konnte die Mannschaft nicht auffangen“, urteilte Brand. Und deshalb bejubelten am Ende die Mainzer ihre Rettung, und die Rostocker Profis ließen die Köpfe hängen. Die fast 2000 Hansa-Fans feierten trotzdem – wenn auch nur sich selbst.

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