28. Juli 2021 / 16:27 Uhr

Tränen nach Olympia-Bronze-Drama: Trost von Gold-Wieneke und vom Klub für Scoccimarro

Tränen nach Olympia-Bronze-Drama: Trost von Gold-Wieneke und vom Klub für Scoccimarro

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
28.07.2021, Japan, Tokio: Judo: Olympia, - 70 kg, Frauen, Giovanna Scoccimarro aus Deutschland (r) verliert den Kampf um Bronze gegen Sanne van Dijke aus den Niederlanden. Foto: Jan Woitas/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bitter: Giovanna Scoccimarro (r.) musste Sanne van Dijke zum Bronzegewinn gratulieren. Aber sie bekam viel Zuspruch. © dpa
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Ein großer Tag in ihrer Karriere, bravourös gekämpft, doch haarscharf Bronze bei den Olympischen Spielen in Tokio verpasst. Für Judo-Ass Giovanna Scoccimarro gab es am Mittwoch gleich Trost. Vom Klub und von einer Judo-Legende.

Im Viertelfinale musste sie ausgerechnet gegen die Top-Favoritin und spätere Gewinnerin Chizuru Arai aus Japan ran, Giovanna Scoccimarros Traum von Olympia-Gold war damit zwar am Mittwoch vorbei, dann griff sie aber in der Trostrunde nach Bronze. Doch bei ihrem Olympia-Debüt unterlag die Sportlerin des MTV Vorsfelde im Judo-Turnier der Frauen bis 70 Kilo der amtierenden Europameisterin und WM-Dritten von 2021, Sanne van Dijke aus den Niederlanden. Trost gab es von einem Gold-Gewinner und von ihrem Klub.

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Eduard Trippel holte mit Silber die erste deutsche Judo-Medaille dieser Spiele am Mittwoch, Scoccimarro hätte für die zweite und damit die erste der Judo-Frauen sorgen können. Es reichte nicht ganz. „Giovanna hat sehr stark gekämpft und sich gut in Szene gesetzt. Am Ende fehlte aber ein Quäntchen Glück und Kraft“, sagte DJB-Sportdirektor Hartmut Paulat.

Scoccimarro sagte: „Ich glaube, es dauert noch ein wenig, bis ich die Glückwünsche annehmen kann“, sagte sie. „Es ist der größte Erfolg meiner Karriere und das bei meinen ersten Olympischen Spielen. Aber natürlich sind auch ein paar Tränen nach dem Kampf geflossen. Damit muss man klar kommen.“

Scoccimarro hatte nach der ersten Einzelmedaille für Wolfsburg seit 1988 gegriffen. Damals hatte Frank Wieneke in Seoul Silber geholt. Auch im Judo. Für den VfL. 1984 hatte er für Wolfsburg schon Gold geholt. Der spätere Männer-Bundestrainer (sein Schützling Ole Bischof gewann 2008 Olympia-Gold) und heutige Dozent an der Sporthochschule in Köln verfolgte auch den Judo-Mittwoch aufmerksam, sagte über den Auftritt von Scoccimarro: "Das war sehr schade. Sie hätte Sanne van Dijke auch schlagen können, sie hat eine tolle Leistung abgeliefert." Sein Urteil: "Sie hatte bei der Entscheidung die Hand nicht an van Dijkes Kittel, hatte den Griffkampf in der Situation verloren. Und dann kann das schnell gehen im Judo." Der Olympiasieger von 1984 macht der Lessienerin aber Mut nach der "undankbarsten Platzierung, die es gibt" und urteilte: "Sie ist eine außergewöhnliche Athletin."

Im Vorsfelder MTV-Center hatten sich zur Trostrunde in der 70-Kilo-Klasse des olympischen Frauen-Judo-Turniers rund 20 Klubmitglieder vor dem großen Bildschirm versammelt. Der Vorsitzende des MTV Vorsfelde, Lutz Hilsberg, und sein Stellvertreter Fabian Vandrey hatten seit dem frühen Morgen zugeschaut. Hilsberg fand: "Ein couragierter Auftritt und eine bittere Niederlage, Giovanna hat alles gegeben. Wir planen jetzt einen gebührenden Empfang für sie, wenn sie zurückkommt." Hilsberg weiter: "Sie hat alles gegeben und im Judo die Welt noch vor sich." Scoccimarro ist erst 23, sie hatte vor den Spielen gesagt, dass sie keineswegs nach Tokio aufhören wolle. Sprich: sie wird Paris 2024 ins Visier nehmen. Vandrey meinte: "Sie hat toll gekämpft."

André Breitbarth, Olympia-Teilnehmer 2016 in Rio im Judo-Schwergewicht aus Leiferde, schaltete ab der Trostrunde den Fernseher ein. "Giovanna hat gut gekämpft, es ist schade, dass Sie am Ende ohne Medaille dasteht." Der Kampf um Bronze sei einer "mit Höhen und Tiefen gewesen. Mal war Giovanna nah dran, dann wieder die Niederländerin, die letztlich das glücklichere Händchen hatte", so der 31-Jährige. "Man hat im Golden Score in Giovannas Gesicht gesehen, dass sie K.o. war, dass der Kampf, der ganze Tag kräftezehrend war." Platz fünf sei eine tolle Platzierung sagt Breitbarth, der aber weiß, wie es ist, bei einem großen Turnier an Bronze vorbeizuschrammen. Er wurde bei der WM 2015 Fünfter. "Das tat schon weh, aber da kannst du dir sagen, nächstes Jahr hast du wieder eine Chance. Bei Olympia ist das ein Stück fieser..."


(mit dpa)