06. November 2020 / 15:30 Uhr

Wolfsburg-Trainer vorm Aus? Glasner geht auf Konfrontationskurs zu Schmadtke und Schäfer!

Wolfsburg-Trainer vorm Aus? Glasner geht auf Konfrontationskurs zu Schmadtke und Schäfer!

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Der Kader gefällt ihm nicht: VfL-Trainer Glasner hat Schmadtkes Transfer-Erfolge kritisiert.
Der Kader gefällt ihm nicht: VfL-Trainer Glasner hat Schmadtkes Transfer-Erfolge kritisiert. © (c) Copyright 2020, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Rumms! Oliver Glasner, Trainer des VfL Wolfsburg, hat mit erstaunlich unverhohlener Kritik an der Transferpolitik seines Klubs urplötzlich für eine Menge Zündstoff gesorgt - und auch noch das VfL-Interesse an Hoffenheim-Stürmer Jacob Bruun-Larsen öffentlich gemacht. Das Verhältnis zu Manager Jörg Schmadtke ist offenbar belastet, die Zukunft des Österreichers damit offen.

So sieht keine vernünftige Vorbereitung auf ein Spiel aus... Vor dem Heimspiel am Sonntag (15.30 Uhr) gegen 1899 Hoffenheim hat Oliver Glasner deutlich Kritik an den Sommer-Transfers seines Vereins getätigt. Vor allem, was die Bemühungen für die Offensive betrifft. Der Österreicher sagte am Donnerstag bei Sky: "Eines unserer Transferziele war es, einen Spieler mit Tempo und Tiefgang zu holen. Das haben wir halt nicht geschafft, aus verschiedenen Gründen. Und die Situation ist halt so wie sie ist."

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Ein Satz mit Sprengkraft, zumal es intern schon länger brodelt. Manager Jörg Schmadtke und der Österreicher reden nur noch wenig bis gar nicht miteinander. Und nachdem Glasner nun seinen Frust auch noch öffentlich gemacht hat, ist eine vorzeitige Trennung nicht mehr auszuschließen, zumal Glasner auch am Freitag bei der Pressekonferenz vor dem Hoffenheim-Spiel bei seiner Aussage blieb. "Ich habe nur gesagt, dass wir halt dieses Transferziel in der Offensive nicht realisieren konnten. Das ist schade." Er habe das nur gesagt, weil es in diesem Interview auch um die Wolfsburger Tor-Armut gegangen sei. "Dann habe ich halt das, was wir seit Monaten besprochen haben" öffentlich gemacht. Dass das Kritik an Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer ist, verneinte Glasner auf ausdrückliche Nachfrage nicht, meinte nur, das könne man "jetzt interpretieren". Der Trainer hat offenbar kein Interesse daran, den Konflikt runterzuspielen oder zumindest intern zu halten.

Mit Bartosz Bialek und Maximilian Philipp hat der VfL in diesem Sommer zwei Neue für die Offensive geholt, aber beide sind keine Spieler mit Tempo und Tiefgang, wie Glasner sie gern gehabt hätte. Wen der VfL auf dem Zettel hatte, verriet der Coach ganz nebenbei auch noch. Als Glasner über die Qualitäten der Hoffenheimer sprach, sagte er: "Sie haben Jacob Bruun Larsen, um den wir uns ja auch im Winter bemüht hatten."

"Stehe zu dem, was ich gesagt habe" - Glasners PK im Video

Fakt ist: Das VfL-Offensivspiel funktioniert in dieser Saison (noch) nicht. Das Herausarbeiten von Chancen und der Torabschluss bleibt das Problem des VfL. Das Spiel nach vorn ist nicht schnell genug. Und vorn ist es dann häufig zu dogmatisch. In den ersten sechs Spielen haben die Wolfsburger erst fünf Tore erzielt. Hängt das damit zusammen, dass es eben nicht die von Glasner gewünschten Spieler mit Tempo und Tiefgang gab? "Nein, das würde ich nicht allein an dem festmachen", meinte der 46-Jährige, der im Sommer 2019 beim VfL übernommen hatte. "Aber klar ist es, dass wir hier, auch ich, andere Ideen hatten, die wir nicht realisieren konnten." Jetzt gehe es darum, mit dem vorhandenen Kader die nötigen Tore zu erzielen.

Glasners Spielidee, nach Ballgewinn schnell nach vorn zu spielen, hat der Coach den VfL-Profis nicht wirklich vermitteln können - und das hängt womöglich eben doch damit zusammen, dass ihm die Spieler fehlen, die er gern gehabt hätte. Dass ihn das enttöuscht und dass er sich damit öffentlich verteidigt, ist menschlich verständlich - seine Zukunft beim VfL (Vertrag bis 2022) sichert er damit allerdings nicht.