03. Juli 2020 / 17:55 Uhr

Traum Regionalliga mit 39 erfüllt: Kiontke wechselt nach Hildesheim

Traum Regionalliga mit 39 erfüllt: Kiontke wechselt nach Hildesheim

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Die Regionalliga ruft: Keeper Sven Kiontke wechselt mit 39 Jahren noch einmal in die Fußball-Regionalliga.
Die Regionalliga ruft: Keeper Sven Kiontke wechselt mit 39 Jahren noch einmal in die Fußball-Regionalliga. © ISABELL MASSEL
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Zum Anfang seiner Karriere hatte der Peiner Torhüter Sven Kiontke schon einmal in Deutschlands vierthöchster Spielklasse gekickt, damals der Oberliga – und jetzt wieder. Beim VfV Borussia soll er das Torhüter-Trio komplettieren und mit seiner Erfahrung und Menschlichkeit dem Team nach dem Aufstieg weiterhelfen.

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Diese Chance wollte Sven Kiontke nicht ungenutzt lassen. „Die kriegt man nicht so oft, vor allem nicht als 39-Jähriger“, sagt der Torhüter, der in die Regionalliga zum VfV Hildesheim wechselt. Beim Aufsteiger unterschrieb er am Donnerstag einen Ein-Jahres-Vertrag und soll die „Nummer 1B“ im Tor werden, wie „Kio“ selber sagt. Der Peiner Trainer in Diensten des VfV, Benjamin Duda, setzt dabei vor allem auf die Erfahrung des Schlussmannes und seine Menschlichkeit.

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„Es steckt eine klare Idee dahinter, ich wollte unbedingt ihn haben“, erklärt Duda, der sich auf einen gestandenen Mann mit viel Erfahrung freut. Immerhin habe Kiontke mehr als 120 Spiele in der Oberliga auf dem Buckel, die seinerzeit ebenfalls die vierthöchste deutsche Spielklasse war. Der VfV hat für die neue Saison ein junges Team beisammen. „Kio soll eine erwachsene Note in die Kabine bringen“, erklärt Duda, der mit dem Peiner Keeper die klare Absprache hat: „Er muss da sein, wenn er gebraucht wird.“

Doch dafür muss sich der 39-Jährige jetzt erst einmal in Form bringen. Am Mittwoch soll der erste große Aufgalopp in Hildesheim stattfinden. „Gleich mit Fitnesstest“, erklärt Kiontke, der bei seinem Lauf am Donnerstag ordentlich aus der Puste war. „Der Puls war ganz schnell oben“, sagt Kiontke lachend. „Bis Mittwoch muss ich noch einiges tun.“

Eigentlich hatte der Torhüter schon damit gerechnet, dass er seine Karriere beim TSV Wendezelle beenden würde. Doch als vor vier Wochen seine Tochter zur Welt kam und sich auch Hildesheims Trainer Benjamin Duda den Glückwünschen anschloss, hakte dieser gleich beim Keeper nach, wie seine fußballerische Situation derzeit aussieht. „Wir sind gut befreundet und haben häufiger Kontakt. Im Winter hatte er schon einmal lose bei mir angefragt“, sagt Kiontke.

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Doch der Wechsel verlief zunächst im Sande. „Jetzt hatten wir sehr gute Gespräche“, erklärt Kiontke, dessen Traum immer schon die Regionalliga gewesen sei. Zwar begegneten ihm seine Frau und auch sein Arbeitgeber mit einem sehr ähnlichen, skeptischen Blick. Letztlich stehen aber auch die hinter dem Wechsel des 39-Jährigen, der sich auf seine neue Aufgabe freut.

Auch auf Erinnerungen, die hochkommen könnten, wenn er wieder gegen den VfL Wolfsburg II oder den FC Oberneuland bei Bremen spielt. Hier hatte Sven Kiontke schon Halt gemacht, als er Anfang der 2000er mit der Reserve von Eintracht Braunschweig in der Oberliga aktiv war. „Das ist Ewigkeiten her“, meint der Keeper.

Sven Kiontke (Mitte) soll im VfV-Team von Coach Benjamin Duda (rechts) die Nummer 2 im Tor werden. Trainiert wird Kiontke in Hildesheim von Ulli Karlsdorf.
Sven Kiontke (Mitte) soll im VfV-Team von Coach Benjamin Duda (rechts) die Nummer 2 im Tor werden. Trainiert wird Kiontke in Hildesheim von Ulli Karlsdorf. ©

Über viel Erfahrung verfügt übrigens auch Kiontkes zukünftiger Torwart-Kollege. Nils Zumbeel wurde beim VfL Osnabrück ausgebildet und steht bereits seit sieben Jahren in Hildesheim zwischen den Pfosten. Laut Verein hat er in dieser Zeit nahezu jedes Pflichtspiel absolviert. „Ich will da auch nicht an den Stühlen rütteln, aber trotzdem Gas geben“, gibt sich Kiontke kämpferisch. „Wenn ich dann bis zum Winter zwei, drei Spiele gemacht habe, dann wäre das schon cool“, sagt der 39-Jährige.

Viermal die Woche trainiert das VfV-Team. Dass Kiontke an allen Einheiten teilnehmen wird, hält er selber nicht für vollkommen realistisch. „Als Handwerker bin ich einer, der richtig buckeln muss. Es wird sicherlich Wochen geben, in denen ich nur zwei- oder dreimal da bin“, erklärt Kiontke. Einen Kollegen von der Arbeit wird er dann übrigens auch immer beim Training sehen. Lyon Raeck, ebenfalls Keeper, ebenfalls aus Peine, aber blutjunge 19 Jahre alt, ist nicht nur im Betrieb Kiontkes Lehrling, sondern soll auch beim VfV von ihm lernen. Ihnen steht außerdem Torwart-Trainer Ulli Karlsdorf (früher Hannover 96) zur Seite.

Weitere Infos

Die Regionalliga: 22 Teams stehen zur kommenden Saison in der Regionalliga Nord, weshalb der Verband sie in zwei räumliche Staffeln aufteilt. Nach einer Doppelspielrunde – wenn erst später gespielt werden kann, entfallen die Rückspiele – spielen die besten zehn Teams um den Meistertitel, die anderen zwölf gegen den Abstieg in die Oberliga.

TSV Wendezelle: Kiontkes Ex-Klub schaut sich nun nach einem neuen Keeper um. Zwar habe Tim Latzel seinen Wohnsitz von Hamburg wieder nach Braunschweig verlegt, allerdings sei Gerrit Laubitz verletzungsanfällig. „Deshalb suchen wir jemanden, der den Dreikampf annehmen möchte“, erklärt Trainer Thomas Mainka.

Von Lukas Everling