22. März 2020 / 10:46 Uhr

Transfermarkt im Umbruch: Diese Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Bundesliga

Transfermarkt im Umbruch: Diese Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Bundesliga

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Leroy Sané, Kai Havertz und Philippe Coutinho - sie alle waren im Sommer Transfer-Kandidaten. Sind sie es noch?
Leroy Sané, Kai Havertz und Philippe Coutinho - sie alle waren im Sommer Transfer-Kandidaten. Sind sie es noch? © Getty/imago images
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Die Coronavirus-Krise lässt den Fußball nicht mehr los - und könnte auch auf dem Transfermarkt massive Veränderungen mit sich bringen. SPORTBUZZER-Kolumnist und Bundesliga-Kenner Michael Rummenigge prophezeit, dass die Ära der Mega-Transfers vorerst beendet ist. Der Faktencheck.

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Die Coronavirus-Pandemie hat den Fußball in eine existenzielle Krise gestürzt, die nicht nur die aktuelle Saison betreffen wird. Während die Klubs aus Bundesliga, Premier League und auch den anderen nationalen und internationalen Ligen sich im aktuellen Krisenmanagement rund um Geisterspiele, Kurzarbeit und einem Verzicht auf Gehälter befinden, werfen andere schon einen Blick voraus - darunter Michael Rummenigge, der in seiner SPORTBUZZER-Kolumne am Samstag vor möglicherweise krassen Auswirkungen auf den Transfermarkt warnte.

Für Rummenigge steht fest: Die Zeit der Mega-Transfers ist vorerst Geschichte. Doch stimmt das? Wie drastisch werden die Folgen der Coronavirus-Pandemie den Fußball erschüttern? Inzwischen scheint einiges vorhersehbar: Die schon in normalen Zeiten absurde Rekordablöse von 222 Millionen Euro, die Paris Saint-Germain 2017 für Neymar an den FC Barcelona zahlte, dürfte auf absehbare Zeit nicht mal im Ansatz erreicht werden.

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Die Meinungen über konkrete Folgen für den Transfermarkt gehen noch auseinander. Gladbachs Manager Max Eberl glaubt, dass sich der Markt "enthitzen" könnte. Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von RB Leipzig, erwartet im Sommer eine Transferperiode der "drastischen" Natur und sagt im Kicker: "Wir werden ein Transferfenster haben wie noch nie in der Vergangenheit".

Welche Bedeutung haben Transfers für die Bundesliga-Klubs?

In der Saison 2018/19 übertrafen die 18 Bundesligisten zum ersten Mal die Umsatzmarke von vier Milliarden Euro. Im Wirtschaftsreport der DFL wurde ein Gesamterlös von 4.020.000.000 Euro ausgewiesen. 675,1 Millionen Euro entfielen dabei auf die Transfererträge,das ist ebenfalls ein Höchstwert. Bei der 2. Liga waren es immerhin noch 96,3 Millionen Euro. Die Bedeutung des Transfermarktes ist also immens.

Helfen Geisterspiele gegen ein finanzielles Chaos?

Die Corona-Krise trifft alle großen Ligen in Europa. Die Einbußen werden enorm sein. Geisterspiele sollen sie abmildern. Ein wirtschaftlicher Schaden von 750 Millionen steht für die 36 deutschen Erst- und Zweitligisten im Raum. Fast 400 Millionen Euro machen die TV-Einnahmen aus. Denkverbote gibt es darum nicht mehr. Vielleicht wird die Bundesligasaison irgendwann im Mai oder Juni fortgesetzt, vielleicht auch nur in ein paar Stadien - verteilt über Deutschland. Wie der SPORTBUZZER erfuhr, ist das eines der Szenarien, die von der DFL diskutiert werden.

Liga-Chef Christian Seifert hat den Ausnahmezustand drastisch skizziert: Ohne Geisterspiele müsse man sich "keine Gedanken mehr machen, ob wir künftig mit 18 oder 20 Profi-Klubs spielen". Allerdings warnen Virologen wie Christian Drosten vor Geisterspielen, weil die Ansteckungsgefahr nicht vom Tisch ist. Statt im Stadion könnten sich die Fans wie beim bisher einzigen Geisterspiel in Gladbach vor dem Stadion treffen.

