27. Juli 2021 / 01:59 Uhr

8. Platz bei Olympia: Potsdamer Triathletin Laura Lindemann mit starkem Rennen in Tokio

8. Platz bei Olympia: Potsdamer Triathletin Laura Lindemann mit starkem Rennen in Tokio

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
27.07.2021, Japan, Tokio: Triathlon: Olympia, Olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen), Frauen im Odaiba Marine Park. Laura Lindemann aus Deutschland läuft. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Laura Lindemann zeigte beim olympischen Triathlon-Rennen in Tokio eine starke Leistung. © (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio landet Laura Lindemann auf dem 8. Platz. Gold geht an Flora Duffy, Silber an Georgia Taylor-Brown, Bronze holt Katie Zaferes. 

Nach dem Zieleinlauf schlug sich Laura Lindemann die Hände vors Gesicht und wirkte unzufrieden, trotzdem hatte die Potsdamerin ein famoses Triathlon-Rennen gezeigt: Mit dem achten Platz bei den Olympischen Spielen in Tokio lieferte die 25-Jährige ein starkes Rennen ab. Es war die beste Platzierung einer Deutschen seit der Aufnahme des Frauen-Triathlons ins olympische Programm im Jahr 2000. Gold ging an Flora Duffy (Bermuda), Silber an die Britin Georgia Taylor-Brown, Bronze sicherte sich Katie Zaferes (USA). Bis zum Wechsel auf die Laufstrecke lag Lindemann nach einem taktisch sehr guten Rennen in einer Vierer-Spitzengruppe und hatte berechtigte Chancen auf eine Medaille. Doch auf der Laufstrecke (10 Kilometer) musste Lindemann dem hohen Tempo im Schwimmen (1,5 Kilometer) und auf der Radstrecke (40 Kilometer) Tribut zollen. Die zweite deutsche Starterin, Anabel Knoll wurde 31.

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"Das Schwimmen war so gut wie noch nie", sagte Lindemann bei der ARD. "Beim Radfahren war ich die ganze Zeit am Kämpfen, um in der Gruppe zu bleiben. Beim Laufen hat dann die Kraft gefehlt. Ich bin losgelaufen und habe schon gemerkt, dass ich extrem viel beim Radfahren geben musste." Trotzdem konnte sie dem Rennen noch ein bisschen etwas Positives abgewinnen: "Ich denke, heute Abend werde ich auch realisieren, dass es ein gutes Ergebnis ist", sagte Lindemann, die bei ihrer olympischen Premiere in Rio 2016 den 28. Platz belegt hatte.

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Der vorausgesagte Taifun hatte auch Auswirkungen auf das Triathlon-Rennen der Frauen: Wegen des starken Regens und Windes wurde das Rennen um 15 Minuten nach hinten verschoben und um 6.45 Uhr gestartet. Vom Startplatz sechs auf dem Ponton und mit Startnummer zehn sprang Lindemann ins Nass. Das Wasser im Odaiba Marine Park hatte trotzdem noch 28 Grad, obwohl kühleres Wasser aus der Tiefe nach oben gepumpt wurde. Dafür war die Außentemperatur mit 24 Grad deutlich angenehmer als von vielen Athletinnen befürchtet.

Im trüben Wasser setzte sich schnell die Britin Jessica Learmonth, eine der Mitfavoritinnen, an die Spitze und bestimmte das Tempo von vorne weg. Nach 950 Metern verließen die Triathletinnen das Wasser für einen kurzen Landgang um dann wieder für eine zweite, kleinere Runde wieder ins Wasser zu springen. Learmonth stieg als Erste auf das Ponton, Lindemann hatte als Siebte nur 12 Sekunden zurück. Auch 550 Meter weiter war der Rückstand nicht gewachsen, sodass sich die 25-Jährige mit Learmonth, Georgia Taylor-Brown (beide Großbritannien), Summer Rappaport, Katie Zaferes (beide USA), Flora Duffy (Bermudas) und der Brasilianerin Vittoria Lopes auf die Radstrecke ging.

Auf der sehr kurvigen - und vor allem regennassen - Fünf-Kilometer-Strecke, die achtmal gefahren werden musste, gab es zahlreiche Stürze. Lindemann hielt sich in der Spitzengruppe meist hinten auf, in der dritten Runde musste Summer Rappaport abreißen lassen, sodass die Gruppe auf sechs Fahrerinnen zusammenschrumpfte. Drei Runden später war das Tempo auch für die Brasilianerin Lopes zu hoch, auch sie fiel aus der Gruppe um Lindemann nach gut einer Stunde raus. Die Verfolgergruppe um 2012-Olympiasiegerin Nicola Spirig (Schweiz) kam trotz langer Führungsarbeit der 39-Jährigen nicht an die Fünfergruppe heran, der Rückstand pendelte sich bei gut einer Minute ein.

Lindemann in der Spitzengruppe auf die Laufstrecke

Zu diesem Zeitpunkt kam langsam auch die Sonne über der Hauptstadt Tokios raus, die Radstrecke blieb aber weiterhin nass. Kurz vor dem Ende des Radkurses hatte die Britin Georgia Taylor-Brown großes Pech: Wegen eines platten Hinterreifens musste sie die anderen vier ein bisschen wegziehen lassen, fuhr aber mit dem Defekt noch in die Wechselzone.


Aus der gingen die vier führenden Frauen gemeinsam raus, doch schnell setzte sich Flora Duffy an die Spitze, dahinter folgte mit etwas Abstand Zaferes, danach Lindemann und anschließend Learmonth und Taylor-Brown. Letztere legte allerdings ein Wahnsinns-Tempo an den Tag und überholte sowohl Learmonth und Lindemann. Nach der ersten der vier 2,5-Kilometer-Runden hatte die Potsdamerin zwölf Sekunden Rückstand auf Taylor-Brown. Nach der zweiten Runde hatte Lindemann 1:30 Minuten Rückstand auf die führende Flora Duffy und 38 Sekunden auf die Drittplatzierte Taylor-Brown. Und von hinten drohte weitere Gefahr durch Jessica Learmonth und eine Gruppe um Nicola Spirig.

Und die Gruppe holte auf: Léonie Périault (Frankreich) und Rachel Klamer (Niederlande) überholten kurz vor dem Ende der dritten Runde, Spirig kam auch immer näher, sodass Lindemann als Sechste auf die letzte Runde ging. Dort wurde sie auch noch von Spirig und der Italienerin Alice Betto überholt, sodass sie am Ende 2:48 Minuten hinter Olympiasiegerin Flora Duffy ins Ziel kam.