16. Januar 2022 / 22:13 Uhr

Mit Sieg gegen Österreich: Deutschland erreicht EM-Hauptrunde - Abwehr bereitet Sorgen

Mit Sieg gegen Österreich: Deutschland erreicht EM-Hauptrunde - Abwehr bereitet Sorgen

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Deutschland hat bei der Handball-EM die Hauptrunde erreicht.
Deutschland hat bei der Handball-EM die Hauptrunde erreicht. © IMAGO/wolf-sportfoto
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Wieder liegen die deutschen Handballer bei der EM zur Halbzeit zurück - und wieder drehen sie das Spiel: Das DHB-Team feiert gegen Österreich seinen zweiten Turniersieg und beweist wie schon gegen Belarus eine starke Moral. Weil Polen am Abend Belarus schlägt, zieht Deutschland damit vorzeitig in die Hauptrunde ein.

Bundestrainer Alfred Gislason zog Till Klimpke an seine Brust, klatschte mit Simon Ernst gleich mehrfach ab. Deutschlands Handballer haben gegen Österreich am Sonntagabend den zweiten Sieg in ihrem zweiten Spiel bei der Europameisterschaft hervorgezaubert und damit vorzeitig die Hauptrunde erreicht. Nach dem 34:29 (15:16) der DHB-Auswahl gegen Österreich bescherte der anschließende 29:20-Sieg von Polen gegen Belarus den Schützlingen von Alfred Gislason das Weiterkommen. Und das nach dem positiven Corona-Test von Julius Kühn am Samstagabend. Jetzt geht es an diesem Dienstag im Duell um den Gruppensieg gegen Polen (18 Uhr, ZDF).

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"Es war nicht alles Gold, was glänzt. Aber wir haben uns nach der Pause riesig gesteigert", fand Christoph Steinert. Auch Gislason stimmte in den Tenor mit ein: "Leider waren wir erneut nicht von Anfang an da. Die Abwehr war extrem löchrig. Und das, obwohl Till Klimpke gut gehalten hat." Doch das Positive überwog auch beim Bundestrainer: "Trotz der vielen Neulinge kommen wir zurück, bewahren die Ruhe. Das ist eine Qualität. Die zweite Halbzeit hat mir vorn wie hinten gut gefallen."

DHB-Team überwindet Kühn-Schock

Das DHB-Team hat den Kühn-Schock überwunden. Der bisher symptomfreie Torjäger, doppelt geimpft und geboostert, musste am Sonntagmorgen seine Sachen packen und für mindestens fünf Tage ins Quarantänehotel umziehen. Dabei hatten sich die Deutschen fern vom Corona-Chaos in den ungarischen Spielorten in der Blase von Bratislava in Sicherheit gewähnt. Weitere Fälle sind nicht ausgeschlossen. "Das bekommt man nicht aus dem Kopf, die Einschläge kommen näher", sagte Steinert.

Vor 1485 Zuschauern sorgte der Bundestrainer mit Spielbeginn gegen Österreich für weitere Überraschungen. Er vertraute im Tor erneut dem zum Auftakt glücklosen Till Klimpke. Auch die Flügelzange besetzte er mit Lukas Mertens und Timo Kastening in der Anfangssieben neu. Simon Ernst und Djibril M’bengue kamen zudem als Abwehrspezialisten zu ihrem Bratislava-Debüt. Nur: Wie schon gegen Belarus ging der Start daneben. Als Sebastian Heymann nach sieben Minuten das erste Tor erzielte, lag das DHB-Team schon 1:3 zurück. Eine Art Befreiungsschlag – auch für Heymann.

Erneut Abwehr-Probleme in der ersten Halbzeit

Der DHB-Motor lief nun im Vollgasmodus, vor allem über die erste und zweite Welle wurden die Österreicher immer wieder überrannt. Auch der Positionsangriff gefiel. Ob mit Wucht aus dem Rückraum (Heymann), Blick für Lücken (Weber) oder konsequent über die Außen spielend (Mertens, Kastening). Nach einem 6:2-Lauf hatten die Deutschen das Spiel gedreht (6:5/11.). Nur: Wie schon gegen Belarus war die Abwehr das Problem. Ob im defensiven 6:0-Verband, offensiver 5:1-Formation, mit unterschiedlichem Personal – nichts zündete so richtig. 16 Gegentreffer zur Pause – zu viel.

Doch wie gegen Belarus kamen die Deutschen zurück. Ob Luka Witzke als Spielmacher oder Steinert als Halbrechter – auch der zweite Anzug passte. Das DHB-Team setzte sich Tor um Tor ab, hatte nach 43 Minuten ein erstes Drei-Tore-Plus (24:21). Gegen Belarus noch vermisst, war dabei das Spiel über die Außen eine Augenweide, vor allem über rechts. Timo Kastening dankte es als „Man of the Match“ mit neun Treffern aus elf Würfen. Jetzt zahlte sich auch die breitere Qualität im Kader aus. Den Österreichern um ihren Kiel-Star Mykola Bilyk (sieben Treffer) schwanden die Kräfte. Als Klimpke Parade an Parade reihte (14 insgesamt), der Magdeburger Flügelflitzer Mertens per Konter zum 32:27 (55.) netzte, hatte Team Austria sein Lachen verloren.