06. Januar 2021 / 20:45 Uhr

Erst drei Zugänge: "Die Null muss stehen" als neues Transfer-Motto der Bundesliga

Erst drei Zugänge: "Die Null muss stehen" als neues Transfer-Motto der Bundesliga

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sead Kolasinac, Dominik Szoboszlai und Joe Scally sind bislang die einzigen Bundesliga-Transfers, die im Winter getätigt wurden. 
Sead Kolasinac, Dominik Szoboszlai und Joe Scally sind bislang die einzigen Bundesliga-Transfers, die im Winter getätigt wurden.  © imago/Poolfoto/motivio/AFLOSPORT/Montage Weinert
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In der Winter-Transferphase gibt es für die Bundesliga-Klubs die Möglichkeit, ihren Kader nachzubessern. Vier Tage nach Öffnung des Transfer-Fensters hat sich im deutschen Oberhaus aber noch wenig getan. Der SPORTBUZZER hat die Situation beleuchtet.

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Seit vier Tagen ist das Transferfenster in der Bundesliga mittlerweile geöffnet. Die Bilanz bisher: Mehr als überschaubar. Während in anderen Jahren ein heißes Gerücht auf das nächste folgte, Vereine händeringend versuchten, sich mit neuem Personal zu verstärken und die Euro in Strömen flossen (allein im Vorjahr waren es 190 Millionen), herrscht im Winter 2020/21 fast nirgendwo hektische Betriebsamkeit. Im Gegenteil: Gladbachs Sportdirektor Max Eberl gönnt sich demonstrativ einen Sabbat-Monat. Demonstrative Zurückhaltung und beileibe kein Einzelfall.

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Warum gibt es bisher kaum Transfers in der Bundesliga? Die Antwort heißt wie so oft in letzter Zeit: Wegen Corona. Deuteten sich die Auswirkungen der Pandemie schon im Sommer auf dem Spielermarkt an, hat sich der Effekt der Krise im Winter noch verstärkt. Lediglich die akut abstiegsbedrohten Klubs Mainz 05 und Schalke 04 sowie Eintracht Frankfurt und Union Berlin sind explizit auf der Suche nach Neuzugängen. Die Fälle zeigen: Die winterliche Schnäppchenjagd, ohnehin die Königsdisziplin des Sportmanagements, ist diesmal meist noch mehr von der Not getrieben als sonst. Sogar die neureiche Berliner Hertha bleibt konservativ.

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Der Tabellenletzte Schalke müht sich derweil trotz aller Finanz-Sorgen verzweifelt: Mit Sead Kolasinac konnten die Königsblauen bisher einen von ligaweit drei (!) neuen Spielern präsentieren – und das auch nur, weil der 27-Jährige auf Gehalt verzichtet und Arsenal als abgebender Verein großzügig entgegen gekommen ist. Die anderen Neuen sind der Leipziger Dominik Szoboszlai (der bis Februar ausfällt) und US-Talent Joe Scally, der schon vor über einem Jahr für kleines Geld von Gladbach verpflichtet worden war. Wirklich berechenbar scheint darüber hinaus fast nur noch, dass Union noch einen Stürmer holt und Frankfurt nach dem Verkauf von Bas Dost einen Nachfolger präsentieren wird.

Große finanzielle Sprünge kann sich allerdings auch die SGE nicht erlauben – der neue Mann dürfte entweder für kleines Geld oder als Leih-Transfer kommen. Das passt ins Bild – Sparen ist angesagt: Überall gehen die Klubs eher von Abgängen aus, um die Verluste durch die Corona-Pandemie abzufedern. Bei Werder Bremen etwa gilt kein Spieler als unverkäuflich.


Bleibt Leipzigs 20-Millionen-Mann teuerster Transfer?

Selbst bei den Spitzenklubs tut sich nichts – der neue Leipziger Szoboszlai dürfte mit seiner 20-Millionen-Ablöse der teuerste Winter-Transfer bleiben. Weder Bayern noch Leverkusen oder Dortmund wollen zuschlagen, obwohl sie auf ausgesuchten Positionen durchaus Bedarf hätten. Auch bei den größten Klubs Deutschlands wird das Geld zunehmend knapp. FCB-Vorstand Jan-Christian Dreesen rechnet mit einem Umsatz-Einbruch, "sollten wir noch länger vor leeren Rängen spielen müssen, sogar in dreistelliger Millionenhöhe". Neue Stars? Schwierig bis unmöglich zu finanzieren. Es gebe "noch keine Korrektur in der in der Gehaltsstruktur bei den Spitzenspielern", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Wer ins oberste Regal greift, muss weiterhin in Kauf nehmen, viel auszugeben." Dieses Risiko will man nicht eingehen.

Noch größere finanzielle Corona-Folgen spürt der BVB, der zuletzt deutliche Verluste einfuhr und keine Transfers plant. "Wir befinden uns inmitten der Corona-Pandemie mit den daraus resultierenden Einnahmeausfällen über einen langen Zeitraum hinweg", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zuletzt. "Der kommende Transferwinter wird als solcher bei uns vor diesem Hintergrund kaum stattfinden." Ein neuer Stürmer, um die blutjungen Erling Haaland und Youssoufa Moukoko zu entlasten, wird vor diesem Hintergrund wohl ein Wunschtraum vieler BVB-Fans bleiben. Was einst vor allem unter Schalke-Trainer Huub Stevens auf dem Platz galt, zählt in diesen Tagen auch für die Bilanzen der Klubs: Die Null muss stehen.