14. Mai 2021 / 18:02 Uhr

Nach Corona-Infektion: Triathletin Lindemann startet beim WM-Auftakt

Nach Corona-Infektion: Triathletin Lindemann startet beim WM-Auftakt

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Drang nach Wettkampf: Im Februar holte Laura Lindemann als Gaststarterin über 3000 Meter Silber bei der Hallen-DM der Leichtathleten. 
Drang nach Wettkampf: Im Februar holte Laura Lindemann als Gaststarterin über 3000 Meter Silber bei der Hallen-DM der Leichtathleten.  © imago images/Beautiful Sports
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Die Potsdamerin gilt als Olympia-Medaillenhoffnung, doch die Vorbereitung auf Tokio ist schwierig. Trotz Trainingsrückstands nimmt die 24-Jährige nun beim Rennen in Yokohama teil - entgegen des Rats ihres Trainers.

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In rund acht Jahren gemeinsamer Sportlerin-Trainer-Beziehung ist Laura Lindemann nicht nur zu einer Triathlon-Olympia-Medaillenkandidatin gereift. „Sie ist jetzt auch eine erwachsene Frau und kann daher eigene Entscheidungen treffen“, sagt Coach Ron Schmidt. Lindemann hat für sich entschieden: Am Samstag nimmt die Potsdamerin beim Auftakt der WM-Serie in Yokohama teil – entgegen Schmidts Rat.

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Positiver Befund nach Trainingslager in der Schweiz

Der Trainer wollte nicht, dass die 24-Jährige startet, weil hinter ihr schwierigen Wochen liegen. Nach der Rückkehr aus einem Trainingslager in der Schweiz war Deutschlands Top-Triathletin Ende März positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nur leichte Symptome hätten sich gezeigt, berichtet Lindemann in ihrem Blog bei tri-mag.de. Dennoch: Zwei Wochen häusliche Quarantäne und anschließend ein äußerst dosierter Trainingswiederbeginn. „Es ist eben noch zu wenig bekannt über die Auswirkungen von Covid-19 bei Leistungssportlern. Aus dieser Unsicherheit heraus wollten wir nicht überdrehen“, erklärt Schmidt, der einen Trainingsverlust von insgesamt sechs Wochen summiert sieht.

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Vor dem WM-Auftakt blieb erst eine richtige Woche Training. Zu wenig, um Yokohama anzugehen, wie Schmidt findet: „Ich wollte nicht, dass sie startet, weil ich sie vor einem negativen Wettkampferlebnis beschützen wollte.“ Dies setze für eine Athletin mit Lindemanns Ambitionen bereits mit einem Resultat jenseits der Top 10 ein.



Regelverstoß: Einreiseverbot für Olympia

Die Sorgen ihres Trainers könne sie nachvollziehen, schreibt die frühere Nachwuchs-Weltmeisterin in dem Blog. Aber ihr pandemiebedingt seit Monaten ungestilltes Bedürfnis nach Wettkämpfen ist groß. Sie brauche Rennen, vor allem auf der olympischen Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen). „Ich will, ich muss“, meint die gebürtige Berlinerin.

Lediglich mit der Erwartung, wieder Wettkampfpraxis zu sammeln, ist Lindemann in das Olympia-Gastgeberland Japan gereist. Sie berichtet von sehr strengen Regeln, die sie als „grenzwertig“ empfindet. Unter anderem musste sie vier Tracking-Apps auf ihrem Smartphone installieren, die ihren Bewegungskreis lokalisieren, die meiste Zeit muss sich im Hotelzimmer aufgehalten werden. Training ist nicht draußen erlaubt, sondern nur auf Rollen und Laufbändern in Räumen, zu denen die Aktiven unter penibler Aufsicht gebracht werden. Beim Wettkampf dürfe sich erst an der Startlinie der Maske entledigt werden. „Und wer gegen irgendetwas verstößt, der darf auch nicht mehr zu den Olympischen Spielen einreisen“, schreibt die 28. der Rio-Spiele von 2016.

Schilderungen, die Schmidts Bedenken nicht schmälern. „Nahezu tagelanger Frischluftentzug, viele Schwierigkeiten – da muss man klar im Kopf sein“, sagt der Coach und hofft, dass Lindemann das ist. Sie wollte es zumindest so.

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