07. Januar 2021 / 14:14 Uhr

Triathlet Carsten Janecke: Mit neuer Hüfte ins neue Jahr

Triathlet Carsten Janecke: Mit neuer Hüfte ins neue Jahr

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Rechtes Bein hoch – das funktioniert bei der Wassergymnastik im Eixer See schon wieder. Carsten Janecke übte am Donnerstag bei 2 Grad Wassertemperatur.
Rechtes Bein hoch – das funktioniert bei der Wassergymnastik im Eixer See schon wieder. Carsten Janecke übte am Donnerstag bei 2 Grad Wassertemperatur. © Matthias Press
Anzeige

Eine kaputte Hüfte ist für einen Triathleten eine Katastrophe. Doch der Peiner Carsten Janecke macht das Beste daraus. Nach der Operation kämpft er sich zurück und will dieses Jahr beim Ironman in Berlin über die Mitteldistanz starten. 

Anzeige

Die Kult-Werbung für den VW-Käfer hätte auch für Carsten Janecke gepasst: „Er läuft und läuft und läuft...“ Denn für den zertifizierten Triathlontrainer aus Peine gehört das Laufen zur Lebenseinstellung. Vergangenes Jahr hätte der Vergleich zum Käfer aber auch noch unter dem Krabbel-Aspekt gepasst. Laufen war allenfalls noch unter Schmerzen möglich. Die Diagnose: Janeckes rechte Hüfte ist kaputt. Eigentlich eine Katastrophe für einen Triathleten. Doch der Vöhrumer hat in seinem Sport auch gelernt sich durchzukämpfen.

Anzeige

„Zum ersten Mal hatte ich Hüftschmerzen im Oktober 2019 gespürt. Da dachte ich noch, ich hätte das Gelenk verdreht“, sagt Janecke. „Im Januar standen dann erste Trainingsintervalle für die Saisonvorbereitung auf dem Plan. Da wurde es schlimmer. Und komischerweise hatte ich wenig Probleme, wenn ich einen Kilometer in vier Minuten oder schneller lief. Aber beim Auslaufen tat es weh.“

Weitere Artikel über verletzte Peiner Sportler

Die Röntgenaufnahme, die der Arzt im Februar machen ließ, zeigte einen Gelenkverschleiß (Arthrose) und abgestorbenes Gewebe (Nekrose). Im MRT-Bild sah der Arzt zudem, dass der Knorpel beschädigt und teilweise nicht mehr vorhanden war. Seltsamerweise ist die linke Hüfte völlig intakt. „Warum ich die Beschwerden nur rechts hatte, weiß niemand“, sagt Janecke. „Es kann genetisch bedingt sein, es kann auch vom Fallschirmspringen während meiner Militärzeit stammen.“

Zunächst versuchte er, mit den Schmerzen zu leben und dennoch Sport zu treiben. Noch im Juni startete er bei einem Ironman unter Corona-Bedingungen. „Der ging über drei Tage. Am Freitag sind wir 3,8 Kilometer geschwommen und 60 Kilometer Rad gefahren. Am Samstag 27 Kilometer gelaufen und am Sonntag 120 Kilometer Rad gefahren und 15 Kilometer gelaufen. Am Montag hat sich dann meine rechte Hüfte bedankt. Seitdem bin ich nicht mehr gelaufen, sondern nur noch Rad gefahren.“

Die Entscheidung für eine Operation fiel, als sich „das Gangbild komplett verändert hatte. Ich bin sogar auf der Arbeit darauf angesprochen worden.“ Zudem wurde es auch mit dem Radfahren schwieriger. „Ich konnte das rechte Bein zum Aufsteigen nicht mehr anheben.“

Als nächstes suchte sich der 53-Jährige ein Krankenhaus und einen Chirurgen. „Der läuft selber Marathon. Und er wies darauf hin, dass ich vielleicht nach der OP nicht mehr unbedingt so lange Strecken laufen sollte. Hauptsächlich aber deshalb, weil es keine Untersuchungen gebe, die die Auswirkungen auf eine künstliche Hüfte erforscht haben.“

Die OP im November dauerte eine Stunde, Wundschmerz und ein Bluterguss im Gesäßmuskel waren die Folge – aber die Hüftschmerzen waren weg. Drei Wochen Reha schlossen sich an. „Da ist man gut beschäftigt“, stellt Janecke fest. „Ich habe gelernt, was Therapiestress bedeutet.“ Krankengymnastik stand regelmäßig auf dem Plan, jeden Abend ging er schwimmen, und immer wieder die 99 Treppenstufen rauf und wieder runter. Außerdem strampelte er auf dem Standrad. „Nach zwei Wochen konnte ich die Gehhilfen weglegen und war nur noch mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs“, berichtet Janecke.

Wassergymnastik war gut für die Genesung und Beweglichkeit. Doch die Bäder waren aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Also schlüpfte der Peiner nach der Reha-Zeit in seinen Neoprenanzug und stieg in den Eixer See. Dreimal die Woche. „Das erste Mal bei 3,5 Grad Wassertemperatur.“ Da er noch krankgeschrieben ist, startet er auch zu längeren Wanderungen, um wieder fit zu werden.

„Inzwischen ist alles besser als vor der OP. Ich laufe allerdings noch nicht und vermeide Stoß-Bewegungen, die das Gelenk belasten könnten. Im Februar steht eine Röntgenkontrolle auf dem Plan. Wenn dann alles richtig eingewachsen ist, kann ich wieder laufen“, sagt der Triathlon-Trainer.

Radfahren und Schwimmen – das geht schon wieder recht gut. Janeckes Ziel für 2021: Ich möchte im August die Mitteldistanz beim Ironman in Berlin schaffen. Mannschaftswettbewerbe fallen erstmal für ihn aus. „Ich will mir keinen Druck machen. Ich mache das, was geht.“

Und irgendwann will er sich bei seinem Operateur mit einem kleinen Präsent bedanken: „Der sagte, wenn ich meinen ersten Marathon mit dem neuen Hüftgelenk schaffe, möchte er ein Zielfoto haben.“

Von Matthias Press