01. Oktober 2021 / 15:44 Uhr

Trotz der Roten Laterne: Keine Panik bei Union Neuruppin

Trotz der Roten Laterne: Keine Panik bei Union Neuruppin

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Stephan Ellfeldt (Trainer Neuruppin), Potsdamer Kickers - SV Union Neuruppin,  Landesklasse West, 4.Spieltag, Saison 21/22, Fussball, Potsdam, Foto: Benjamin Feller
Verfällt nicht in Panik: Union-Trainer Stephan Ellfeldt. © Benjamin Feller
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Landesklasse West: Die Mannschaft von Trainer Stephan Ellfeldt empfängt am Samstag zum 7. Spieltag den Langener SV.

Noch ist das Unioner Kind nicht in den Brunnen gefallen, doch nach sechs Landesklassen-Spieltagen taumelt es gefährlich nah am Rand entlang. Mit 21 Gegentoren, vier eigenen Treffern, vor allem aber eben null Punkten stehen die Gildenhaller Fußballer am Tabellenende der West-Staffel. Trotz der sportlichen Misere gibt es für Stephan Ellfeldt weiterhin keinen Grund, panisch zu werden. „Als Außenstehender würde ich bestimmt auch denken, dass bei uns irgendwas brodelt oder wir uns als Gemeinschaft auseinanderdividieren“, sagt der Union-Trainer. Doch dem sei überhaupt nicht so, eher das Gegenteil ist der Fall: „Die Trainingsbeteiligung steigt, die Motivation ebenfalls. Die Stimmung passt sowieso untereinander, die lassen wir uns in Gildenhall durch nichts verderben.“

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Sie würde aber vermutlich noch einmal steigen, wenn am Samstag (15 Uhr, Sportplatz Gildenhall) die ersten drei Zähler auf das eigene Punktekonto wandern. Am siebten von insgesamt 34 Spieltagen will Ellfeldt nicht von einem Endspiel sprechen, die Richtung dürfte der Ausgang des Duells mit dem Langener SV aber allemal weisen: „Natürlich fehlt uns momentan das Erfolgserlebnis. Wir sind selbst dafür verantwortlich, uns endlich zu belohnen.“ Denn eine intakte Truppe erlebt der Gildenhaller Coach sowohl beim Training als auch bei den Spielen – wenn man die 0:7-Heimschlappe gegen Wittenberge/Breese ausklammert: „Da war ich nicht vor Ort und habe auch keine Erklärung dafür. Die konnten mir selbst meine Spieler nicht geben.“

In Bildern: Die Potsdamer Kickers gewinnen gegen Union Neuruppin mit 2:0.

<b>Potsdamer Kickers - SV Union Neuruppin 2:0 (0:0).</b> Tore: 1:0 Ebuka Canisius Nwosu (55.), 2:0 Jakob Drebenstedt (70.). Zuschauer: 36. Zur Galerie
Potsdamer Kickers - SV Union Neuruppin 2:0 (0:0). Tore: 1:0 Ebuka Canisius Nwosu (55.), 2:0 Jakob Drebenstedt (70.). Zuschauer: 36. © Benjamin Feller

Ansonsten waren die Fontanestädter in den meisten Partien keinesfalls schlechter als ihr Gegner, lagen zum Teil gar bis zur Endphase der Begegnung in Front, wie zum Auftakt gegen Nauen, als der Ausgleich in Minute 85 und das entscheidende 1:2 in der fünften Minute der Nachspielzeit fiel. Eine Woche darauf setzte es den Knockout bei der 3:4-Niederlage in Weisen in der 93. Minute. Wittenberge, Potsdamer Kickers, SG Michendorf, Teltower FV – so hießen anschließend die Konkurrenten, gegen die man ebenfalls als Verlierer den grünen Rasen verließ. Kein Fallobst, sondern gestandene Teams in der Landesklasse West. Und dennoch: Union braucht Punkte, auch wenn Persönlichkeiten wie Steven Wolter, Stefan Fechner, Marcus Krahl, Sebastian Miessner oder Michael Engel nicht mehr dabei sind.


Es sind nun eben andere, die inmitten des Umbruchs Verantwortung übernehmen müssen. Ole-Bastian Wagener, Björn Thore Normann oder Lucas Fetter beispielsweise scheuen sich trotz ihres jungen Alters nicht, voranzugehen. Es sind dann aber doch eben Typen wie Markus Filarski (auf dem Platz) oder Torhüter Oliver Jundel (in der Kabine), die die Mannschaft wachrütteln. Auch Jannis Steinke ist einer, der das Zepter in die Hand nehmen kann, derzeit aber wie seine Mitspieler nicht die glücklichste Figur abgibt und oft die falsche Entscheidung trifft. „Jannis ist einer, der den Ball auch mal aus 30 Metern in den Knick jagt. In Teltow steht er letzte Woche zehn Meter vor dem leeren Tor und sucht den Pass, statt abzuschließen“, beschreibt Ellfeldt sinnbildlich für die aktuelle Situation.

Union II in der Spitzengruppe der Kreisoberliga

Gegen den LSV soll der Befreiungsschlag gelingen, soll die Tor- und Punkteflaute beendet werden. Um es sich selbst zu beweisen und um die Aufholjagd zu starten. „Ich bin überzeugt davon, dass wir drei, vier Mannschaften am Ende der Saison hinter uns lassen werden. So viel Qualität besitzen wir nämlich“, betont der Trainer, der angesprochen auf den Ernstfall, in dem Fall auf einen möglichen Doppel-Abstieg der Unioner Männerteams nur müde lächelt: „Das müsste man dann besprechen, was passiert.“ Die Reserve kickt in der Kreisoberliga nur eine Spielklasse tiefer, müsste demnach vermutlich zwangsabsteigen, sollte die aktuelle Landesklassen-Elf den Klassenerhalt nicht schaffen.

„Was ist denn aber, wenn die Zweite aufsteigt und wir es sportlich nicht packen?“, fragt Ellfeldt. Eine triftige Antwort darauf konnte ihm bisher niemand nennen, tatsächlich mischt die Kreisoberliga-Truppe um Trainer Ingo Nachtigall gegenwärtig in der Spitzengruppe mit. Aber auch der kürzliche Jubilar – das Trainer-Urgestein feierte seinen 60. Geburtstag – macht sich wie sein Kollege nicht heiß: „Da bin ich völlig entspannt. Ich kann und will mir außerdem kein Urteil erlauben, die Jungs werden es aber schon richten, zumal sie ja einen guten und erfahrenen Trainer haben.“ Ob Ellfeldt oder Nachtigall, der Tenor ist gleich: Keine Panik in Gildenhall.