20. November 2020 / 13:07 Uhr

Tresenwalder Coach Teichmann: „Situation für alle Beteiligten nicht einfach“

Tresenwalder Coach Teichmann: „Situation für alle Beteiligten nicht einfach“

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Trainer Steffen Teichmann vom SV Tresenwald Machern
SV-Trainer Steffen Teichmann ist Zwecks Wiederaufnahme des Spielbetriebs im ständigen Kontakt mit Michael Heppner vom Sächsischen Fußballverband. © Bettina Finke
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Der Trainer des SV Tresenwald Machern, Steffen Teichmann, glaubt nicht mehr daran, dass eine komplette Saison möglich ist. Denn bevor der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann, muss auch erst einmal wieder richtig trainiert werden.

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Machern. Das runde Leder hängt im Ballnetz am Haken statt wie eigentlich gewohnt auf dem grünen Rasen zu rollen. Auch beim SV Tresenwald Machern herrscht wegen Corona sportlich absolute Flaute. Punktekämpfe, der 20. Hallen-Cup, selbst Arbeitseinsätze und Info-Abende – alles verschoben beziehungsweise schon gänzlich abgesagt.

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Steffen Teichmann (Trainer der in der Kreisoberliga beheimateten und dort auf dem 12. Tabellenplatz rangierenden ersten Männermannschaft) harrt wie alle seine Mitstreiter der Dinge und steht in ständigem Kontakt zu Abteilungsleiter Michael Hepner, der beim Sächsischen Fußballverband beschäftigt ist und sich beim Landessportbund engagiert.

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Aber selbst der Multi-Funktionär sowie ehemalige Spieler und Coach des Herrenteams der Grün-Gelben kann nicht in die Glaskugel schauen. So wirft Teichmann einen eher ungewissen Blick in die nahe Zukunft: „Ich kann mir zu mindestens kurzfristig wirklich nicht so recht vorstellen, dass beim Amateursport Lockerungen zugelassen werden. Noch sind die Infektionszahlen zu hoch, man will jedem noch so kleinstem Risiko aus dem Weg gehen und das Gesundheitswesen nicht überfordern. Sogar die Virologen sind nicht immer einer Meinung. Es bleibt abzuwarten, ob ein Impfstoff tatsächlich der Heilsbringer ist.“ Mit welchem Terminkalender ist die Saison noch zu retten, was treiben seine Schützlinge während der abermaligen Zwangspause?

Laufen jede Woche mit anderer Truppe auf

Den ranghöchsten Tresenwalder Übungsleiter beschäftigen in diesen komplizierten Zeiten natürlich etliche Fragen: „Die Situation ist für alle Beteiligten nicht einfach. Ein Wiederbeginn des Spielbetriebes ist nur mit vorherigem Training von wenigstens ein bis zwei Wochen möglich. Den Spielplan wie vorgesehen abzuwickeln dürfte daher kaum noch machbar sein, um eine wie auch immer geartete Verkürzung werden wir vermutlich nicht herum kommen. Zumal uns der Winter mit seinen witterungsbedingten Unwägbarkeiten noch bevorsteht, da ist bei Eis und Schnee selbst ein Kunstrasen kein Allheilmittel in puncto Verletzungsgefahr. Erst einmal werden unsere Kicker mit Sicherheit nicht einrosten, Fotos von individuellen Aktivitäten machen aktuell die Runde. Wobei die Jüngeren für einen Waldlauf oder ähnliches wohl schneller zu begeistern sind. Die Älteren müssen häufiger Job, Frau, Kinder und Haus unter einen Hut bekommen.“

Womit Teichmann auf den ziemlich hohen Altersdurchschnitt seines Teams, den qualitativ nur unzureichend breiten Kader und ein lästiges Leiden zu sprechen kommt: „Wir laufen wegen beruflicher Verpflichtungen praktisch jede Woche mit einer anderen Truppe auf. Wenn drei oder vier Leistungsträger ausfallen, ist das nur schwer zu kompensieren. Und zu oft wollen wir in Schönheit sterben anstatt auf Ergebnis zu spielen.“

„Sollte keinen Träumereien nachhängen“

Immerhin beweist sein verlängerter Arm Roy Pfüller nach wie vor echte Torjägerqualitäten, erzielte sieben der insgesamt allerdings nur neun Treffer. Letztere Zahl dürfte wohl auch die Hauptursache für das bislang eher bescheidene Abschneiden sein.

Eine Diskrepanz erkennt der Tresenwalder Cheftrainer auch beim Verhältnis zwischen Erwartungshaltung und Realität: „Man sollte keinen Träumereien nachhängen, die alten Zeiten sind definitiv vorbei.“ Zur besseren Einordnung sei hinzugefügt: Nach der Umbenennung des Vereins im Oktober 1998 (als aus dem SV Eintracht Gerichshain der SV Tresenwald Machern wurde) sowie der Einweihung des weitläufigen Sportparkes mit Natur- und Kunstrasenplätzen, Sporthalle etc. wurde mit erheblichem Aufwand eine namhafte Mannschaft zusammen gestellt, welche in der Bezirksliga zweimal auf dem Treppchen landete.

Die achtjährige Ära auf dieser Leistungsebene begann durch den Aufstieg im Jahre 2000, welcher ungeschlagen sowie mit sage und schreibe 27 Punkten Vorsprung bewerkstelligt wurde. Im April 2007 konnten beim Aufeinandertreffen mit dem 1. FC Lok Leipzig über 1500 Zuschauer an der Gartenallee begrüßt werden, vielleicht ein Rekord für die Ewigkeit. Der nochmalige Abstecher in die jetzige Landesklasse erwies sich dann allerdings in der Spielserie 2015/16 bereits als eine Nummer zu groß. Was Teichmann in seiner Devise bestärkt, auf dem Teppich bleiben zu müssen.

Zulauf bei den Kindern ist groß

Ein allgegenwärtiges Phänomen betrifft dagegen nicht nur sein eigenes Team: „Der Charakter der Spieler hat sich ebenfalls gewandelt, früher waren die Jungs leichter zu führen. Der Fußball ist wie das Leben, ein Spiegelbild der Gesellschaft halt.“

Und dennoch hat der SV-Coach auch Anlass zur Zufriedenheit: „Der Verein betreibt eine sehr intensive Nachwuchsarbeit. Bei den Kindern ist der Zulauf groß, bei den Jugendlichen gibt es die üblichen Probleme. Es dauert deshalb noch ein Weilchen, bevor bei den Herren etwas ankommt. Zudem hat sich die Spielgemeinschaft mit dem Ortsnachbarn FSV bewährt, trotz einigem Gegenwind im Vorfeld. Dass bei einer Kooperation mit einem B-Ligisten keine Wunderdinge zu erwarten sind, war doch von vornherein klar. Aber die Spieler haben ein ordentliches Verhältnis, das ist das Wichtigste.“

Steffen Teichmann verbreitet in vielerlei Hinsicht eine Prise vorsichtigen Optimismus und einen Schuss Demut. Das tut zweifellos richtig gut in momentan schwierigen Zeiten.