03. August 2020 / 18:14 Uhr

Triathletin Laura Lindemann startet bei Leichtathletik-DM

Triathletin Laura Lindemann startet bei Leichtathletik-DM

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Laura Lindemann wurde beim Finale der Word Triathlon Series 2019 Sechste.
Laura Lindemann wurde beim Finale der Word Triathlon Series 2019 Sechste. © Monika Skolimowska
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Leichtathletik: Weil in ihrer Sportart Wettkämpfe derzeit weiterhin nicht stattfinden, unternimmt Top-Triathletin Laura Lindemann am Wochenende einen Ausflug zu den Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten in Braunschweig. Die Potsdamerin tritt über 5000 Meter an.

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Laura Lindemann will endlich wieder Wettkämpfe bestreiten. „Ich brauche ein Ziel, für das ich mich motivieren und trainieren kann“, sagt die Potsdamerin, die als Triathletin normalerweise in diesen Tagen bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio gestartet wäre. Doch dann kam Corona und alle Wettkämpfe wurden abgesagt beziehungsweise wie im Falle Olympia um ein Jahr verschoben. „Natürlich trauere ich der ganzen Sache schon ein bisschen nach. Mein Wettkampf in Tokio wäre jetzt schon vorbei gewesen. Das ist ein krasser Gedanke und ein komisches Gefühl“, gibt die 24-Jährige zu.

Doch nun hat die Triathlon-Europameisterin auf der Sprintdistanz eine neue Herausforderung gefunden. Am Wochenende startet sie bei den Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik in Braunschweig über 5000 Meter. „Ich bin froh, dass das mit meiner Meldung über den SC Potsdam geklappt hat. Ich freue mich darauf, weil ich als Athletin einfach den Wettkampf brauche, dafür trainiere ich schließlich“, meint die ehemalige Junioren-Weltmeisterin und Olympiateilnehmerin von Rio 2016. Denn wegen der besonderen Corona-Einschränkungen – die Langstreckenläufe standen lange Zeit gar nicht auf dem DM-Programm – gibt es für Braunschweig nur ein kontingentiertes Starterfeld. Über 5000 Meter sind es 17 Läuferinnen.

Erfahrungen auf der Bahn fehlen

Topfavoritin ist Alina Reh (SSV Ulm). Die U23-Europameisterin und EM-Vierte über 10 000 Meter hat vor knapp zwei Wochen mit 15:27,46 Minuten über 5000 Meter schon mal gezeigt, dass sie in Form ist. Ihre Bestzeit steht gar bei 15:04,10 Minuten. Das weiß auch Laura Lindemann, die Reh vor Jahren mal bei einer Feier zum Juniorsportler des Jahres kennenlernte und seitdem ihre Karriere verfolgt hat. „Da reiche ich natürlich nicht ran. Mir fehlen einfach die Erfahrungen auf der Bahn, ich laufe als Triathletin eher auf der Straße. Da bin ich in Hamburg nach Schwimmen und Radfahren mal 16:08 Minuten über fünf Kilometer gelaufen. Das ist aber nicht vergleichbar. Auf der Bahn bin ich vielleicht zuletzt 2017 beim Frühtest die 5000 Meter gelaufen“, sagt Laura Lindemann. Ihr Trainer Ron Schmidt, der ihr den DM-Start nahegelegt hat, findet: „Laura kann da schon mitlaufen, um die 16 Minuten sollten drin sein. Sie hat gut trainiert.“

Direkt aus dem Höhentrainingslager nach Braunschweig

Apropos Training. Die Triathletin weilt seit über drei Wochen im Höhentrainingslager in Livigno/Italien. In der Lombardei übt sie sich zwar auch im Schwimmen und Radfahren, war sogar auf Skirollern unterwegs und wanderte in den Alpen, aber sie hat in dem 1800 Meter hoch gelegenen Wintersportort auch ein Leichtathletikstadion mit Laufbahn gefunden.

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Trotzdem wird sie in Braunschweig auf Spikes, wie bei den Leichtathleten üblich, an den Füßen verzichten, sondern die neuen Laufschuhe ihres Ausrüsters Saucony schnüren. „Mit Spikes zu laufen, bin ich nicht gewohnt. Ich will mich nicht verletzen oder mir eine Überbelastung zuziehen“, geht sie daher zwar auf Nummer sicher, aber nicht minder ehrgeizig in den Wettkampf. „Ich werde erst am Freitag aus der Höhe zurückkehren und am Sonntag laufen. Auch das wird ein Test, wie mir das bekommt. Ansonsten hoffe ich auf ein schnelles Rennen. Als Triathletin bin ich es ja gewohnt, von Anfang an aufs Tempo zu drücken. Ich will eine gute Zeit erreichen. Ich werde mich an die Fersen von Alina Reh hängen und versuchen, so lange wie möglich dran zu bleiben. Aus taktischem Geplänkel halte ich mich lieber raus. Erstens bin ich das nicht so gewohnt im engen Läuferinnenfeld und zweitens kann man da schnell stolpern oder sich an den Spikes der anderen verletzen“, erklärt Laura Lindemann, die nicht im Triathlon-Einteiler, sondern mit Laufhose und Top mit der Startnummer 47 antreten wird.

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Und sollte es zu einem Spurt kommen, will sie auch da die Zähne zusammenbeißen. „Unter den Triathletinnen bin ich sicher eine der Schnellsten im Finish“, so die Havelstädterin. „Aber die Leichtathletik ist ja eine ganz andere Welt.“

Vielleicht aber auch nicht. Eine wie Laura Lindemann, die in der Region schon so manchen Straßenlauf souverän für sich entschied, braucht sich in Braunschweig bei den Geistermeisterschaften – Zuschauer sind nicht zugelassen – sicher nicht zu verstecken.

Diskuswerferin Kristin Pudenz ist Titelverteidigerin

Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am Wochenende in Braunschweig ist Kristin Pudenz (SC Potsdam) Titelverteidigerin im Diskuswerfen. Sie führt die Meldeliste – das Teilnehmerfeld ist in den technischen Disziplinen auf zehn limitiert – mit der persönlichen Bestleistung von 65,58 Meter an. „Natürlich ist es mein Ziel, meinen Titel zu verteidigen“, sagt sie.

Im Diskuswerfen der Männer sollte ihr Trainingsgefährte Clemens Prüfer ebenfalls eine Medaillenchance besitzen. Er konnte sich in diesem Jahr bereits auf 63,66 Meter steigern. Bruder Henning Prüfer muss verletzungsbedingt verzichten. Aus demselben Grund hat Speerwerfer Bernhard Seifert verzichtet. Der 89-Meter-Mann zog sich vorige Woche eine Schulterletzung zu. „Ich will in diesem Jahr kein Risiko eingehen“, meint er. Im Speerwerfen der Frauen sollte für Annika Marie Fuchs hinter Europameisterin Christin Hussong Silber möglich sein. Ein weiterer Medaillen-Kandidat ist Dreispringer Felix Wenzel. Stabhochspringerin Friedelinde Petershofen (alle SC Potsdam) setzt ihr Comeback fort.