10. Oktober 2019 / 13:08 Uhr

Trebsen feiert 150 Jahre Kegelsport - und hofft auf einen Rekord

Trebsen feiert 150 Jahre Kegelsport - und hofft auf einen Rekord

Frank Pfeifer
Leipziger Volkszeitung
Ist der Kegelsportverein Rotation Trebsen der älteste seiner Art in Deutschland? Um das zu beweisen, sucht er Dokumente aus der Nachkriegszeit. Den Titel streitig machen würde er einem anderen Club des Muldentals.
Ist der Kegelsportverein Rotation Trebsen der älteste seiner Art in Deutschland? Um das zu beweisen, sucht er Dokumente aus der Nachkriegszeit. Den Titel streitig machen würde er einem anderen Club des Muldentals. © Thomas Kube
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Ist der Kegelsportverein Rotation Trebsen der älteste seiner Art in Deutschland? Um das zu beweisen, sucht er Dokumente aus der Nachkriegszeit. Den Titel streitig machen würde er einem anderen Club des Muldentals.

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Trebsen. Den Titel verlieh nicht irgendwer, sondern der Deutsche Keglerverband. Er kürte die Wurzener Fernsbrüder 1995 nach eingängiger Prüfung zum ältesten deutschen Kegelverein. Doch lag er damit richtig? Im unweit gelegenen Trebsen könnte der Rekord gebrochen werden, wenn es gelingt, letzte Puzzle-Teile aufzutreiben. Dort wird in diesem Monat 150 Jahre organisierter Kegelsport gefeiert.

1887 wurde der Wurzener Verein aus der Taufe gehoben, der seinen Namen stets behielt und sich lediglich zu DDR-Zeiten, als es keine eingetragene Vereine gab, den damals geläufigen Organisationsformen anpassen musste. Seine Geschichte kann er durchgängig belegen. Das gelingt dem Kegelsportverein (KSV) Rotation Trebsen noch nicht. Dort waren die Mitglieder über lange Zeit der Auffassung, die Historie ihres Zusammenschlusses hätte erst nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen.

Erster Klub 1869 gegründet

Dann aber entdeckten Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs bei Um- und Ausbauten im Ratskeller, dem heutigen Hotel Schlossblick, ein „Kegler-Tageblatt“ vom 28. Oktober 1929. Erschienen war es zum 60-jährigen Bestehen des Kegelklubs Eintracht, der also 1869 ins Leben gerufen worden sein muss.

In einem eigens für den Anlass gedichteten Lied heißt es „Und keiner am Montag bei der Frau bleiben will“, was darauf schließen lässt, dass sich die Runde montags zum Training einfand. „Es handelte sich ausschließlich um Geschäftsleute, wie wir aus Kassenbüchern wissen. Kein Anderer konnte sich das damals leisten“, sagt KSV-Vorsitzender Bernd Mühler.

Kegelbahn im Ratskeller

Er geht davon aus, dass die Eintracht bis 1945 bestand, vielleicht sogar noch fünf Jahr länger. „Bis 1950 wurde auf alle Fälle im Ratskeller gekegelt, das ist verbürgt“, erklärt der 51-Jährige. „Dort existierte eine Ein-Bahn-Anlage, auf der Wettkämpfe ausgetragen werden konnten.“

1950 Gründung der BSG

1950 gründete sich nach Mühlers Worten die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Chemie, die sich im Jahr darauf in Rotation umbenannte. „Eine ihrer Sektionen waren die Kegler“, sagt er. Auf der Suche ist er nach Zeitzeugen oder Dokumenten, die Auskunft geben, was damals geschah. „Wenn uns der Nachweis gelingt, dass der alte Verein in die BSG Rotation überging, wären wir der älteste Verein“, zeigt er sich überzeugt und betont: „Man kann davon ausgehen, dass in Trebsen 150 Jahre durchgängig gekegelt wurde.“

Verein sucht historisches Material

Wer also über Material verfügt, möge es ihm zukommen lassen. Das betrifft auch Schriftstücke oder gar Bilder aus der Zeit von 1869 bis 1924. „Wer das Original behalten will, erhält es freilich zurück, nachdem wir es kopiert haben“, verspricht der Vereinsvorsitzende.

Kegelanlage 1961 eingeweiht

Einer seiner Vorgänger in dieser Position war 25 Jahre lang Dieter Franz, der von wichtigen Etappen der Sektion Kegeln in der sozialistischen Ära berichten kann. Demnach wurde am 7. Oktober 1961 zum zwölften Jahrestag der DDR eine Kegelanlage mit zwei Bahnen an der Bahnhofstraße eingeweiht. In ihr steckten über 5000 Arbeitsstunden von Freiwilligen im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks. Beschäftigte des BSG-Trägerbetrieb, des VEB Zellstoff- und Papierfabriken Trebsen, unterstützten die Eigenleistungen, und der Rat des Kreises stellte 8000 Mark aus Lotto-Mitteln zur Verfügung.

Zweite Anlage ab 1976

Bis Ende der 1970er-Jahre bestand die Anlage, heute befindet sich in den Mauern ein Raum für Versammlungen und Feiern. Schon 1976, ebenfalls am 7. Oktober, ging nebenan eine modernere Vier-Bahn-Anlage in Betrieb. „Große Verdienste erwarben sich Eberhard Becker bei der Bauorganisation und Arno Pönicke beim Innenausbau“, erinnert Franz.

Erstmals verfügten die Trebsener nun über Kegelstellautomaten, berichtet der 76-Jährige und fügt schmunzelnd an: „Die fielen häufig aus.“ 1987 wurden sie durch zuverlässigere aus Ungarn ersetzt. Und 2006 kam Technik der Leipziger Firma Ahlborn zum Einsatz.

Heute drei Mannschaften

Ein sportlicher Meilenstein war die Austragung der DDR-Meisterschaften im Jahr 1977. Heute verfügt der 50 Mitglieder zählende Verein, der aus der BSG hervorging, sich am 25. Juli 1990 gründete und im Jahr darauf die Kegelanlage als Eigentum übernahm, über vier Teams. Die Damen- und die erste Männermannschaft spielen in der zweiten Verbandsliga, die den westsächsischen Bereich umfasst. Die zweite Männermannschaft und die Senioren sind in der Landkreisliga unterwegs. Neue Mitglieder würde der Verein gern aufnehmen.

Jubiläumsfeier am 30. Oktober

Wenn am 30. Oktober 150 Jahre Kegelsport in Trebsen gefeiert werden, sind aber erst einmal alle Ehemaligen eingeladen. „Der besseren Organisation wegen sollten sie sich bis zum 13. Oktober oder vom 24. bis 27. Oktober bei mir melden“, ruft Bernd Mühler auf. Auch die Sponsoren hat er auf der Gästeliste. „Ohne sie wäre das Fest, zu dem am Abend befreundete Kegelvereine hinzustoßen, nicht möglich“, sagt er und greift zwei von ihnen stellvertretend heraus: EnviaM steuerte eine größere Summe bei, und der Trebsener Raumausstatter Lutz Kolbert verlegte extra neue Anlaufbeläge.

Kontakt Bernd Mühler: Telefon 0172/3 45 04 33

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