08. Juli 2022 / 22:52 Uhr

Traumstart in EM für DFB-Frauen: Schüller und Co. lassen Dänemark keine Chance

Traumstart in EM für DFB-Frauen: Schüller und Co. lassen Dänemark keine Chance

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lea Schüller erzielte das 2:0 für Deutschland und feierte den Treffer mit einem kolossalen Jubelsprung.
Lea Schüller erzielte das 2:0 für Deutschland und feierte den Treffer mit einem kolossalen Jubelsprung. © dpa
Anzeige

Perfekter Start in die Fußball-EM der Frauen: Das DFB-Team gewinnt klar gegen tapfere Däninnen und untermauert seine Stellung als Turnier-Mitfavorit. Alexandra Popp gelingt in ihrem ersten EM-Spiel direkt ein Treffer.

Ein lauer Sommerabend, ein ausverkauftes Stadion und jede Menge Vorfreude auf das 500. Länderspiel: Das deutsche Frauen-Nationalteam hat die freundlichen Rahmenbedingungen in Brentford im Westen Londons genutzt, um nach dreijähriger Turnierpause ein Ausrufezeichen zu setzen. Das DFB-Team meisterte den EM-Auftakt mit einem überzeugenden 4:0 (1:0)-Sieg gegen Dänemark vor 15.746 Zuschauern erfolgreich. Die überragende Lina Magull (21.) und Lea Schüller (57.) sowie die eingewechselten Lena Lattwein (78.) und Alexandra Popp (87.) erzielten die Treffer in einer unterhaltsamen Begegnung, die Hoffnung für den weiteren Turnierverlauf weckt. Offenbar hat die lange Vorbereitungszeit einiges gebracht, um Spiellaune zu fördern und Automatismen zu verankern. Die Dänin Kathrine Kühl sah in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit (90.+5) noch die Gelb-Rote Karte.

Anzeige

Der achtfache Europameister spielt nun am Dienstag in der zweiten Partie gegen Spanien (4:1 gegen Finnland) im Community Stadium an selber Stelle bereits um den Gruppensieg. Entsprechend viele erleichterte Gesichter, Glückwünsche und Umarmungen gab es in der erst vor zwei Jahren erbauten Heimstätte des Premier-League-Klubs FC Brentford zu besichtigen. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kann nun im Teamquartier im Syon Park ein bisschen entspannter weiterarbeiten.

Die 54-Jährige hatte die erwartete Startformation aufgeboten und angekündigt, dass ihre Spielerinnen "alles raushauen würden“. Nach anfänglicher Nervosität nahm die deutsche Elf alsbald das Heft des Handelns in die Hand. Immer wieder kombinierte das Ensemble selbstbewusst und flüssig, fand freie Räume – und hatte erstklassige Chancen. Pech, dass Felicitas Rauch früh eine Aluminiumallergie entwickelte, scheiterte die Linksverteidigerin vom VfL Wolfsburg mit ihren Schüssen gleich zweimal an der Latte (10. und 14.). Sara Däbritz und Lea Schüller hatten beim zweiten Versuch jeweils im Abseits gestanden.

Anzeige

Die deutsche Defensive hält

Der Lohn für diese überzeugende Druckphase sollte noch folgen, als Magull den Ball von Stine Pedersen abluchste, noch einige Meter weiterlief, um den Ball humorlos ins obere Eck zu jagen. Mit durchgeschwungenem Arm feierte die Kapitänin vom FC Bayern zu den Gala-Klängen "Freed vom Desire“ diesen Volltreffer. Es war in der Entstehung ein Tor, das in das von Voss-Tecklenburg ausgegebene Leitmotiv passte, mutig, aktiv und kreativ nach vorne zu spielen. Und gerade Magull hat als Führungskraft in München noch einmal einen Reifeprozess durchgemacht. Fast zwangsläufig, dass die Nummer 20 sich in die Torschützenliste eintrug. Die 27-Jährige hatte bei der bitteren 1:2-Niederlage im WM-Viertelfinale 2019 gegen Schweden ebenfalls zum 1:0 getroffen.

Nun machte sich auch der deutsche Anhang – zahlenmäßig in der Unterzahl – kurzzeitig bemerkbar. Trotzdem wäre der bis dahin enttäuschende Vize-Europameister fast zum Ausgleich gekommen, als Torhüterin Merle Frohms gegen Signe Bruun mit Flugparade klärte (29.). Es sollte die einzige Unaufmerksamkeit der deutschen Abwehr mit einer starken Innenverteidigung mit Kathrin Hendrich und Marina Hegering sein. Auch das Mittelfeldtrio mit Lena Oberdorf, Sara Däbritz und Magull harmonierte, zudem war Rechtsverteidigerin Giulia Gwinn ein Aktivposten. Kurz vor der Pause verpassten Klara Bühl (39.) und auch Lea Schüller (45.+1) einen möglichen zweiten Treffer.

Nach dem Wechsel zog zwar eine dunkle Wolke in der Abenddämmerung über der Kew Bridge auf, was sich aber nicht als schlechtes Omen entpuppte. Dänemarks Trainer Lars Sondergaard reagierte auf eine gewisse Ratlosigkeit mit einem Dreifachwechsel und brachte die wegen ihres Katar-Engagements kritisierte Nadia Nadim. Doch kaum war der Tausch vollzogen, zappelte der Ball auch schon im dänischen Tor: Nach Magull-Ecke sprang Lea Schüller höher als die sich fatal verschätzende Torhüterin Lene Christensen und köpfte zum 2:0 ein. Allzu lange blieb die 24-Jährige aber nicht auf dem Rasen, sondern machte Platz für Kapitänin Alexandra Popp, Jule Brand und Lattwein kamen, die dann auch prompt nach Oberdorf-Vorlage ebenfalls per Kopf das 3:0 anbrachte. Und auch Popp (86.) trug sich nach Flanke von Sidney Lohmann noch in die Liste der Torschützinnen ein. Ihr erster Treffer in ihrem ersten EM-Spiel, nachdem ihre Nominierung wegen eines positiven Corona-Tests in der Vorbereitung noch an einem seidenen Faden hing. Ein perfekter Abend für die deutschen Fußballerinnen.