20. Dezember 2020 / 15:07 Uhr

Trotz Corona: Diese beiden Gifhorner Oberliga-Kicker sehen sich jeden Tag

Trotz Corona: Diese beiden Gifhorner Oberliga-Kicker sehen sich jeden Tag

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ein starkes Duo, auch neben dem Platz: Noah Moreno Silva (l.) und Erik Weinhauer vom MTV Gifhorn.
Ein starkes Duo, auch neben dem Platz: Noah Moreno Silva (l.) und Erik Weinhauer vom MTV Gifhorn. © Sebastian Preuß
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Sie spielen zusammen beim MTV Gifhorn, sie sind gute Freunde - und wohnen in einer WG in Braunschweig: Noah Moreno Silva und Erik Weinhauer. Das Duo sprach mit dem SPORTBUZZER über das Leben in der Fußball-WG, seine enge Freundschaft trotz hitziger Derbys und den gemeinsamen Wechsel zu Oberligist Gifhorn.

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Die Corona-Pandemie. Sie sorgt für eine Zeit der Abstände, der Kontakt-Beschränkungen und natürlich den Sport-Stopp im Amateur-Bereich. Auch Fußballer können zu ihren Team-Kameraden meist nur digital Kontakt halten. Doch das gilt nicht für alle: Erik Weinhauer und Noah Moreno Silva spielen seit dieser Saison in der Oberliga für den MTV Gifhorn, sind von der Regelung ausgenommen - denn das Duo wohnt in Braunschweig gemeinsam in einer WG, bildet also einen Hausstand. Die beiden 19-Jährigen verbringen ihre Schulzeit schon seit Jahren nicht mehr im Hotel Mama.

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Und wie kriegen die Jungs den Alltag so gewuppt? "Es ist halt keine Mutter da, die um 6.30 Uhr sagt: 'Aufstehen, frühstücken und dann geht's in die Schule'", gibt Moreno Silva einen Einblick und führt mit einem Lachen fort: "Da wird auch mal kurz vor knapp aufgestanden, dann ein Brötchen in den Ofen gesteckt, auf der Hand geschmiert und ab ins Auto..." Doch chaotisch sei es nie, betonen die beiden mit einem Schmunzeln. Weinhauer: "Falls es mal dreckig oder unaufgeräumt ist, sind wir irgendwann so weit, dass wir sagen: 'Jetzt reicht's, das können wir keinem mehr anbieten."

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Hitzige Derbys

Doch wirklich schlimm sei es nie, falls es mal Besuch gibt, hätte der sich auch nie beschwert. Und manchmal gibt's ja auch noch Hilfe aus der Heimat, sagt Moreno Silva mit einem Grinsen. "Wenn dann mal eine Mutti zu Besuch ist, dann unterstützt die uns auch mal bei Sachen, die vielleicht nicht so leicht sauber zu machen sind für drei Jungs." Drei Jungs? Genau! Das MTV-Duo wohnt nicht alleine unter einem Dach, mit dabei ist auch noch Matthias Heiland, der zu dieser Saison den Sprung in den Profi-Kader von Eintracht Braunschweig geschafft hat. Ein Schritt, der dem Nachwuchs-Duo, das drei Jahre in der Eintracht-Jugend verbracht hat, zwar vorerst verwehrt geblieben ist, ihren Wechsel nach Gifhorn sehen sie aber keineswegs als Rückschritt. Und dass es sie zum selben Klub gezogen hat, war auch kein Zufall.

Mit dem Fußball hat das MTV-Duo in seinen Heimatvereinen in Sachsen-Anhalt angefangen: Moreno Silva beim Halleschen FC und Weinhauer in Blankenburg, letzterer ist mit zwölf Jahren dann in die Jugend des 1. FC Magdeburg gewechselt. Für den langen Weg in Richtung bezahlten Fußball haben sich die zwei noch unabhängig voneinander entscheiden, ehe sie sich in der Landesauswahl kennenlernten. In Derbys standen sie sich aber auch als Rivalen auf dem Platz. "Halle und Magdeburg, das ist ein heißes Pflaster. Das ist wie Braunschweig gegen Hannover", beschreibt Moreno Silva die Duelle und sagt mit einem Schmunzeln: "Die Ossis nehmen die Tradition noch mal ernster. Da denkst du sogar mit zwölf Jahren: Du spielst jetzt nicht nur für dich, sondern auch für die Stadt!"

Direkt gutes Gefühl in Gifhorn

Ihrer aufkeimenden Freundschaft hat das aber nicht geschadet. Weinhauer: "Wir haben in der Landesauswahl oft zusammen auf der linken Seite gespielt, Noah als Außenverteidiger und ich im linken Mittelfeld." Die Verbindung auf dem Platz war also da, die Freundschaft daneben auch. "Wenn wir bei der Landesauswahl waren, haben wir dann auch darüber gesprochen, wer wo zum Probetraining war", erinnert sich Moreno Silva. "Und beim Angebot von Eintracht Braunschweig haben wir beide gesagt, dass das was für uns ist."

Der Wechsel folgte 2017 und damit auch der frühe Auszug von zu Hause. Die gemeinsame Wohnung gab's aber erst jetzt mit dem Wechsel nach Gifhorn. Schon beim Probetraining hatten die zwei ein gutes Gefühl in der Flutmulde. "Die Jungs haben uns direkt super aufgenommen", freut sich Moreno Silva. Und Weinhauer lobt: "Wenn Corona es zulässt und du ein Spiel hast, kommen locker 250 bis 300 Leute, und die unterstützen dich einfach. Du hast das Gefühl, du spielst für die ganze Stadt. Das ist einfach schön." Auch die Anlage hat es den beiden angetan: "Der Platz ist einfach top", sagt Weinhauer und fährt mit einem Schmunzeln fort: "Wir haben auswärts in dieser Saison schon auf einem Platz mit Maulwurfshügeln gespielt. Da habe ich zu Noah gesagt: 'Egal, wie viel Geld ich hier bekommen hätte, ich hätte keine Lust, hier zu zocken.'"

Keine Lust auf einen Bankplatz

Geld spielt für die beiden schon eine Rolle. Von dem, was sie mit dem Fußball verdienen, bezahlen sie ihre WG-Zimmer. In der Corona-Pause fehlt das Einkommen, da helfen zum Glück die Eltern derzeit aus. "Aber wir haben uns dennoch bewusst nicht wegen des Geldes für den MTV entschieden, da ist auch nicht das große Geld zu verdienen. Es ist uns einfach wichtig, zu spielen", sagt Weinhauer. Und Moreno Silva ergänzt: "Bis jetzt war der Wechsel eine super Entscheidung. Wie viele aus unserem Jahrgang, mit denen wir zusammengespielt haben, sitzen in der Regionalliga auf der Bank und machen kein Spiel? Wir sind stolz, dass der MTV uns das Vertrauen gegeben hat, dass wir spielen und uns zeigen können."

Jetzt hofft das Duo, das im April dann hoffentlich das Abitur in der Tasche hat, noch auf ein vernünftiges Ende der Saison, will mit dem MTV unbedingt die Klasse halten. Weinhauer: "Der MTV gehört auf jeden Fall in die Oberliga." Doch durch den jüngsten NFV-Vorschlag, wonach nur die ersten drei Teams jeder Oberliga-Staffel in die Aufstiegs-Runde kämen, läge der Abstieg doch noch im Bereich des Möglichen. Aber die guten Ergebnisse vor der Zwangs-Pause machen Mut. Weinhauer optimistisch: "Wenn wir ins Rollen kommen, schaffen wir das."