25. Juni 2022 / 20:16 Uhr

Ferguson-Glanz verflogen: Wie ten Hag mit der gesunkenen Attraktivität von Manchester United zu kämpfen hat

Ferguson-Glanz verflogen: Wie ten Hag mit der gesunkenen Attraktivität von Manchester United zu kämpfen hat

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kann Manchester United den sportlichen Freifall stoppen? 
Kann Manchester United den sportlichen Freifall stoppen?  © IMAGO/Focus Images, PA Images (Montage)
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Der Glanz der Ära Sir Alex Ferguson ist bei Manchester United längst verflogen. In der kommenden Spielzeit spielt der englische Rekordmeister gar nur in der Europa League. Auch auf dem Transfermarkt muss sich United damit abfinden, international keine Top-Adresse mehr zu sein. Kann der sportliche Niedergang zeitnah gestoppt werden?

Wie lange es dauern soll, aus Manchester United wieder einen Kandidaten auf den Premier-League-Titel zu machen, wird in Fenstern gemessen. Viele Fachleute in England sind überzeugt, dass der abgestürzte Rekordmeister einfach nur eine bestimmte Anzahl von "transfer windows" braucht, um zum Glanz der Ära unter Sir Alex Ferguson zurückzufinden. Ralf Rangnick, der zuletzt als Interimstrainer mitverantwortlich war für die schlechteste Saison des Vereins seit Gründung der Premier League, sprach davon, dass für Manchester United "zwei bis drei" Transferfenster nötig seien, um den Anschluss an Manchester City und den FC Liverpool zu schaffen, die seit rund fünf Jahren den englischen Fußball dominieren.

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Die Logik, dass es einfach nur der richtigen Menge an "transfer windows" bedarf, um den Klub aus dem Old Trafford wieder in eine Spitzenmannschaft zu verwandeln, hat zwei entscheidende Schwächen. Mangelnde Aktivität auf dem Spielermarkt konnte man dem Verein schon in den vergangenen Wechselphasen nicht vorwerfen, im Gegenteil. Laut dem CIES Football Observatory hat Manchester United seit Sommer 2012 europaweit das meiste Geld für Transfers ausgeben, mehr als Manchester City und Paris Saint-Germain. Dennoch ging der sportliche Niedergang weiter. Und: Manchester United ist längst nicht mehr in der Lage, sich seine Wunschspieler auszusuchen. Die bisher letzte Meisterschaft gab es bei Fergusons Abschied im Jahr 2013. In der kommenden Saison spielt der Klub nur in der Europa League. "Es ist deutlich schwerer geworden, einige Spieler für den Verein zu begeistern", kommentierte gerade die Times.

Die gesunkene Attraktivität des Rekordmeisters bekommt gerade der neue Trainer Erik ten Hag zu spüren. Während Manchester City mit der Verpflichtung von Erling Haaland den bisher schlagzeilenträchtigsten Transfer des Sommers landete und der FC Liverpool mit Darwin Núñez den Wechsel von Sadio Mané zum FC Bayern abzufedern versucht, hat Manchester United bisher nur Weggänge zu verzeichnen. Nemanja Matic (AS Rom), Edinson Cavani, Jesse Lingard, Juan Mata und Paul Pogba (alle noch ohne Klub) werden den Verein bei Ablauf ihrer Verträge Ende des Monats ablösefrei verlassen.

Dabei weint das Publikum nicht einmal Pogba, dem einst teuersten Spieler der Welt, eine Träne nach. Der Franzose hat sein enormes Potenzial immer nur angedeutet, aber nie über längere Zeit abgerufen. Es hat sich im Umfeld des Klubs die Überzeugung durchgesetzt, dass Manchester United ohne ihn besser aufgestellt ist. Pogba selbst rief dem Verein in einer Amazon-Prime-Dokumentation mit dem verstörenden Namen "The Pogmentary" hinterher, ihm kein würdiges Angebot für eine Vertragsverlängerung gemacht zu haben.

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United tut sich auf dem Transfermarkt schwer

Zugänge konnte Manchester United bisher nicht vermelden, dabei hatte der Verein eigentlich geplant, vor der PR-Reise nach Thailand am 8. Juli den Kader für die neue Saison zusammenzuhaben. Das scheint mittlerweile so unrealistisch wie eine Umstellung aller Pubs in Manchester auf alkoholfreies Bier. "Es ist besorgniserregend, dass sich United damit schwertut, seine Geschäfte abzuwickeln. Die anderen scheinen bereit zu sein, aber United kommt nicht vom Fleck", twitterte kürzlich Ex-Verteidiger Gary Neville, eine der prominentesten Stimmen in der englischen Fußball-Fachwelt.

Namen, die mit dem Verein in Verbindung gebracht werden, gibt es reichlich, doch in keinem Fall scheint eine Einigung unmittelbar bevorzustehen. Frenkie de Jong ist das prominenteste Transferziel, allerdings ruft der FC Barcelona angeblich 85 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler auf – ein Preis, den Manchester United nicht zu zahlen bereit ist. Der englische Rekordmeister spekuliert offenbar darauf, dass Barcelona wegen finanzieller Sorgen dazu gezwungen sein wird, de Jong für weniger Geld abzugeben. Christian Eriksen, der nach seinem Herzstillstand seine Karriere beim FC Brentford wieder in Schwung brachte und ablösefrei ist, soll ebenfalls ein United-Angebot vorliegen haben.

Außerdem würde ten Hag offenbar gern den 22 Jahre alten Flügelstürmer Antony und den 21 Jahre alten Innenverteidiger Jurrien Timber von seinem Ex-Klub Ajax Amsterdam verpflichten. Wobei das Timber-Geschäft angeblich schon wieder vom Tisch ist. Für ten Hag wäre es der nächste Rückschlag auf dem Transfermarkt. Auch Ajax-Mittelfeldspieler Ryan Gravenberch hätte er wohl gern ins Old Trafford gelotst. Doch Gravenberch entschied sich für den FC Bayern. Manchester United muss damit leben, längst nicht mehr zu den Top-Adressen im internationalen Fußball zu gehören.

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