09. Januar 2020 / 17:01 Uhr

Transferhammer! Kreisligist TSV Kirchdorf angelt sich HSC-Stürmer Luca Ritzka

Transferhammer! Kreisligist TSV Kirchdorf angelt sich HSC-Stürmer Luca Ritzka

Tobias Kurz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Jahrelang knipste Luca Ritzka für den SC Hemmingen-Westerfeld, nach einem kurzen Intermezzo in der Regionalliga beim HSC zieht es ihn nun zum TSV Kirchdorf.
Jahrelang knipste Luca Ritzka für den SC Hemmingen-Westerfeld, nach einem kurzen Intermezzo in der Regionalliga beim HSC zieht es ihn nun zum TSV Kirchdorf. © Dennis Michelmann
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Von der Regionalliga in die Kreisliga? Diesen außergewöhnlichen Schritt geht Luca Ritzka - mit gerade einmal 23 Jahren. Der Stürmer verlässt den HSC Hannover nach nur einem halben Jahr wieder und schließt sich dem TSV Kirchdorf an. Wie kam es zu dem überraschenden Transfercoup?

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Wenn das mal kein Ausrufezeichen im Aufstiegsrennen ist… Dem TSV Kirchdorf ist in der Winterpause ein echter Transfercoup geglückt. Der Tabellenzweite der Kreisliga 3 verstärkt sich zur Rückrunde mit einem Regionalligastürmer - Luca Ritzka kommt vom HSC Hannover.

„Wir freuen uns riesig über diesen Transfer“, gab Kirchdorfs Trainer Christof Rosenbaum nicht ohne Stolz zu Protokoll. „Luca wird unsere Möglichkeiten in der Offensive noch mal erhöhen und auch das Trainingsniveau noch mal richtig anheben.“

"Können kein Geld bis nach Meppen zahlen"

Doch wieso entscheidet sich ein 23-jähriger, hochveranlagter Stürmer für den Schritt zurück in die Kreisliga – also immerhin vier Klassen tiefer? Mit finanziellen Anreizen habe man Ritzka nicht gelockt, betont Rosenbaum: „Da fragen sich natürlich einige, ob wir Geld zahlen können bis nach Meppen. Das ist aber nicht der Fall.“

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Berufliche Gründe für Ritzkas "Rückschritt"

Vielmehr sei die persönliche Beziehung zwischen Ritzka und Rosenbaum sowie dessen Co-Trainer Jan Jacoby ausschlaggebend für Kirchdorf gewesen. „Wir kennen uns jetzt seit knapp zwei Jahren und haben uns seitdem gegenseitig intensiver verfolgt“, erklärt Rosenbaum. Daraus sei eine Freundschaft gewachsen, wie auch Ritzka berichtet, dessen fußballerischer "Rückschritt" generell vor allem berufliche Gründe hat.

Durch eine Veränderung im Job seit Anfang des Jahres fehlt dem 23-Jährigen die Zeit für die intensiven Anforderungen beim HSC. Ohnehin hatte Ritzka, der noch bis Sommer 2018 für den SC Hemmingen-Westerfeld auf Torejagd gegangen war, beim Regionalligisten kaum Spielzeit erhalten (sechs Kurzeinsätze) – die hätte sich in der Rückrunde bei geringerer Trainingsbeteiligung noch mal reduziert. Auf das kurze Intermezzo in der Oststadt blickt er trotzdem positiv zurück. "Das halbe Jahr beim HSC hat mich definitiv weitergebracht, ich habe noch nie zuvor auf so hohem Niveau und mit so hoher Intensität trainiert", sagt er. Doch ein Verbleib wäre unter den neuen Voraussetzungen wenig sinnvoll gewesen.

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"Kirchdorf war der einzige Verein, der infrage kam"

„Kirchdorf war dann der einzige Verein, der für mich infrage kam. Ich hätte bestimmt auch in die Landes- oder Bezirksliga gehen können, das wäre auch lukrativer gewesen. Aber für mich war es wichtiger, mit Freunden zusammen zu spielen.“ Wenn er nicht selber spielen musste, schaute Ritzka sich schon in der Hinrunde die Heimspiele des TSV an – und war begeistert: „Der attraktive Fußball, der hier gespielt wird, entspricht auch meiner Spielidee.“

Außerdem überzeugte der Teamspirit und die Atmosphäre im ganzen Klub. Rosenbaum erklärt augenzwinkernd: „Er hat sich von der familiären Ader des Vereins ein bisschen anstecken lassen und ist über die ein oder andere Party immer mal wieder dabei gewesen.“ So wurde die zunächst lose Idee am Ende doch schnell konkret.

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Rosenbaum will an seiner Spielphilosophie festhalten

Dass Ritzkas Qualität den Kirchdorfern helfen wird, steht außer Frage. „Was ihn auszeichnet, ist seine Schnelligkeit, sein Spielverständnis und sein Abschluss“, meint Rosenbaum, betont aber, dass er von seiner Philosophie eines funktionierenden Kollektivs trotz des großen Namens nicht abweichen möchte. „Wir werden das Spielsystem nicht auf Luca ausrichten, sondern wollen ihn in unsere Spielidee integrieren“, erklärt er und hofft dennoch auf Ritzkas Ausnahmequalität: „Vielleicht kann er das ein oder andere Törchen erzielen, dass wir in der Hinrunde hätten gut gebrauchen können.“

Und dem TSV somit zum Aufstieg in die Bezirksliga verhelfen? Bei fünf Punkten und einem Spiel weniger als Spitzenreiter SV Ihme-Roloven weiß Rosenbaum um die Schwierigkeit des Unterfangens. Aus dem Fenster lehnen will er sich deshalb nicht. „Unser Anspruch bleibt der gleiche, wir wollen weiter oben mitspielen.“

"Glaube, dass wir aufsteigen können"

Ritzka selbst gibt sich da forscher: „Ich glaube, dass wir aufsteigen können. Wahrscheinlicher ist der Relegationsplatz, aber der sollte drin sein.“ Mittelfristig will er mit dem Verein ohnehin nach Höherem streben, es geht ihm nicht nur ums lockere Kicken in der Kreisliga. „Ich glaube, dass Kirchdorf Bezirksliga und vielleicht sogar Landesliga spielen könnte. Das ist schon mein Ziel.“