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Wie geht es weiter? Sportökonom warnt vor Delle

Läuft der Fußballbetrieb in dieser Saison tatsächlich noch einmal an, wird das Minus bei jedem Klub niedriger ausfallen als bei einem Abbruch. Das hätte Einfluss auf die Zukunftsplanung, also auch auf die nächste Transferperiode. "Die Bundesliga wird nach dem Virus ganz sicher wieder florieren", sagte der frühere Werder-Manager Willi Lemke der Bild. Planungssicherheit kehrt zurück - und dann auch ein rascher Rückfall in alte Handlungsmuster? "Sicherlich wird es vorübergehend eine Delle geben", glaubt der Sportökonom Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Wie viel Geld kosten Stars?

Breuer erwartet, dass für Spieler der zweiten Kategorie wohl erstmal nicht mehr die (überhöhten) Preise gezahlt werden wie zuletzt. Auch nicht aus England, dem reichsten Fußballmarkt. "Die Preise für die Topspieler werden vermutlich nicht so stark einbrechen", sagte der Sportökonomen zugleich der dpa. "Die wenigen Superstars haben weiter einen so großen Wert für die Topklubs, dass die Nachfrage bei den finanzkräftigen Klubs hoch bleiben wird."

Im Ausland seien das "häufig Clubs mit Investoren, die womöglich die finanzielle Krise auch ganz gut ausgleichen können", sagte Breuer. Bundesliga-Krösus Bayern München und Borussia Dortmund konkurrieren nicht nur in der Champions League ständig mit Real Madrid, Barcelona, FC Liverpool, Paris, Juventus Turin oder Manchester City - sondern auch um Topspieler. Leverkusen sollte Havertz (Vertrag bis 2022) "für 50 oder 60 Millionen nicht abgeben", meint Michael Rummenigge im SPORTBUZZER. "Wenn alles überstanden ist und die Gelder irgendwann tatsächlich wieder fließen sollten, können sie ihn immer noch verkaufen." Als Wunschpreis hatte Bayer-Trainer Peter Bosz erst vor wenigen Tagen eine Summe jenseits der 100 Millionen Euro genannt.

Was ist mit Verträgen, die auslaufen?

Eine "dreistellige Anzahl von Verträgen" läuft nach Angaben von Werder-Finanzchef Filbry in der Süddeutschen Zeitung bei den Erst- und Zweitligaclubs zum 30. Juni aus. Sie sind damit ablösefrei zu haben. Das ist normalerweise ein Vorteil für die Profis. Schalkes Torwart Alexander Nübel hat bei seinem schon im Januar fixierten Wechsel zum FC Bayern finanziell davon noch profitiert.

Jetzt verschlechtert sich die Verhandlungsposition vieler Profis. Welcher Verein verpflichtet in der Krisenlage Spieler? Es droht Arbeitslosigkeit. Gerade Klubs aus dem finanziellen Mittelbau - und erst recht Zweitligisten - werden sich erstmal auf das vorhandene Personal fokussieren müssen und auf Transfererlöse hoffen.

Coutinho, Toprak & Co: Was wird aus Leihspielern?

Leihspieler können in der Coronavirus-Krise Segen und Fluch zugleich sein. Wer einen Spieler nur ausgeliehen hat, kann ihn am 30. Juni einfach zurückgeben an den Stammverein. Der FC Bayern wird Philippe Coutinho im Angesicht der aktuellen Lage also eher dankend zum FC Barcelona zurückschicken statt die Kaufoption von über 100 Millionen Euro zu ziehen.

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Fixe Kaufverpflichtungen sind dagegen ein gewaltiges Problem: Steigt Werder Bremen nicht ab, müssen die ausgeliehenen Ömer Toprak (5 Mio) und Leonardo Bittencourt (7 Mio) von Dortmund bzw. Hoffenheim fest abgenommen werden, was die beiden Klubs freuen dürfte.

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