07. April 2020 / 15:45 Uhr

Triathlon-Veranstalter spekulieren auf Wettbewerbe im Herbst - Mallorca liegt zurzeit in Lehrte 

Triathlon-Veranstalter spekulieren auf Wettbewerbe im Herbst - Mallorca liegt zurzeit in Lehrte 

Matthias Abromeit
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Radkurs in Bokeloh wäre im Herbst unproblematisch.
Der Radkurs in Bokeloh wäre im Herbst unproblematisch. © Rico Person
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Dass die Triathlon-Saison noch vor dem Sommer beginnt, glauben die wenigsten. Dafür wurden bereits zu viele Wettbewerbe abgesagt. Die Veranstalter hoffen, dass Termine im Herbst stattfinden können. Für die Triathleten des Lehrter SV hätte eigentlich das Ostertrainingslager auf Mallorca angestanden, doch nun ist Improvisieren angesagt. 

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Die Gefühlslage der Triathleten offenbart derzeit ein sehr breites Spektrum. Es reicht von höchster Kreativität bei neuen Trainingsformen bis zu nachlassender Motivation, sich noch dazu aufzuraffen. Zu unsicher ist die Zukunft. Denn dass die Saison noch vor dem Sommer beginnt, glauben die wenigsten. Zu viele Wettkämpfe sind bereits abgesagt. Hameln, Melle, die Landesmeisterschaft in Munster und sogar das Kultrennen in Roth fallen aus.

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Der 19. Sparkassen-Triathlon in Bokeloh, der für den 30. Mai geplant war, wurde schon vor Wochen abgesagt und auf den 12. September verschoben. „Das ist der letzte Tag, an dem das Freibad in Bokeloh noch geöffnet ist. Auch der Verband hat schon zugestimmt“, sagt Heinz Wellmann, der Triathlon in Bokeloh vor vielen Jahren hoffähig gemacht hatte.

Mit dieser frühen Entscheidung sicherten sich die Männer des TSV Bokeloh einen der wenigen noch freien Termine im Herbst, wo sich die Veranstaltungen ballen werden. Andere Wettbewerbe wie der Hamelner Triathlon, Mitte Mai stets der Start in die Saison, wurden dagegen ersatzlos gestrichen. „Wir hatten vor Jahren schon einmal eine Verschiebung in den Spätsommer, damals wegen Straßenbaumaßnahmen. Da kamen wegen der großen Konkurrenz an Rennen deutlich weniger Teilnehmer zu uns und wir haben am Ende Minus gemacht“, sagt Hamelns Organisationschefin Daniela Walz.

Das sind die Bilder vom Triathlon in Hannover (September 2018):

Jan Raphael (rechts) wird im Ziel von Freunden und Kollegen empfangen. Zur Galerie
Jan Raphael (rechts) wird im Ziel von Freunden und Kollegen empfangen. ©

Die Verlegung hat einen Nebeneffekt

Das droht dem Bokeloh-Triathlon nicht. „Sicher werden im Herbst nicht die 700 Starter kommen, die sonst im Mai bei uns sind. Aber wir haben überschaubare Kosten und viele freiwillige Helfer“, sagt Wellmann. Die Verlegung in den Herbst hat für ihn noch einen netten Nebeneffekt. „Wann die Straße am Düdingenhausener Berg erneuert wird, wird erst noch entschieden. Da hätten uns dadurch Probleme bei unserem Radkurs ins Haus gestanden. Im Herbst ist das aber kein Thema mehr“, sagt Wellmann.


Allerdings könnte dem Wettkampf bei Wunstorf ganz anderes Ungemach drohen. „Der Triathlon Verband Niedersachsen (TVN) hat schon einen Notetat für den Fall beschlossen, dass in diesem Jahr kein einziger Triathlon mehr stattfinden wird und er keine Einnahmen aus Verbandsabgaben hat. Allein wir zahlen jedes Jahr 1500 bis 2000 Euro an den Verband“, sagt Wellmann, der als Vertreter der Vereine auch im TVN-Präsidium sitzt.

Diese Gedankenspiele sind bisher nur das Worst-Case-Szenario – aber nicht unbedingt Utopie. Dass die erste Saisonhälfte vor dem Sommerferien bei den Triathleten aber fast komplett ausfallen wird, zeichnet sich ab. Auch der Betrieb in der Regionalliga, in der die Frauen des TSV Bokeloh erstmals gemeinsam mit denen des Lehrter SV in einer Startgemeinschaft loslegen wollten, steht in den Sternen. Für den Juni waren in Bergedorf, Itzehoe und Schwerin drei der insgesamt fünf Rennen geplant. Noch sind sie allerdings nicht abgesagt. „Wir waren es leid, in der 2. Bundesliga immer nur darum zu kämpfen, ob wir Letzter oder Vorletzter werden. Darum haben wir zurückgezogen und wollten nun in der Regionalliga angreifen“, sagt LSV-Betreuerin Silvia Weimann. „Wir freuen uns auf diese Rennen“, ergänzt sie und trägt damit ihren Optimismus zur Schau, dass vielleicht doch noch im Sommer Triathlon steigen wird.

Die Schülerserie Süd, die inoffizielle Meisterschaft bei den Nachwuchsathleten, ist dagegen schon arg dezimiert. „Helmstedt, Hameln und Bokeloh finden definitiv nicht im Mai statt. Dass unser Schüler-Triathlon am 12. Juni ausgetragen wird, sehe ich nicht. Aber noch ist die Absage nicht sicher“, sagt der Lehrter Landestrainer Udo Weimann. Von den sechs Terminen der Serie sind Stand jetzt nur Bokeloh am 12. sowie Peine am 19. September übrig geblieben.

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Es fehlt der Minipool im Garten

So bleibt den Triathleten nur das Training. Sie sind allerdings in der glücklichen Lage, dass sie im Gegensatz zu vielen Mannschaftssportarten allein trainieren können. Laufen und Radfahren geht fast überall, nur das Schwimmen fällt aus. Die vierfache Hawaii-Siegerin Daniela Ryf aus der Schweiz kann da nicht zum Vorbild werden. Sie schwimmt im Minipool im Garten, ist dabei mit einem Gummiband an einem Baum festgebunden und wird dadurch immer wieder zurückgezogen. Doch solch einen Pool hat in Bokeloh, Lehrte oder Langenhagen niemand. „Schwimmtraining im Mittellandkanal wäre sicher keine gute Idee. Da fahren jetzt noch mehr Schiffe als sonst. Und erlaubt ist es auch nicht“, sagt Wellmann mit einem Augenzwinkern.

Voller Elan trainieren dafür die Jugendlichen des LSV: Emma Langer, Philip Schulz sowie die Zwillinge Dennis und Alexander Weber sind voll dabei. Eigentlich hätte für das LSV-Quartett nun das Ostertrainingslager mit dem Landeskader auf Mallorca angestanden. Doch das fiel ebenso aus. Da ist Improvisieren angesagt. So findet das Trainingslager teilweise im heimischen Wohnzimmer statt. „Sie haben vom Landestrainer Trockenprogramme bekommen, wie sie mit 15 bis 20 Übungen die Schwimmmuskulatur aufrechterhalten können. Pläne für Rad- und Laufeinheiten haben sie auch“, sagt Udo Weimann. So wird das zweiwöchige Trainingslager simuliert. Mallorca liegt nun in den Lehrter Wohnzimmern.